Ärzte Zeitung, 20.04.2011

Übergewicht schadet dem Gehirn - besonders bei Frauen

LEIPZIG (ars). Übergewicht auf den Knochen erzeugt Untergewicht im Gehirn: Adipöse haben ein verringertes Gehirnvolumen und eine verringerte Gewebedichte in der grauen Substanz, wie Studien bereits belegen. Nun gibt es außerdem Hinweise, dass die überschüssigen Fettpolster das Gehirn bei Frauen noch gravierender schädigen als bei Männern.

Solche geschlechtsspezifischen Unterschiede haben Forscher des Max-Planck-Instituts in Leipzig zusammen mit Kollegen nachgewiesen. Dazu untersuchten sie das Gehirn von insgesamt knapp 50 normal- bis stark übergewichtigen Frauen und Männern mit der diffuisionsgewichtenen Magnetresonanztomografie.

Mit dieser Technik lassen sich die Bewegungen von Wassermolekülen messen. Sie eignet sich besonders, um die weiße Substanz mit den signalübertragenden Fortsätzen der Nervenzellen, den Axonen und der isolierenden Myelinschicht zu untersuchen (PLoS One 11. April).

Bei beiden Geschlechtern war ein Axonmarker im Corpus Callosum verringert, was nach Aussage der Autoren ein Hinweis für eine Degeneration der Axone ist. Aber nur bei Frauen nahm ein Myelinmarker mit steigendem Körpergewicht und steigenden Leptinspiegeln zu.

Das wiederum interpretieren die Wissenschaftler als Zeichen eines zusätzlichen Myelinabbaus. Ähnliche Veränderungen seien für Hirnalterung typisch. Die Unterschiede bei Frauen und Männern könnten auf die abweichenden Faserverknüpfungen zwischen den Hirnhälften zurückgehen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Europäische Impfwoche - Same procedure as last year!

Heute starten die Europäischen Impfwochen. Am Beispiel Masern werden beträchtliche Defizite in Deutschland deutlich - und dass es seit Jahren kaum Fortschritte gibt. mehr »

Blick ins Gehirn offenbart beste Therapie-Option

Einige Depressive sprechen besser auf Verhaltenstherapien an, andere auf Antidepressiva. Ein Blick ins Hirn per fMRT zeigt, welcher Ansatz den meisten Erfolg verspricht. mehr »

Milliarden für die Versicherten – Kassen bleiben skeptisch

Erster Aufschlag des neuen Gesundheitsministers: Jens Spahn will gesetzlich Versicherte per Gesetz entlasten. Aus Richtung Kassen und Opposition weht scharfer Gegenwind. mehr »