Ärzte Zeitung online, 02.02.2017
 

Nach bariatrischer Op

Auf Dehydrierung achten!

Nach einer bariatrischen Op waren Übelkeit und Erbrechen mit Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust US-Registerdaten zufolge der häufigste Grund für eine erneute Klinikaufnahme. An zweiter Stelle folgten abdominelle Schmerzen.

Von Elke Oberhofer

Auf Dehydrierung achten!

Für stark übergewichtige Patienten ist die bariatrische Operation oft der letzte Ausweg.

© Waltraud Grubitzsch / dpa

CHICAGO. Nach einer bariatrischen Op gibt es immer wieder Fälle, in denen erneut eine Klinikeinweisung erforderlich wird. US-Forscher haben die Ursachen hierfür untersucht: Im Vordergrund standen oft relativ banale Probleme, die man den Autoren zufolge auch ambulant hätte angehen können. Um zu ergründen, was Patienten nach Magenband-, Schlauchmagen- oder Bypass-Op wieder in die Klinik führt, haben Elizabeth R. Berger von der Loyola University in Chicago und ihr Team ein US-weites Register ausgewertet: In der Datenbank des Metabolic and Bariatric Surgery Accreditation Quality Improvement Program (MBSAQIP) werden nicht nur Klinikeinweisungen nach bariatrischen Operationen erfasst, sondern auch die Gründe hierfür.

Ausgewertet wurden Daten von 130.007 Patienten aus 698 Einrichtungen. Davon hatten 80.646 einen Schlauchmagen erhalten, 41.983 einen Roux-en-Y-Magenbypass und 7378 ein Magenband. Alle Eingriffe waren laparoskopisch vorgenommen worden (Ann Surg 2016; online 15. November).

Innerhalb von 30 Tagen mussten insgesamt 5663 Patienten (4,4 Prozent) wieder in die Klinik. Die Patienten mit Magenband hatten mit 1,4 Prozent die geringste Wiedereinweisungsrate (sie waren im Schnitt 6,5 Tage nach der Index-Op wieder in die Klinik gekommen). Nach Schlauchmagen-Op lag die Rate bei 2,8 Prozent (Wiedereinweisung im Mittel nach zwölf Tagen), nach Bypass bei 4,9 Prozent (nach elf Tagen). Die Aufenthaltsdauer für alle wiedereingelieferten Patienten lag im Mittel bei zwei Tagen. 24,7 Prozent blieben weniger als einen Tag, bei 72 Prozent war ein längerer Klinikaufenthalt (> 24 h) erforderlich.

Wie Berger und ihr Team berichten, war der häufigste Grund für eine erneute Klinikaufnahme Übelkeit und Erbrechen mit Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlust. Solche Fälle machten zusammengenommen 35,4 Prozent der erneuten Einweisungen aus. Bei den Kurzzeitpatienten waren es sogar 43,5 Prozent.

An zweiter Stelle folgten abdominelle Schmerzen mit 13,5 Prozent. Anastomosenlecks und Blutungen (6,4 bzw. 5,8 Prozent) waren insgesamt seltener; sie hatten allerdings als Wiedereinweisungsgrund vor allem bei den Langzeitpatienten eine Rolle gespielt. Obstruktionen im Darm wurden in 4,1 Prozent als Grund angegeben, Verwachsungen um das Stoma in 3,4 Prozent.

Eine im Zusammenhang mit dem Ersteingriff noch vor der Entlassung aufgetretene Komplikation erhöhte die Wahrscheinlichkeit für eine Wiedereinweisung insgesamt deutlich: In solchen Fällen betrug die Rate 24,6 Prozent, ohne Komplikation 2,8 Prozent. Berger und ihr Team drängen in diesem Zusammenhang darauf, vor allem den postoperativen Blutungen und Anastomosenlecks mehr Beachtung zu schenken.

Bei Patienten mit Magenbypass sagten solche noch in der Klinik aufgetretenen Komplikationen sowie eine Lungenembolie in der Vorgeschichte die Wiedereinweisung am deutlichsten vorher. Bei den Schlauchmagenpatienten bestand eine starke Assoziation zu Klinikkomplikationen und ASA-Klasse. Bei Magenbandpatienten wurden keine aussagekräftigen Prognosefaktoren gefunden.

Die Daten zeigen den Forschern zufolge auch, dass Patienten, die postoperativ wahrscheinlich besser überwacht wurden, also Senioren, Diabetiker oder Dialysepatienten, seltener wiedereingewiesen werden mussten.

"Im ambulanten Setting hat man durchaus Gelegenheit, Probleme wie Übelkeit, Erbrechen und Dehydrierung zu erfassen und entsprechend zu behandeln", so das Fazit von Berger und Kollegen. Damit könne man einen signifikanten Anteil von Wiedereinweisungen vermeiden.

Im ambulanten Setting hat man durchaus Gelegenheit, Probleme wie Übelkeit, Erbrechen und Dehydrierung zu erfassen und entsprechend zu behandeln.

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