Ärzte Zeitung, 24.11.2014

Diäten

Kein Königsweg zur schmalen Taille

Wollen Übergewichtige dauerhaft abnehmen, wird ihnen immer noch zu Diäten geraten - obwohl wissenschaftlich längst belegt ist, dass eine reduzierte Kost alleine nicht zum Idealgewicht führt. Zum erfolgreichen Schlankwerden gehört weitaus mehr.

Von Thomas Müller

Nicht der Weg zur schmalen Taille

Schmale Kost ist zur Gewichtsreduktion nur kurzfristig erfolgreich, wie Studien immer wieder ergeben haben.

© Pixelbliss / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Eigentlich hätten sich die Forscher um Dr. Renée Atallah die neueste Übersichtsarbeit zum Diäten-Vergleich sparen können: Den meisten Dicken helfen Diäten alleine nichts, egal ob sie eine kohlenhydrat-, protein- oder fettarme Ernährung zum Abspecken bevorzugen (Circulation 2014, online 11. November).

Das alles ist schon lange bekannt, so lange, dass die Erkenntnisse bereits in die aktuelle S3-Leitlinie der Adipositas-Gesellschaft eingeflossen sind: Hier kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Zusammensetzung der Makronährstoffe für den Diäterfolg unerheblich ist, letztlich sei die Gesamtkalorienzahl entscheidend, und die, so heißt es in der Leitlinie, bekommen viele Adipöse langfristig nicht in den Griff.

Das Problem sind also nicht die Diäten - selbst mit einer reinen Schokodiät könnte jemand abnehmen, wenn er außer einer Tafel am Tag nichts anderes isst.

Es ist der adipöse Körper, der, vermutlich evolutionsbiologisch begründet, verbissen jedes Gramm der einmal angelegten Kalorienreserven verteidigt und dabei ein leichtes Spiel hat, in einer Welt, in der hochkalorische Verführungen an jeder Ecke lauern.

Ohne Sport schafft es kaum jemand abzuspecken

Die entscheidende Frage lautet also: Wie lässt sich der Körper überlisten? Hier lohnt es sich, bei denen nachzuschauen, die es dauerhaft geschafft haben, ihren BMI von über 30 auf unter 25 zu senken.

In der Regel haben solche Leute nicht nur ihre Ernährung, sondern ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt. Weniger essen ist nur ein Weg, mehr Bewegung der andere, um eine negative Kalorienbilanz zu erreichen. Am besten funktioniert beides zusammen.

Ohne Sport schafft es jedenfalls kaum jemand, abzuspecken. Man denke nur an Joschka Fischer, der vom Pummelchen zum Leichtgewicht mutierte, als er sich aufraffen konnte, täglich zu joggen, und der schnell wieder in die Breite ging, als er damit aufhörte.

Doch auch der Mangel an Bewegung erklärt nicht alles, letztendlich muss man von einem komplexen adipogenen Umfeld ausgehen, das die Fettpölsterchen so prächtig gedeihen lässt: Zu viel Fettes und Süßes, zu viel Fast- und Fertigfood, zu viel Fernsehen, zu wenig Bewegung, zu wenig Obst und Gemüse, zu wenig Wissen über eine gesunde Lebensweise, zu wenig Möglichkeiten für eine aktive Freizeitgestaltung.

Adipositas scheint an solchen Faktoren zu kleben wie die Finger an einem fettigen Donut, und das wird besonders in jenem Land deutlich, in dem die Übergewichtigen und Adipösen bereits 70 Prozent der Bevölkerung in den USA stellen.

Doch gerade dort lässt sich auch gut beobachten, wie das Wachstum des Bauchumfangs zu verhindern ist: In den Straßen von Manhattan, in den Kneipen von Brooklyn, an den Stränden Kaliforniens, auf dem Campus von Harvard - dort sucht man sie vergeblich, die Dicken.

Es ist die gebildete urbane Mittel- und Oberschicht, die sich der Adipositas-Epidemie erfolgreich widersetzt. Menschen, die öffentliche Verkehrsmittel benutzen, mit dem Rad fahren, abends zu Tausenden durch Parks und an Flussufern entlangjoggen und es nicht weit zum nächsten Bioladen haben.

Die Dicken findet man dagegen in den Problemvierteln oder in den unzähligen Vororten und auf dem Land, wo jeder Schritt aus dem Haus in die Garage mündet, weil es sonst keine anderen Möglichkeiten gibt, sich fortzubewegen. Man trifft sie auch überall dort, wo der Weg zum nächsten Supermarkt viel weiter ist als der zum nächsten Fast-Food-Provider.

Kochen findet nur noch im Fernseher statt

Nun liegt natürlich nicht alles an den vorhandenen Möglichkeiten, sondern auch an der Einstellung: Wer häufig einen großen Bogen um die Frittenbräter und Donut-Verkäufer macht, der will sich bewusster ernähren.

Und an diesem Bewusstsein mangelt es häufig auch in Deutschland. Hier gibt es zwar fast überall eine gute Freizeit-, Sport- und Frischwaren-Infrastruktur, doch nimmt offenbar der Teil der Bevölkerung ab, der diese zu nutzen und zu schätzen weiß.

Und das liegt nicht primär am Geld: Eine Tiefkühlpizza kostet mitunter mehr als ein paar Hühnchenstreifen auf Rucolasalat. Die Pizza muss ich aber nur in den Backofen schieben, mit dem Salat bin ich eine halbe Stunde beschäftigt.

Schaut man sich Familien an, in denen die Adipositas von den Eltern auf die Kinder übertragen wird, so trifft man den Rucolasalat dort eher selten. Kochen ist für viele eine Beschäftigung, die allenfalls noch im Fernseher stattfindet.

Beim Abspecken muss also der gesamte Lebensstil auf den Prüfstand. Und wer der Adipositas-Epidemie etwas entgegensetzen will, sollte bereits bei den Kindern beginnen.

Vielleicht wären Kochstunden in der Schule eine Möglichkeit, um Appetit auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu machen, vielleicht sollten dicke Kinder ihren eigenen Sportunterricht bekommen, wo sie Spaß an körperlicher Bewegung lernen, statt von den anderen gehänselt zu werden.

Es gibt im Bemühen gegen die Fettsucht wahrlich Sinnvolleres, als nach der richtigen Diät zu schauen.

[16.12.2014, 16:14:51]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
man soll das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.
Dass alle Diäten nur in ihrem Kalorieninhalt zu bewerten seien, ist nur "physikalisch" korrekt und biologisch FALSCH! Der Körper hat etwas mehr also nur tägliche Kalorienbedürfnisse.
Es ist schon faszinierend wieviele, auch staatlich geförderte, LAIEN sich hier berufen fühlen, Empfehlungen oder noch schlimmer Resignation zu verbreiten.
Es ist also keineswegs gleichgültig, mit welchem MANGEL, der menschlicher Körper seine gespeicherten Kalorien (Fettreserven) angreift!
Ärztliche Aufgabe ist es hier, GESUNDHEITSSCHÄDEN zu verhindern, was selbstverständlich möglich ist.
Mit falscher Zusammensetzung verliert der Patient Gewicht, aber nicht sein Fett,
das passiert bei Eiweißmangel, für das der Organismus KEINE Speicher besitzt. Es gibt ein TÄGLICHES Eiweißminimum, der Körper baut sonst seine eigenen Zellen ab,
dabei hat es bei nahezu eiweißfreien "Diäten" schon Todesfälle gegeben. Von anderen essentiellen Nahrungsmitteln abgesehen.
Man kann jemand also durch FALSCHE Diät umbringen, deshalb sollte man vielleicht einen sachkundigen Arzt fragen, eher keinen Ernährungsberater.
Eine weitere Hilfe von eiweißreicher Kost ist SOWOHL das höchste Sättigungsgefühl aller drei Hauptnahrungsgruppen, als auch der höchste zusätzliche Kalorienverbrauch DURCH die Nahrung, genannt spezifisch-dynamische Wirkung.
Viele kleine Nahrungsportionen ist ebenso völliger Quatsch, besser so wenig wie möglich, schafft ein Dicker auch besser als ein Schlanker.
Der subjektive "Sättigungseffekt" entscheidet WESENTLICH mit, ob der Übergewichtige die Diät "durchhält".
Kollege Schätzler,
das ist das Geheimnis der Atkins-Diät, die ja in der Realität wirklich erfolgreich ist, auch wenn sie von "Ernährungswissenschaftlern" so unbeliebt ist.
Die Menschen sind soooo schnell satt von der einseitigen Fett- und Eiweiß - Kost, dass sie automatisch weniger essen, ohne alles abzuwiegen. Hunger bekommt man also am meisten nach Kohlenhydraren!
Ich will Atkins nicht empfehlen, sondern nur erklären,
denn es ist in der (Küchen-)Praxis extrem schwer, kohlenhydrat frei zu kochen,
das weis jeder der weis was Kochen ist.

Alles andere hat mit Gewichtsabnahme nicht viel zu tun,
ohne vernünftige Ernährung nützt auch Sport nichts,
wobei es auch gesunde Dicke gibt.
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[01.12.2014, 04:27:32]
Tobias Kaiser 
Populistische Phrasendrescherei
Schade Herr Müller, eigentlich hätten Sie angesichts dieser Studie endlich mal die Sinnfrage stellen können, warum Ärzte ihren Patienten immer noch empfehlen, abzunehmen, wenn die überwältigende Mehrheit dieser "Patienten" ganz offensichtlich niemals dauerhaft abnehmen wird. Sie verschreiben doch auch kein Medikament von dem Sie wissen, dass dieses Medikament 9 von 10 Patienten nicht hilft. Stattdessen lese ich in Ihrem Artikel und folglich in den Kommentaren wieder die selben populistischen Phrasen.

Sie schreiben z.B. dass "Übergewichtige und Adipöse 70 Prozent der Bevölkerung stellen". Woher haben Sie diese Zahl? Eine Studie des Robert-Koch-Instituts von 2012 ergab, dass laut WHO-Definition 67,1 % der Männer und nur 54,5 % der Frauen als übergewichtig eingestuft werden (1)(2). Bis 70 % ist es da noch ein weiter Weg!

Dazu kommt noch, dass die meisten davon nur "übergewichtig" sind, oder unter „Adipositas Grad 1“ leiden, also jener Gruppe angehören, die laut Meta-Analyse die niedrigste Mortalitätsrate haben (3). Alleine die Tatsache dass wir gerade denjenigen Menschen, die offenbar am gesündesten sind einreden, sie mögen doch bitte etwas für ihre Gesundheit tun zeugt doch schon von der Idiotie, auf die sich dieser Körperkult stützt.

Übrig bleibt nur noch der weitaus geringere Prozentsatz an Menschen mit Adipositas Grad 2 und 3, die in der Metastudie ein um 29% höheres Risiko hatten, während ihres jeweiligen Studienzeitraums zu sterben, als die „normalgewichtigen“ Probanden. Nun können wir weiter fragen: Sinkt denn das Mortalitätsrisiko wieder, wenn die Probanden abspecken? Die Antwort: Nein, es sei den sie leiden akut am metabolischen Syndrom (4).

Das bedeutet, damit Gewichtsabnahme überhaupt einen medizinischen Vorteil bringt, muss ein Patient bereits wegen Typ-2-Diabetes in Behandlung sein. Nur bei diesen Patienten kann man überhaupt über den Sinn einer Reduktionskost streiten. Zum Vergleich: Sie haben in ihrem Artikel 70% der deutschen Bevölkerung für behandlungsbedürftig erklärt und das mit dem populistischsten Argument überhaupt: Man muss es ja nur wollen. Man muss ja nur ein wenig kochen lernen und „einen Bogen um Frittenbräter machen“ und dann klappts schon mit dem Abnehmen.

Wenn sie etwas aus der in ihrem Artikel vorgestellten Studie gelernt haben sollten, dann dass Patienten, die mit ihrem Abnehmwunsch alleine gelassen werden, höchstwahrscheinlich nicht dauerhaft abnehmen werden. Damit die Patienten dauerhaft abnehmen sind tatsächlich gewaltige Einschnitte in den Lebensstil notwendig und zwar unter Aufsicht eines Psychotherapeuten, der sicherstellt, dass diese Änderungen auch wirklich vorgenommen werden. Und eben weil diese Einschnitte so massiv sind, hat eine solche Verhaltenstherapie eine sehr hohe Non-Compliance Rate und selbst bei den Patienten, die die Verhaltenstherapie abschließen, hält sich der Gewichtsverlust in Grenzen.

Die Alternative bei metabolischem Syndrom wäre ganz einfach regelmäßiges Ausdauertraining, da sehen wir nämlich den exakt selben positiven Effekt unabhängig davon, ob der Patient Gewicht verliert oder nicht (6). Ganz allgemein wäre das für übergewichtige Patienten ein wesentlich sinnvollerer Ratschlag, als noch eine weitere Diät.

Fazit: Wir haben in den letzten 20 Jahren immer wieder krampfhaft versucht, aus dicken Menschen dünne Menschen zu machen und diese Versuche sind von vorne bis hinten durchgescheitert. Es ist an der Zeit, dass wir damit aufhören.

Quellen:
(1) http://de.statista.com/statistik/daten/studie/233449/umfrage/entwicklung-von-uebergewicht-und-adipositas-in-deutschland-bei-maennern/
(2) http://de.statista.com/statistik/daten/studie/233461/umfrage/entwicklung-von-uebergewicht-und-adipositas-in-deutschland-unter-frauen/
(3) http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1555137
(4) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1160579/
(5) http://www.indiana.edu/~k662/articles/metabolicsyndrome/ms%20exercise%20HERITAGE%202003.pdf
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[25.11.2014, 17:37:13]
Sabine Jacob 
Kochen als Lehrfach
Wie sollen Kinder kochen lernen und sich gesund ernähren, wenn die Stundenpläne Lebensfeindlich sind, die Mensa nur ihr Mittagessen verteilt und die Kinder bis zum späten Nachmittag in der Schule betreut werden?

Wenn die Eltern abends nichts mehr kochen, wird auch ihr Filius nicht in die Töpfe gucken sondern sich später Pizza in den Ofen schieben oder bei einer Fastfood Kette sein Essen besorgen.
Aber Hauptsache das Kind hat Abitur, kann aber weder Wurzeln von Rüben unterscheiden!

Gekocht wird im TV, wo innerhalb von 20 Minuten ein 3-Gang-Menü entsteht. Dass Kochen auch Einkaufen bedeutet, Vorbereitung, Hygiene sehr wichtig ist, und das Kochen selbst nicht in 5 Minuten getan ist, Küche aufräumen und säubern dazu kommen, sieht der Zuschauer nicht.

Fette Kinder werden nicht geboren, sie werden herangezogen! Wurzelziehen ist nicht alles, liebe Lehrer. Lasst die Kinder lieber richtige Wurzeln ziehen und zubereiten!

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[24.11.2014, 15:40:43]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Der Diät-Wahn bei Adipositas ist das eigentliche Krankheitsbild!
Herzlichen Dank an SpringerMedizin-Autor Thomas Müller für diesen umfassenden und kritischen Leitartikel (Ärzte Zeitung print-Ausgabe)! Man kann sich kaum vorstellen, welche vier z. T. absurden Reduktionsdiäten da von R. Atallah et al. mit "Long-Term Effects of 4 Popular Diets on Weight Loss and Cardiovascular Risk Factors. A Systematic Review of Randomized Controlled Trials" in der Zeitschrift "Circulation" vorgestellt und diskutiert werden mussten ["Background — We conducted a systematic review to examine the efficacy of the Atkins, South Beach, Weight Watchers (WW), and Zone diets, with a particular focus on sustained weight loss at =12 months"]:

1. Atkins-Diät nach Dr. Robert Atkins, US-Arzt, setzt auf extrem niedrige Kohlenhydrat-Aufnahme von tgl. bis 20 Gramm. Konsum von Fett und Fleisch ist 'off limits' erlaubt. Der Körper solle sich dann bei minimierten Kohlenhydraten, erhöhter Harnsäure und ansteigender Hyperlipidämie auf die Verbrennung von Fett umstellen?
2. Auch die South-Beach-Diät nach Dr. Arthur Agatston, US-Kardiologe, basiert auf Kohlenhydrate-Entzug: Anfangs völlig auf Kohlenhydrate zu verzichten, soll den bisherigen Heißhunger auf Süßigkeiten, Gebäck und stärkehaltige Produkte kupieren. Erwünscht sind Gemüse und Fisch. Später sind Kohlenhydrate mit niedrigem glykämischen Index bis zum Erreichen des Wunschgewichts erlaubt. Is(s)t damit bei dieser Diätform der Jojo-Effekt nicht einprogrammiert?
3. Die "Zone"-Diät, eine Ernährung mit Kohlenhydraten aus Obst und Gemüse, ungesättigten Fettsäuren mit Fisch, Nüssen, Avokado und Pflanzenölen tabuisiert Kohlenhydrate aus Nudeln, Reis, Weißbrot sowie gesättigte Fettsäuren. 40% Kohlenhydrate, 30% Fett, 30% Protein solle die Insulinspiegel in einer stabilen "Zone" halten, um den Aufbau von Fettreserven zu bremsen.
4. Die Weight-Watchers-Diät favorisiert allein die Kalorienzahl: Gegessen und getrunken werden darf, was schmeckt. Jedem Nahrungsmittel wird eine Punktzahl zugeordnet; jeder Punkt entspricht etwa 50 Kilokalorien. Die Teilnehmer unterliegen einem Gruppendruck in gemeinsamen, kostenpflichtigen "Audits" und berichten dort, wie sie ihre Punktzahl unter- oder überschritten bzw. eingehalten haben.

N i c h t getestet wurde die Ornish-Diät nach Dean Ornish, US-Kardiologe, mit Verzicht auf stark Fetthaltiges. Maximal 10% Prozent täglicher Kalorienaufnahme aus Fett, ansonsten Gemüse, Obst und Getreide in beliebigen Mengen ist erwünscht. Fettarme Milch(-produkte) in Maßen; Fleisch, Öle, Nüsse, Samen, Zucker, Honig, Alkohol, Vollmilch und alles, was pro Portion mehr als zwei Gramm Fett hat, sei tabu.

Dem Ornish-Dogmatismus stehen die aktuellen S3-Leitlinien der Deutschen-Adipositas-Gesellschaft (DAG) nicht nach. Sie lauten unter
http://www.adipositas-gesellschaft.de/fileadmin/PDF/Leitlinien/S3_Adipositas_Praevention_Therapie_2014.pdf
wie folgt:
"Welche praktischen Empfehlungen sollten Menschen mit Adipositas gegeben werden, um sich gesund und ausgewogen zu ernähren?
1. Vermeiden von großen Portionen und häufigem Verzehr von fettreichen Lebensmitteln, z. B. fettreiches Fleisch, fettreiche Wurstwaren, fettreicher Käse, fettreiche Backwaren, fettreiche
Fertigprodukte, fettreiches Fast-Food, Sahne, Schokolade, Chips usw.
2. Reduktion der Fettmenge, Bevorzugung von pflanzlichen Fetten, z. B. Öle, Nüsse, Samen.
3. Häufiger Verzehr von Lebensmittel, die reich an Ballaststoffen sind, z. B. Gemüse, frisches Obst, Vollkorngetreideprodukte.
4. In Maßen können energiereiche nichtalkoholische Getränke (z. B. Erfrischungsgetränke, Säfte, Nektare, Fruchtsaftgetränke, Eistees) konsumiert werden. Kalorienfreie Alternativen (z.B. Wasser) sollten bevorzugt werden.
5. Bei Fertiggerichten auf den Energiegehalt achten.
6. Alkoholkonsum einschränken. Keinesfalls mehr als ein bis zwei kleine Gläser an alkoholischen Getränken pro Tag konsumieren.
7. Die Vielfalt des Lebensmittelangebotes nutzen und genießen.
8. Körpergewicht regelmäßig kontrollieren.
9. Reduktion der Energieaufnahme um 500-800 kcal/Tag vor allem durch Verkleinerung von Portionsgrößen und Wahl energieärmerer Nahrungsmittel.
10. Das Protokollieren des Verzehrs bei Mahlzeiten und Getränken sowie ein regelmäßiger Mahlzeitenrhythmus erleichtern die Einhaltung der vorhergenannten Empfehlungen."
Die DAG hat sich damit erneut dem "Fettaugen-Zählen" und dem Schokolade- bzw. maßvollem Alkohol-Genuss-Verteufeln verschrieben. Das eine "Low Carb" Methode wie z. B. die LOGI-Methode nach Prof. N. Worm ebenfalls funktionieren könnte, wird damit dogmatisch ausgeschlossen.

Doch wie sollen sich unsere Patientinnen und Patienten als Couch-Potatoes, Sport- und Bewegungsmuffel überhaupt noch zu einer wie auch immer gearteten Kalorienreduktion bewegen und motivieren lassen, wenn sie Fertig-, Convenience- und Knabberzeug-Produkte futternd bzw. Bier, Schnaps und Wein trinkend unzählige TV-Koch-Shows zur gesunden und wohlschmeckend-abwechslungsreichen Ernährung nebst Adipositas-trächtigen Werbeeinblendungen unbedingt genießen und nie versäumen wollen?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[24.11.2014, 12:51:28]
Dr. Richard Barabasch 
Wo kein Wille, da kein Weg
"Willst Du, oder willst Du nicht ?" Da brauchts's nicht 'mal einen Königsweg - nur den Willen wenigsten einen, nämlich den individuellen Weg zu gehen, der ausschließlich mit verminderter Kalorienzufuhr beginnt !
Und dabei auch nicht zu schwätzen, über was "sollte, könnte, würde, dürfte, müsste". Nur dort - beim Wollen - und nirgendwo sonst liegen die ach so larmojant beteuerten "Probleme mit dem" eigenen "Gewicht",
meint
R.B. zum Beitrag »
[24.11.2014, 08:33:50]
Angelika Severin 
Ein Lösungsansatz - wieder Kochen und Genuß lernen
Die Studien bringen keine neuen Erkenntnisse, weil wir das naheliegendste dabei vergessen. Viele von uns, da kann ich mich auch nicht völlig frei davon sprechen, haben den Genuss am gemeinsam kochen und essen verlernt oder nie kennen gelernt. Da helfen auch keine Kochshows mit edlen Lebensmitteln, wenn das gemeinsame Erleben fehlt. Auch wird essen immer mit dem Wort "Gesundheit" verdorben. Es kann ja gesund sein, aber ich muss ja nicht immer davon reden.  zum Beitrag »
[24.11.2014, 08:07:40]
Margarita Moerth 
Erfrischende Einsichten
Man kann und darf es gar nicht oft genug sagen und schreiben: Adipositas ist bereits ein zutiefst gesellschaftliches Problem geworden, dessen Wurzeln an verschiedenen Stellen zu finden sind.

Leider lassen sich mit klangvollen Diät- bzw. Guru-Namen, meist kräftig unterstützt von Massenmedien, immer noch viele Euros umsetzen, und kachektische, hochgejubelte "Stars" tragen das Ihre dazu bei, dass vor allem sehr junge Menschen einen völlig falschen Anspruch an ihr eigenes Körperbild entwickeln. zum Beitrag »

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