Direkt zum Inhaltsbereich

Hoher BMI und Typ-2-Diabetes

Diese Menschen haben ein höherer Leberkrebs-Risiko

Menschen mit hohem BMI, großem Taillenumfang oder auch mit Typ-2-Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom. Das berichten US-Forscher aufgrund der Daten-Analyse von 1,5 Millionen Probanden.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Diese Menschen haben ein höherer Leberkrebs-Risiko

© Kurhan / fotolia.com

ATLANTA. Welche Risikofaktoren begünstigen Leberkrebs? Bisherige Studien hierzu hatten mögliche Störfaktoren nicht konsequent berücksichtigt. Auch der Einfluss nicht entdeckter hepatozellulärer Karzinome (reverse Kausalität) war nicht überprüft worden. Die Epidemiologen und Onkologen um Dr. Peter T. Campbell von der American Cancer Society in Atlanta stützen ihre aktuellen Berechnungen nun auf Daten des "Liver Cancer Pooling Project". Dieses enthält Informationen von 1,57 Millionen Erwachsenen, die an 14 prospektiven US-Studien teilgenommen hatten. Darunter waren die Women's Health Initiative (WHI), die Women's Health Study und die Nurses' Health Study (Cancer Res 2016; 76: 6076).

Die Angaben zum BMI stammten dabei in allen Studien außer der WHI von den Studienteilnehmern selbst, berichten die Wissenschaftler. Auch der Taillenumfang wurde außer in zwei Studien von den Teilnehmern selbst gemessen.

Die Angaben über eine Typ-2-Diabeteserkrankung wurden in allen Studien über eine Befragung zu Studienbeginn ermittelt. Schließlich wurden in der Auswertung Daten zu Rauchverhalten und Alkoholkonsum berücksichtigt. In einer Subgruppe der Studienteilnehmer wurden zudem Seromarker für eine Infektion mit Hepatitis-B- oder -C-Viren bestimmt. Insgesamt 2162 erkrankten in der Studie an Leberkrebs.

Männer stärker betroffen als Frauen

Mithilfe der gängigsten Regressionsanalyse "Cox Proportional Hazards Model" bestimmten Campbell und seine Kollegen die Assoziationen der Faktoren BMI, Taillenumfang und Typ-2-Diabetes mit der Entwicklung eines hepatozellulären Karzinoms. Im Vergleich zu einem normalen BMI (18,5 bis 25 kg/m2) ging ein BMI von 25 bis 29,5 kg/m2 mit einem um 21 Prozent, ein BMI =40 kg/m2 sogar mit einem um 116 Prozent erhöhten Leberkrebsrisiko einher.

Die BMI-Zunahme um jeweils 5 kg/m2 war demnach bei Männern deutlicher mit einem erhöhten Krebsrisiko assoziiert als bei Frauen (Hazard Ratio [HR] 1,38 versus 1,25). Bei dieser Berechnung hatten die Forscher unter anderem Alter, Geschlecht, Alkoholkonsum und Rauchen berücksichtigt. Das war auch beim Parameter Taillenumfang der Fall, für den ein Risikoanstieg um 11 Prozent pro 5 cm mehr berechnet, aber kein Unterschied zwischen den Geschlechtern festgestellt wurde.

Schließlich war die Wahrscheinlichkeit bei Typ-2-Diabetikern, an Leberkrebs zu erkranken, fast um das Zweifache erhöht (HR 2,85), wobei Frauen etwas weniger gefährdet waren. Wurde entsprechend auch der Einfluss von BMI oder Diabetes herausgerechnet, war die Wahrscheinlichkeit für eine Leberkrebserkrankung immer noch signifikant erhöht.

Die Auswertung der Daten der Subgruppe im Zusammenhang mit den Virusinfektionen ergab keinen Zusammenhang zwischen BMI und Krebsrisiko bei jenen, die seropositiv für eine infektiöse Hepatitis waren. Dagegen war das Risiko bei seronegativen nach Angaben von Campbell und seinen Kollegen erhöht. Offenbar sei Adipositas bei Nachweis der onkogenen Viren HCV und HBV kein wesentlicher Risikofaktor für ein hepatozelluläres Karzinom.

Adipozyten fördern Fibrose

Einschränkend weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass in den meisten Fällen die Angaben zum BMI, zum Taillenumfang und zur Diagnose Typ-2-Diabetes von den Studienteilnehmern selbst stammten. Zudem fehlten Angaben zur medikamentösen Diabetesbehandlung, etwa mit Insulin oder Metformin.

Die Wissenschaftler vermuten, dass sich sowohl bei extremer Adipositas als auch bei Typ-2-Diabetes Adipozyten in der Leber ansammeln, was unter anderem zu Fibrose und Zirrhose führen kann und schließlich zu lokalisierten Entzündungsreaktionen sowie zum Beispiel zur Insulinresistenz.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Urteil

Kostenfreie ärztliche Beratung als „verbotene Zuwendung“

Häufige Komorbidität

Woher kommt die Fettleber bei Hidradenitis suppurativa?

Das könnte Sie auch interessieren
Logo Digiteneers - Vertidisan

© Digitineers

Digitineers

Bei Schwindel – Vertidisan®: Die Therapie-App

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Logo Cardisio

© Doctolib

Doctolib

Mehr Service: KI-Assistenz rund um die Privatbehandlung

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: Studie MajesTEC-3: progressionsfreies Überlebenc

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neue Therapieoption beim rezidivierten oder refraktären Multiplen Myelom (RRMM)

Teclistamab-Daratumumab erzielt bislang unerreichten PFS-Vorteil bei RRMM ab dem 1. Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Akute Belastung versus chronische Schäden

Marathonläufer sollten ihren Nierenstatus kennen

Lesetipps
Koloskopie, Blick auf den Monitor

© Issara - stock.adobe.com

Anstoß zur Diskussion

Darmkrebs: Ist die koloskopische Überwachung falsch aufgestellt?

Ein Arzt zählt mit den Fingern bis Drei.

© Arnéll Koegelenberg/peopleimages.com/stock.adobe.com

Regionaler Multimorbiditäts-Vergleich

Wo es relativ viele Ü-50-Jährige mit drei oder mehr chronischen Erkrankungen gibt