Ärzte Zeitung online, 14.02.2018

Studie bestätigt

Wer langsam isst, ist seltener dick

Langsam essen schützt vor dem Dickwerden. Im Umkehrschluss: Wer Mahlzeiten hastig hinunterschlingt, entwickelt eher krankhaftes Übergewicht. Diesen Zusammenhang haben nun japanische Forscher in einer Studie mit Diabetikern bestätigt.

Wer langsam isst, ist seltener dick

Mit Genuss essen. Wer sich dabei zudem noch Zeit lässt, tut auch seiner Figur etwas Gutes, hat nun eine Studie bestätigt.

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FUKUOKA.. Schon seit längerem gibt es eine Bewegung, die sich bewusst vom Fast Foodkonsum abgrenzen will. Ein Aspekt dabei: das genussvolle, bewusste Essen mit Zeit. Daher der Name Slow Food. Das scheint auch gesundheitlich Sinn zu machen.

Japanische Forscher der Kyushu Universität in Fukuoka haben nun gezielt einer Studie die Daten aus den Jahren 2008 bis 2013 von rund 60.000 Menschen im Hinblick auf die Essgeschwindigkeit und den Effekt auf das Gewicht ausgewertet. Neben der Essgeschwindigkeit (schnell, normal und langsam) werteten die Wissenschaftler auch andere Lebensstilparameter aus, wie Alkoholkonsum, Zigarettenrauchen, Snack-Konsum und Schlafzeiten.

Das wesentliche Ergebnis der jetzt im Fachmagazin "British Medical Journal" publizierten Studie (doi:10.1136/bmjopen-2017-019589): Eine Verringerung der Essgeschwindigkeit kann dazu beitragen, Übergewicht, BMI und Taillenumfang zu reduzieren und damit letztlich auch gesundheitliche Folgen wie Diabetes, Herz-Kreislauf- und Krebs-Erkrankungen zu verhindern. Auch der Verzicht auf abendliche Snacks und auf Mahlzeiten weniger als zwei Stunden vor dem Schlafengehen schützt der Studie zufolge vor dem Dickwerden.

Die japanischen Wissenschaftler haben für ihre Untersuchung konkret die Gesundheitsdaten von Männern und Frauen über 40 Jahren ausgewertet, die bei einem Screening-Programm medizinische Check-ups durchlaufen und in Fragebögen Angaben zu ihrem Essverhalten gemacht hatten. Bei alle Teilnehmer war ein Typ-2-Diabetes diagnostiziert worden.

Die meisten der Teilnehmer (33.455) beschrieben ihre Essgeschwindigkeit als "normal". 22.070 gaben zu, ihre Mahlzeiten meist schnell hineinzuschaufeln, nur wenige (4192) gaben an, eher genüssliche Langsam-Esser zu sein. In der Gruppe der Langsam-Esser waren überdurchschnittlich viele Frauen (44 %) und deutlich weniger stark Übergewichtige (22 %) als in der Gruppe der Normal- und Schnell-Esser. Sie waren um die Taille herum etwas schlanker (im Mittel 80 cm) und hatten einen niedrigeren Body-Mass-Index (BMI) von im Mittel 22,3. Zum Vergleich: In der Gruppe der Schnellesser gab es nur rund 27 % Frauen und der mittlere BMI betrug 25, der Taillenumfang 87 cm.

Als einen Grund für den Zusammenhang vermuten die Forscher, dass Schnell-Esser "über den Hunger essen" – sie futtern also noch weiter, obwohl der Kalorienbedarf längst gedeckt und der Hunger gestillt ist. Langsam-Esser hingegen spürten rechtzeitig, dass sie satt sind, und nähmen so weniger Kalorien auf. Die Forscher schränken allerdings ein, dass die Angaben zur Essgeschwindigkeit auf der Selbsteinschätzung der Teilnehmer beruhten und nicht objektiv ermittelt wurden. (run mit dpa-Material)

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Wirklich neu und überraschend sind die Ergebnisse nicht. Dass das Sättigungsgefühl etwa 15 Minuten verspätet einsetzt, ist ein "alter Hut". Es ist nach dieser Studie letztlich nicht die Essgeschwindigkeit, sondern die aufgenommene (Energie)Menge, die für die Gewichtszunahme verantwortlich ist. Wollte man wirklich den Einfluss der Verzehrgeschwindigkeit untersuchen, müsste man standardisiserte 24h-Nahrungsaufnahmen über einen längeren Zeitraum von verschiedenen randomisierten Probandengruppen in unterschiedlichen, definierten Essgeschwindigkeiten konsumieren lassen.  zum Beitrag »

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