Ärzte Zeitung, 08.11.2016
 

Hoher BMI und Typ-2-Diabetes

Diese Menschen haben ein höherer Leberkrebs-Risiko

Menschen mit hohem BMI, großem Taillenumfang oder auch mit Typ-2-Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für ein hepatozelluläres Karzinom. Das berichten US-Forscher aufgrund der Daten-Analyse von 1,5 Millionen Probanden.

Von Peter Leiner

Diese Menschen haben ein höherer Leberkrebs-Risiko

© Kurhan / fotolia.com

ATLANTA. Welche Risikofaktoren begünstigen Leberkrebs? Bisherige Studien hierzu hatten mögliche Störfaktoren nicht konsequent berücksichtigt. Auch der Einfluss nicht entdeckter hepatozellulärer Karzinome (reverse Kausalität) war nicht überprüft worden. Die Epidemiologen und Onkologen um Dr. Peter T. Campbell von der American Cancer Society in Atlanta stützen ihre aktuellen Berechnungen nun auf Daten des "Liver Cancer Pooling Project". Dieses enthält Informationen von 1,57 Millionen Erwachsenen, die an 14 prospektiven US-Studien teilgenommen hatten. Darunter waren die Women's Health Initiative (WHI), die Women's Health Study und die Nurses' Health Study (Cancer Res 2016; 76: 6076).

Die Angaben zum BMI stammten dabei in allen Studien außer der WHI von den Studienteilnehmern selbst, berichten die Wissenschaftler. Auch der Taillenumfang wurde außer in zwei Studien von den Teilnehmern selbst gemessen.

Die Angaben über eine Typ-2-Diabeteserkrankung wurden in allen Studien über eine Befragung zu Studienbeginn ermittelt. Schließlich wurden in der Auswertung Daten zu Rauchverhalten und Alkoholkonsum berücksichtigt. In einer Subgruppe der Studienteilnehmer wurden zudem Seromarker für eine Infektion mit Hepatitis-B- oder -C-Viren bestimmt. Insgesamt 2162 erkrankten in der Studie an Leberkrebs.

Männer stärker betroffen als Frauen

Mithilfe der gängigsten Regressionsanalyse "Cox Proportional Hazards Model" bestimmten Campbell und seine Kollegen die Assoziationen der Faktoren BMI, Taillenumfang und Typ-2-Diabetes mit der Entwicklung eines hepatozellulären Karzinoms. Im Vergleich zu einem normalen BMI (18,5 bis 25 kg/m2) ging ein BMI von 25 bis 29,5 kg/m2 mit einem um 21 Prozent, ein BMI ≥40 kg/m2 sogar mit einem um 116 Prozent erhöhten Leberkrebsrisiko einher.

Die BMI-Zunahme um jeweils 5 kg/m2 war demnach bei Männern deutlicher mit einem erhöhten Krebsrisiko assoziiert als bei Frauen (Hazard Ratio [HR] 1,38 versus 1,25). Bei dieser Berechnung hatten die Forscher unter anderem Alter, Geschlecht, Alkoholkonsum und Rauchen berücksichtigt. Das war auch beim Parameter Taillenumfang der Fall, für den ein Risikoanstieg um 11 Prozent pro 5 cm mehr berechnet, aber kein Unterschied zwischen den Geschlechtern festgestellt wurde.

Schließlich war die Wahrscheinlichkeit bei Typ-2-Diabetikern, an Leberkrebs zu erkranken, fast um das Zweifache erhöht (HR 2,85), wobei Frauen etwas weniger gefährdet waren. Wurde entsprechend auch der Einfluss von BMI oder Diabetes herausgerechnet, war die Wahrscheinlichkeit für eine Leberkrebserkrankung immer noch signifikant erhöht.

Die Auswertung der Daten der Subgruppe im Zusammenhang mit den Virusinfektionen ergab keinen Zusammenhang zwischen BMI und Krebsrisiko bei jenen, die seropositiv für eine infektiöse Hepatitis waren. Dagegen war das Risiko bei seronegativen nach Angaben von Campbell und seinen Kollegen erhöht. Offenbar sei Adipositas bei Nachweis der onkogenen Viren HCV und HBV kein wesentlicher Risikofaktor für ein hepatozelluläres Karzinom.

Adipozyten fördern Fibrose

Einschränkend weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass in den meisten Fällen die Angaben zum BMI, zum Taillenumfang und zur Diagnose Typ-2-Diabetes von den Studienteilnehmern selbst stammten. Zudem fehlten Angaben zur medikamentösen Diabetesbehandlung, etwa mit Insulin oder Metformin.

Die Wissenschaftler vermuten, dass sich sowohl bei extremer Adipositas als auch bei Typ-2-Diabetes Adipozyten in der Leber ansammeln, was unter anderem zu Fibrose und Zirrhose führen kann und schließlich zu lokalisierten Entzündungsreaktionen sowie zum Beispiel zur Insulinresistenz.

[08.11.2016, 15:04:38]
Maren Reed 
Früherkennung?
Interessant wäre ja zu wissen, ob man die Teilnehmer der Studien auch mal auf die NAFLD untersucht hat, aus der sich ja oft viele weitere Probleme überhaupt erst entwickeln.
Diese durch den sog. FLI, Fettleberindex, früher zu erkennen und dann durch entsprechende Therapie, z.B. Leberfasten, zu therapieren, könnte vielen Folgen entgegenwirken.  zum Beitrag »

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