Ärzte Zeitung, 24.01.2005

Keim-Sporen im Hausstaub waren Kindstod-Ursache

HELSINKI (wsa/eb). Den plötzlichen Tod eines elf Wochen alten Kindes führen finnische Wissenschaftler auf eine ungewöhnliche Ursache zurück. Im Darm des Säuglings wiesen sie Clostridium botulinum nach. In der Wohnung der Eltern fanden die Forscher Sporen des gleichen Bakteriums im Hausstaub. Ein genetischer Vergleich ergab, daß beide Keimisolate identisch waren.

"Dieses Ergebnis zeigt, daß Clostridium botulinum-Sporen in der Wohnungsluft Säuglingsbotulismus auslösen können", schreiben die Forscher um Mari Nevas von der Universität in Helsinki (JCM 43, 1, 2005, 511). Möglicherweise seien auch andere Fälle von ungeklärtem plötzlichen Kindstod auf eingeatmete Sporen des Bakteriums zurückzuführen.

Als Hauptursache des Säuglingsbotulismus gilt eine Lebensmittelvergiftung, bei der Clostridien-Sporen mit der Nahrung in den Darm gelangen, sich dort vermehren und Botulinumtoxin freisetzen. Clostridien können nur unter Sauerstoffausschluß wachsen und Toxin bilden. Die Sporen stellen aber widerstandsfähige Ruhestadien des Bakteriums dar, die auch in Gegenwart von Luftsauerstoff lebensfähig bleiben und dann im Darm auskeimen können.

Auch etwa Kollegen der Uni Würzburg gehen davon aus, wie berichtet, daß Säuglingsbotulismus als Ursache für plötzlichen Kindstod unterschätzt wird (Klin Päd 26, 2004, 216). In Studien aus Deutschland und anderen Ländern wurden bei 15 bis 30 Prozent der unerwartet gestorbenen Kinder Clostridien und Botulinumtoxin in Darm und Leber entdeckt.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Nicht immer geht's sofort zum Arzt

20- bis 50-jährige Patienten in Deutschland sind offenbar leidensfähig. Denn sie verschieben den Arztbesuch oft um Wochen oder Jahre, obwohl sie Beschwerden haben. mehr »

Bei Meniskusriss nicht vorschnell operieren

Ärzte sollten bei Meniskusrissen nicht gleich eine arthroskopische Operation einleiten. Oft kommen Betroffene auch mit Gymnastik und Physiotherapie zum Ziel. mehr »

Sinken die Konnektor-Preise?

Wie werden sich die Preise für den Anschluss an die Telematikinfrastruktur entwickeln, wenn dann vier Konnektoren auf dem Markt sind? Die Selbstverwaltung hofft auf sinkende Preise - doch ob das so kommt, ist fraglich. mehr »