Ärzte Zeitung, 13.12.2004

Neue Ermittlungen wegen Juschtschenkos Vergiftung

Generalstaatsanwalt der Ukraine reagiert

Das Opfer einer Vergiftung mit Dioxin: Viktor Juschtschenko.
Foto: dpa

KIEW (dpa). Der ukrainische Generalstaatsanwalt hat am Samstag neue Ermittlungen wegen des "angeblichen Vergiftungsversuchs" des Präsidentschaftskandidaten Viktor Juschtschenko aufgenommen, meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax. Erste Ermittlungen waren am 22. Oktober eingestellt worden. Damals hatte es geheißen, eine medizinische Untersuchung habe ergeben, daß die Krankheit Juschtschenkos auf eine Herpes-Infektion zurückzuführen sei.

Das neue Ermittlungsverfahren wurde aufgrund der in Wien vorgestellten Diagnose aufgenommen, nach der Juschtschenko während des Präsidentschaftswahlkampfs mit Dioxin vergiftet worden ist. Dies gaben die behandelnden Ärzte in Wien nach neuen Tests am Samstag bekannt.

Juschtschenko war am Freitagabend überraschend in der Privatklinik Rudolfinerhaus eingetroffen, wo er bereits im Herbst behandelt worden war. Die Ärzte Michael Zimpfer und Nikolai Korpan hatten eine endgültige Diagnose von abschließenden Tests in Wien abhängig gemacht.

"Wir schließen ab mit der Zusatzdiagnose ,Verdacht auf Fremdverschulden‘", sagte Zimpfer. In Blut und Gewebe des Patienten habe man "mindestens das Tausendfache der normalen Konzentration" an Dioxin gefunden. "Das entspricht einer Dosierung im Milligramm-Bereich beziehungsweise im unteren Gramm-Bereich". Diesen Verdacht hatte auch der Toxikologe John Henry aus London geäußert (wir berichteten).

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