Ärzte Zeitung online, 03.01.2018

Ernährungsreport 2018

Wie die Deutschen essen

23 Prozent der Bundesbürger holen sich mindestens einmal in der Woche unterwegs belegte Brötchen, Burger, Pizza oder andere Snacks. Doch auch das Kochen am heimischen Herd liegt im Trend, wie aus dem Ernährungsreport 2018 hervorgeht.

Von Basil Wegener

Wie die Deutschen essen

Obst oder Stückchen? Die Deuschen lieben beides, wie aus dem aktuellen Ernährungsreport hervorgeht.

© GeorgeRudy / Getty Images / iStock

BERLIN. Die Bundesbürger kochen regelmäßig zuhause, essen viel Gemüse und wollen artgerechte Tierhaltung. Doch auch Imbiss oder Snacks unterwegs und günstige Nahrungsmittel sind weiter im Trend. Das zeigt der Ernährungsreport 2018, den Ernährungs- und Agrarminister Christian Schmidt (CSU) am Mittwoch in Berlin vorstellte. Kritiker warfen Schmidt vor, belanglose Daten statt Initiativen für besseres Essen zu liefern.

Das Wichtigste in Kürze:

  • 23 Prozent der Bundesbürger holen sich mindestens einmal in der Woche unterwegs belegte Brötchen, Burger, Pizza oder andere Snacks.
  • 20 Prozent gehen ein- oder mehrmals wöchentlich essen.
  • 4 Prozent lassen sich mindestens einmal pro Wochen Gerichte liefern.
  • 99 Prozent legen Wert auf leckeres Essen
  • 92 Prozent legen Wert auf gesundes Essen.

Zugleich sagen 43 Prozent der Bundesbürger, dass sie so gut wie täglich zuhause kochen. Weitere 38 Prozent kochen zwei- bis dreimal in der Woche selbst. Von den 14- bis 18-Jährigen kochen 83 Prozent gern, die Werte nehmen mit dem Alter leicht ab – bei den Über-60-Jährigen sind es noch 66 Prozent. 14 Prozent der Männer und 3 Prozent der Frauen kochen gar nicht.

Übergewicht bleibt ein Problem

Insgesamt sei das Essverhalten in den vergangenen drei Jahren überwiegend konstant geblieben, sagte Peter Matuschek vom Institut Forsa, das die Umfrage durchgeführt hatte.

Ein gewichtiges Problem ist dadurch geblieben: Übergewicht.Dem Report zufolge sind 15 Prozent der Menschen zwischen 3 und 17 Jahren übergewichtig. Mehrmals täglich zu Süßigkeiten greift weiter rund ein Fünftel, zu Fleisch ein Drittel der Bundesbürger. 72 Prozent essen üblicherweise Obst und Gemüse, 65 Prozent Milchprodukte.

Fast alle Lebensmittel im konventionellen Supermarkt besorgen 23 Prozent. Im Discounter sind es zehn, im Bioladen oder -Supermarkt drei Prozent. Der Anteil derer, denen beim Essen ein günstiger Preis wichtig ist, sank von 2015 bis 2017 um vier Punkte auf 40 Prozent.

Hohe Zahlungsbereitschaft für gute Produkte

Neun von zehn Bundesbürger geben an, für Lebensmittel aus artgerechter Haltung auf jeden Fall oder eher mehr zahlen zu wollen. Bis zu 12 Euro für ein Kilo Fleisch würden nach eigenen Angaben 16 Prozent hinlegen, bis zu 15 Euro 52 und noch mehr 29 Prozent.

Verglichen mit der Befragung aus dem Jahr 2016 ist der Anteil derjenigen tendenziell leicht gestiegen, die Wert auf regionale Produkte (78 Prozent) oder bestimmte Siegel (41 Prozent) legen. 42 Prozent geben an, sich online über Lebensmittel zu informieren, 21 Prozent besuchen Internetforen mit Produktbewertungen.

Schmidt plädierte für ein Schulfach Ernährung und bedauerte, dass die Zeit vor der Bundestagswahl nicht mehr gereicht habe, ein Tierwohllabel für Lebensmittel einzuführen. Die Vorbereitungen dafür liefen aber weiter.

Kritik vom Verbraucherschutz

Die Verbraucherorganisation foodwatch kritisierte Schmidt indessen scharf. Geschäftsführer Martin Rücker sagte: "Das ist schon ein dickes Ding!" Statt produktive Politik zu machen, gebe Schmidt bunte Broschüren heraus. Der jährliche Ernährungsreport von Christian Schmidt vollende "die schleichende Selbstmarginalisierung eines Ministeriums." Die Agrarexpertin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Katrin Wenz, nannte das vorgeschlagene Tierwohllabel unzulänglich. "Die Standards sind kaumhöher als die gesetzlichen Vorgaben und verdienen den Namen Tierwohl nicht." Wie bereits bei Eiern sollte es beim Fleisch Kennzeichnung 0 für bio bis 3 für gesetzliche Mindestnormen geben. (dpa)

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