Ärzte Zeitung, 22.03.2004

Lassen sich Zellen aus dem Pankreas bald züchten?

Im Tiermodell erfolgreich

BREMEN (hbr). Lassen sich aus dem Pankreas Stammzellen gewinnen, die das Potential für Insulin-produzierende Betazellen haben? Prinzipiell gibt es im Pankreas zwei mögliche Quellen für adulte Stammzellen: duktale Zellen aus dem Epithel der kleinen Pankreasgänge und Zellen aus den Langerhansschen Inseln selbst, wie Privatdozent Jochen Seufert von der Universität Würzburg gesagt hat.

Tatsächlich kommen in den Pankreasinseln sogenannte Nestin-positive (NP) Zellen vor. Nestin ist ein Protein des Zellgerüsts. NP-Zellen lassen sich isolieren, anreichern und zu Insulin produzierenden Zellen differenzieren, so Seufert bei einem Diabetes-Kongreß in Bremen. NP-Stammzellen aus dem menschlichen Pankreas exprimieren Rezeptoren für das Glukagon-like Peptide 1, ein endokrines Hormon, das zur Zeit auf seine antidiabetische Eignung untersucht wird. In Tiermodellen bewirkte es unter anderem eine verstärkte Insulin-Produktion und eine Erhöhung der Beta-Zell-Masse.

Im Tiermodell gelang es zudem, duktale Stammzellen zu isolieren und auszudifferenzieren. Nach Transplantation unter die Nierenkapsel senkten sie bei diabetischen Tieren den Blutzucker. "Es gelingt auch, diese duktalen Vorläuferzellen aus dem Pankreas humaner Spender zu isolieren und in vitro zu Insulin- produzierenden Zellen zu differenzieren", berichtet Seufert. Außerdem war die Insulinsekretion Glukose-induziert: "Zwar nicht im physiologischen Bereich - aber es funktioniert."

Allerdings war die Zellgenerierung noch nicht effektiv genug. Für einen potentiellen Einsatz zum Beispiel im Transplantionsbereich müsse sie noch verbessert werden. Hierzu wird gegenwärtig ein Protein namens PX untersucht, so Seufert. Es stimuliert die Proliferation von Vorläuferzellen und ausdifferenzierten Betazellen, ohne daß diese zu Tumorzellen transformieren. PX wurde in NP-Zellen nachgewiesen.

Zur Zeit läuft ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstütztes Verbundprojekt, bei dem aus humanen Pankreasinseln NP-Stammzellen isoliert werden sollen und das zunächst stabile Zellkulturen anstrebt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

MDK lehnt Pflegeanträge seltener ab

Kommen die Pflegereformen bei den Versicherten an? Neuen Zahlen zufolge fallen weniger Antragssteller durchs Raster und erhalten somit Leistungen. mehr »