Ärzte Zeitung, 30.11.2005

Greenpeace: Obst in Supermärkten pestizidverseucht

Umweltorganisation stellt Ergebnisse eines Tests vor und will mit Strafanzeigen gegen Supermarktketten vorgehen

Mit Strafanzeigen und Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen mehrere Supermarktketten will die Umweltschutzorganisation Greenpeace gegen den Verkauf von zum Teil stark mit Pestiziden belastetem Obst und Gemüse vorgehen.

Fünf Wochen lang hatte die Organisation in einem nach eigenen Angaben bislang einzigartigen Großtest bis Ende Oktober 658 Obst- und Gemüseproben führender Ketten in Deutschland, Österreich und der Schweiz analysiert.

In 100 Fällen seien die gesetzlichen Höchstmengen erreicht oder überschritten worden, sagte Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter bei der Vorstellung des neuen Einkaufsratgebers "Pestizide aus dem Supermarkt" in Hamburg. 16 Proben seien für Kleinkinder akut gesundheitsschädlich.

Laut Krautter verkaufen Lidl und der Metro-Konzern mit seiner Kette Real das am stärksten mit Giftstoffen überzogene Obst und Gemüse. Am besten habe der österreichische Marktführer Billa von der Rewe-Gruppe abgeschnitten, gefolgt vom deutschen Discounter Aldi.

Im Mittelfeld lagen die Vollsortimenter Edeka/Spar, Tengelmann, Rewe und der Regionalanbieter tegut. Die Untersuchungsergebnisse hat Greenpeace den Handelsketten zukommen lassen. Lidl war auf Nachfrage zu keinem Kommentar bereit.

In Deutschland decken die untersuchten Ketten zusammen drei Viertel des Lebensmittelmarktes ab. Auffällig sei, daß Rewe in Deutschland deutlich stärker belastete Waren anbiete als seine österreichische Tochter Billa. "Für Rewe sind die Deutschen Verbraucher zweiter Wahl", so Krautter.

Das Ergebnis widerlege die Ansicht "Billig gleich schlecht", so der Greenpeace-Experte. Wirklich befriedigend sei aber keines der Angebote gewesen. Deutsche Supermärkte böten die billigsten Lebensmittel in Westeuropa an, die Pestizidbelastung sei Folge dieser Niedrigpreispolitik.

Bedenklich sei auch, daß manche der getesteten Supermarktketten Kunden in den selben Labors seien, in denen Greenpeace die Proben habe untersuchen lassen. Manche Produkte würden beispielsweise beim Anbau in Spanien derart mit Pestiziden geduscht, daß sie trieften und selbst noch im Supermarkt deutliche Flecken von Rückständen aufwiesen, sagte Krautter. (ddp.vwd)

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