Ärzte Zeitung, 05.04.2006

Allergietests berücksichtigen viel zu wenige Milbenarten

Auf Bauernhöfen kommen 40 Milbenarten häufig vor

NÜRNBERG (wst). Auf deutschen Bauernhöfen haben Wissenschaftler inzwischen etwa 40 häufig vorkommende Arten von Hausstaub- und Vorratsmilben entdeckt. Die meisten dieser Milben oder ihre Ausscheidungen sind allergologisch bedeutsam. Mit den verfügbaren kommerziellen Tests lassen sich aber viele allergische Reaktionen nicht nachweisen.

Hier krabbelt eine Hausstaubmilbe. Auch auf dem Bauernhof sind Milben häufige Allergene. Foto: dpa

Rinderepithelien sowie Vorratsmilben sind die bedeutsamsten Quellen von Inhalationsallergenen in der Landwirtschaft. Darauf hat Dr. Horst Müsken aus Bad Lippspringe auf einem arbeitsmedizinischen Workshop zum 47. Deutschen Pneumologenkongreß vor kurzem in Nürnberg hingewiesen.

Obwohl den Milben-Wissenschaftlern, den Akariologen, die Artenvielfalt auf dem Bauernhof inzwischen bekannt ist, sind in den gängigen kommerziellen Milbenextrakten für Allergietests nur drei Spezies und deren Ausscheidungen enthalten.

Aktuellen Untersuchungen zufolge sind die darin verarbeiteten vorgeblichen "Leitmilben" aber nicht immer die häufigsten oder die am stärksten allergen wirkenden Vorratsmilben auf Bauernhöfen in Deutschland. Auch wenn Kreuzreaktionen mit den Antigenen anderer Milben oder deren Ausscheidungen bestehen, läßt sich das mit diesen Tests nicht sicher nachweisen.

Wenn kommerzielle milbenspezifische Allergietests negativ ausfallen, ist daher Vorsicht geboten. Kein landwirtschaftlicher Arbeiter, der mit Verdacht auf ein berufsspezifisches Asthma zur berufsgenossenschaftlichen medizinischen Untersuchung kommt, darf deshalb mit dem Befund "Keine Milbenallergie" nach Hause geschickt werden, warnte Müsken.

Notwendig sei ein wesentlich breiteres Testset, das die Artenvielfalt potentiell allergener Kleinstlebewesen auf Bauernhöfen berücksichtigt.

Eine ökologische Strategie, um allergene Vorratsmilben in Schach zu halten, wäre die Freisetzung von Raubmilben. Allerdings können auch sie wiederum ein allergisches Asthma auslösen oder gar verschärfen. "Das wäre so, als würde man hier den Teufel mit dem Beelzebub austreiben", gab Müsken zu bedenken.

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