Ärzte Zeitung, 14.06.2006

ADHS macht ganzen Tag Probleme

Betroffene Kinder fallen auch in der Freizeit negativ auf / Anhaltende Therapie wichtig

FREISING (wst). Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sind durch ihre Symptome nicht nur während der Schulstunden, sondern oft den ganzen Tag beeinträchtigt. Sie brauchen daher eine Therapie, die den ganzen Tag abdeckt.

Schulstunden und Hausaufgaben sind für Kinder mit ADHS oft ein Problem. Es fällt ihnen häufig schwer, sich längere Zeit zu konzentrieren. Foto: Lilly

Defizite bei Aufmerksamkeit und Konzentration sowie motorische Unruhe während der Schul- und Hausaufgabenzeit sind nur eine Facette von ADHS. Das stellte Professor Craig L. Donnelly aus Hanover im US-Staat New Hampshire klar.

Auch in der Freizeit fallen viele Betroffene negativ auf, sagte der ADHS-Experte Donnelly bei den vom Unternehmen Lilly ausgerichteten 3. ADHS-Gesprächen in Freising. 

Die Kinder sind zum Beispiel häufig in Streitereien verwickelt. Sie können sich schlecht im Sportverein oder in anderen Gruppen integrieren, und im Straßenverkehr können sie sich und andere gefährden.

Auch neigen Jugendliche mit ADHS eher zu riskanten Sexualkontakten und Drogenmißbrauch, so der ADHS-Experte. Abends fällt vielen ADHS-Patienten das Einschlafen schwer und morgens sind sie kaum wach zu bekommen.

Um die ADHS-Symptome kontinuierlich zu lindern, sei der selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Atomoxetin (Strattera®) häufig besser geeignet als Psychostimulantien, sagte Donnelly. Bei punktuell hohen Anforderungen an die Konzentration (etwa Mathematikstunden) könne zudem bei Bedarf zum Beispiel Methylphenidat zusätzlich zu Atomoxetin angewendet werden.

Eine neu begonnene Therapie mit dem ab dem 6. Lebensjahr zugelassenen Atomoxetin entfaltet eine deutliche Wirkung nach vier bis sechs Wochen. Werden Patienten von einem anderen Präparat umgestellt, ist die Vortherapie noch für diese Zeit beizubehalten.

Die medikamentöse Therapie bei ADHS sollte in ein umfassendes Behandlungskonzept mit psychologischen, erzieherischen und sozialen Maßnahmen eingebettet sein. Und: Einmal im Jahr unternimmt Donnelly in den Ferien einen zwei- bis vierwöchigen Auslaßversuch, um zu sehen, ob die Patienten inzwischen ohne Medikament auskommen.

Atomoxetin ist kein Psychostimulanz und unterliegt nicht dem Betäubungsmittelgesetz. Komorbide Störungen wie Tics, Angststörungen und oppositionelles Verhalten sind keine Kontraindikationen. Die einmal tägliche eingenommene Dosis sollte einschleichend bis zur ausreichenden Wirkung gesteigert werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

In kleinen Schritten zum Normalgewicht

Manch eine Adipositas-Therapie scheitert daran, dass die geforderte große Gewichtsabnahme Betroffene abschreckt. Forscher plädieren nun dafür, die Stoffwechsel-gesunde Adipositas als erstes Therapieziel zu definieren. mehr »

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Bürgerversicherung, Regressrisiko, GOÄ: Unsere Leser haben abgestimmt, welche Themen in der Gesundheitspolitik die nächste Bundesregierung unbedingt anpacken sollte. mehr »

Patienten sollen für Infos zahlen

Patienten und Angehörige sind bei beratungsintensiven Erkrankungen häufig hilflos. Viele Akteure versuchen, neutrale Angebote im Internet bereitzustellen. Ein Biologe will nun Beteiligte auf einer Plattform zusammenführen. mehr »