Ärzte Zeitung, 20.10.2009

Männer haben Hungergefühl besser im Griff als Frauen

Frauen können Hungerzentren kaum ausschalten

NEU-ISENBURG (cl). Gewichtsprobleme scheinen eher Frauensache zu sein und tatsächlich sind mehr Frauen als Männer fettleibig oder leiden unter Essstörungen. Eine mögliche Ursache dafür könnte sein, dass Männer ihr Hungergefühl und das Denken an Essen besser kontrollieren können als Frauen. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie aus den USA.

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Mit Blick auf die Torte fällt es Frauen schwer, den Hunger zu unterdrücken.

Foto: M. Conic@www.fotolia.de

In ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler eine kleine Gruppe von 23 gesunden, nicht-fettleibigen Personen, davon 13 weiblich. Das Durchschnittsalter lag bei 33 Jahren und der durchschnittliche BMI bei 25. Einen Tag vor Beginn der Studie wurden die Probanden gebeten, ein Lieblingsgericht aus einem Menü auszuwählen und anschließend 17 Stunden zu fasten. Dann wurde ihnen das gewählte Gericht vorgesetzt.

Die Studienteilnehmer durften das Essen ansehen, daran riechen, es auch probieren aber nicht essen. Im zweiten Schritt sollten sie mittels kognitiver Hemmung jeden Gedanken an Hunger oder Essen unterdrücken. Danach wurde ihnen das gewählte Essen erneut vorgesetzt, berichtet die Zeitschrift "Der Diabetologe" mit Bezug auf eine Arbeit im Fachmedium "PNAS" (106, 2009, 1249).

Die Amygdala, der Hippocampus, der Insel- und der orbitofrontale Kortex und das Striatum sind Hirnregionen, die in die emotional gesteuerte Regulation und Motivation der Nahrungsaufnahme involviert sind. Eine Studie mittels PET konnte schließlich zeigen, dass diese Regionen bei beiden Geschlechtern gleichermaßen stark aktiv wurden, wenn die Probanden sich auf die ihnen vorgesetzten Speisen konzentrieren sollten.

Hunger und Appetit stiegen bei allen an. Versuchten die Probanden, das Hungergefühl durch kognitive Hemmung zu unterdrücken, wurde aber nur bei den Männern ein signifikant verringerter Wunsch nach Essen beobachtet. Bei den Frauen war die Aktivität dieser Hirnregionen ungebremst, auch wenn sie angaben, weniger Hunger zu verspüren. Die Fähigkeit, aktiv Hungergefühl und Appetit zu unterdrücken, scheint demnach bei Männern stärker ausgeprägt zu sein. Dies könnte ein Grund für die niedrige Adipositasrate bei Männern sein.

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