Ärzte Zeitung, 11.05.2005

Rehabilitation hilft ausgebrannten Lehrern

Etwa die Hälfte der vorzeitig dienstunfähigen Berufsschullehrer hat eine psychische Erkrankung / Studie mit 520 Lehrern

BOCHUM (FHV). Etwa die Hälfte der älteren dienstunfähigen Berufsschullehrer hat psychische Störungen. Häufig sind vor allem Depressionen und Burn-out-Syndrom. Eine Psychotherapie in einer Rehaklinik macht die meisten der Lehrer wieder fit für den Unterricht - und das zahlt sich auch für die Pensionskassen aus.

Burn-out-Syndrom und Depressionen sind bei Berufsschullehrern keine Seltenheit. Foto: DAK

Bei Berufsschullehrern sollte mehr auf die psychische Gesundheit geachtet werden, so der Sozialmediziner Professor Dr. Andreas Weber aus Erlangen. Diese Schlußfolgerung zieht Weber aus einer Untersuchung aus Bayern.

In der Untersuchung wurden Daten von 520 Lehrkräften ausgewertet, die aufgrund vorzeitiger Dienstunfähigkeit begutachtet wurden. 53 Prozent der Berufsschullehrer hatten eine psychische Erkrankung, ein Drittel davon Depressionen und ein Sechstel ein Burn-out-Syndrom. Die Lehrer waren im Schnitt 56 Jahre alt.

Oft hilft bereits ein Aufenthalt in einer psychotherapeutisch ausgerichteten Rehaklinik. Das belegen Daten von 82 stationär behandelten Lehrern: Im Mittel zwei Jahre nach einer Therapie in einer solchen Klinik seien drei Viertel der Lehrer wieder im Dienst gewesen, so Dr. Ralf Wegner aus Hamburg. Ein solcher Aufenthalt helfe also nicht nur den betroffenen Lehrer, sondern entlaste auch die Pensionskassen, sagte Wegner.

Bei den in der Studie untersuchten Lehrern waren Erschöpfungszustände deutlich zurückgegangen: Der Anteil von Lehrern mit einem ausgeprägtem Burn-out-Syndrom sank von 63 Prozent auf 37 Prozent, und die zu Hause zugebrachte Arbeitszeit sei von im Schnitt zwölf Stunden wöchentlich auf zehn Stunden wöchentlich reduziert worden. Dies wertete der Hamburger Arbeitsmediziner als gutes Zeichen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

15:47Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »