Ärzte Zeitung, 21.01.2004

Otitis media bei Kindern - Antibiose ist kein Muß!

Abschwellende Nasentropfen plus antipyretisch-analgetische Therapie können reichen / Erfolg mit pflanzlicher Arznei

MÜNCHEN (sto). Bei Kindern mit Otitis media können zur initialen Behandlung abschwellende Nasentropfen plus antipyretische und analgetische Therapie mit engmaschiger Kontrolle genügen. Der niedergelassene HNO-Arzt Professor Hans Eichner aus München hat bei Kindern zudem gute Erfahrungen mit pflanzlichen Arzneien gemacht.

Nach Eichners Ansicht sollten bei akuter Otitis media möglichst wenig Antibiotika verordnet werden. Er beginne nach Möglichkeit immer mit einer naturheilkundlichen Therapie, etwa mit dem pflanzlichen Medikament Otovowen®, und überwache die Kinder engmaschig.

Wenn diese Behandlung nach zwei Tagen keine Wirkung hat, sollte man "so gezielt wie möglich" auf ein angemessenes Antibiotikum umsteigen, sagte Eichner bei einer Veranstaltung des Unternehmens Weber & Weber aus Inning am Ammersee. Bei Komplikationen müßten sofort Antibiotika gegeben werden.

Die Therapie-Strategien bei akuter Otitis media sind nach Eichners Angaben in den westlichen Industrieländern sehr verschieden. In den USA oder Australien bekämen nahezu alle Kinder mit einer Mittelohrentzündung Antibiotika, in den Niederlanden jedoch nur etwa ein Drittel der Kinder.

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft bewerte den routinemäßigen Einsatz von Antibiotika bei akuter Otitis media inzwischen als "nicht zweckmäßig", sagte Eichner bei der Veranstaltung in München. Er berichtete zudem über Leitlinien der Universität Witten-Herdecke, nach denen Belege für die Heilwirkung einer initialen antibiotische Therapie bei Otitis media fehlten.

Nur eine Schmerztherapie sei hilfreich. Ansonsten sollten die ersten zwei Krankheitstage abgewartet und die Therapie am dritten Tag eventuell neu bewertet werden, so Eichner. Im Gegensatz dazu würde die Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie nach wie vor den primären Einsatz von Antibiotika empfehlen, sagte Eichner. Grund dafür sei die Angst vor Komplikationen wie Mastoiditis, Meningitis oder Hirnabszessen.

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