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Gewichtsreduktion

Wie lässt sich langfristiger Erfolg erreichen?

Beim diesjährigen Adipositas-Kongress in Potsdam werden neue Versorgungswege diskutiert. Es geht um wohnortnahe Betreuung.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

POTSDAM. Bereits im Kindes- und Jugendalter wird die Grundlage für kardiovaskuläre Krankheiten im Erwachsenenalter gelegt. Schon bei leicht erhöhtem, bislang noch nicht als therapiebedürftig angesehenem Body Mass Index von Adoleszenten haben US-amerikanische Wissenschaftler Anstiege des kardiovaskulären Mortalitätsrisikos im Erwachsenenalter nachgewiesen (N Engl J Med 2016; 374: 2430-2440). Das sind zusätzliche Argumente all derjenigen, die die Adipositas-Therapie sowie die präventiven Bemühungen im Kindes- und Jugendalter deutlich intensivieren möchten. Beim diesjährigen Kongress der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG) in Potsdam sollen deshalb unter anderem neue Versorgungswege diskutiert werden.

"Im Moment gehen die meisten Kinder in stationäre Rehabilitationsmaßnahmen", erklärt Privatdozentin Susanna Wiegand, eine der Tagungspräsidentinnen und Leiterin der Adipositas-Ambulanz am Sozialpädiatrischen Zentrum der Charité in Berlin. "Kurzfristig sind diese Programme zwar erfolgreich, weil Gewicht reduziert wird, langfristig aber leider nicht." Denn der Transfer der dort erlernten Verhaltensänderungen in den Alltag funktioniere oft nicht, so Wiegands Erfahrung. Und über weite Distanzen lässt sich die Schulung der Eltern nicht fortsetzen. Zugleich mangelt es in der Fläche an ambulanten Adipositas-Therapieangeboten.

Da nun die gesetzlichen Grundlagen für ambulante Rehabilitationen geschaffen worden sind, gibt es die Möglichkeit der wohnortnahen Reha-Nachsorge. Wiegand: "Diese Instrumente müssen wir nun weiterentwickeln und mit Inhalten füllen!" Gerade für Familien, die multiprofessionell versorgt werden müssen, könnte das spürbare Verbesserungen bringen, meint sie. Die existierenden Schulungsprogramme seien bereits multiprofessionell konzipiert. Die grundlegenden Versorgungsstrukturen und Teams gebe es schon. "Diese Einrichtungen müssen jetzt entscheiden, ob sie in der Lage sind, eine ambulante Rehabilitation und Nachsorge anzubieten."

Primärärzte können auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (www.aga.adipositas-gesellschaft.de) eine Karte aufrufen, wo Anbieter in der Region per Eingabe der Postleitzahl zu finden sind. Allerdings ist die Auflistung nicht vollständig, da die Versorgungsstrukturen bundesweit noch sehr verschieden sind.

Andererseits wird versucht, etwa im Rahmen von Projekten des Kompetenznetzes Adipositas, die schwer erreichbare Gruppe stark adipöser Jugendlicher anzusprechen, auch über nichtmedizinische Einrichtungen wie zum Beispiel die Agentur für Arbeit. Dort können niederschwellige Angebote unterbreitet werden, ob sie sich mit dem Thema extreme Adipositas auseinandersetzen wollen. "Das ist ein sinnvoller Ansatz, weil zwar viele Jugendliche das Problem haben, aber nicht von sich aus eine Betreuung aufsuchen", sagt Wiegand. Die Betroffenen seien oft schwer in normale Arbeit zu vermitteln, zumal oft auch ein niedriger Bildungsabschluss bestehe. "Es könnte durchaus sinnvoll sein, derartige Bemühungen zu intensivieren."

Sobald adipöse Jugendliche das Erwachsenenalter erreicht haben, verschlechtert sich die Versorgungssituation erneut. Denn ein multiprofessionelles Versorgungssystem wie für Kinder und Jugendliche existiert für Erwachsene nicht.

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