Ärzte Zeitung, 18.04.2008

Steroidstart vor Pollensaison hat Vorteil

Präsaisonaler Therapiebeginn mit Kortikoidspray optimiert Symptomkontrolle /  Ergebnis einer aktuellen Studie

MÜNCHEN (wst). Intranasal applizierbare Kortikosteroide sind bei allergischer Rhinokonjunktivitis effektive und gut verträgliche Mittel. Bei ausgeprägter Pollenallergie lässt sich die Symptomreduktion optimieren, wenn bereits zwei bis vier Wochen vor dem Pollenflug mit einer prophylaktischen Behandlung begonnen wird.

 steroidstart vor pollensaison hat vorteil

Gräserpollen fliegen bald wieder durch die Luft und verursachen starke Beschwerden.

Foto: godfer©www.fotolia.de

Für die meisten Gräserpollenallergiker wäre es ab Anfang April sinnvoll, eine prophylaktische intranasale Kortikosteroidbehandlung zu beginnen, betonte der HNO-Arzt Professor Ralph Mösges von der Universität Köln. Er präsentierte auf einer vom Unternehmen Essex ausgerichteten Veranstaltung in München Daten einer Studie mit 82 Heuschnupfen-Patienten. Sie wurden entweder erst mit Beginn der Heuschnupfensymptome oder schon zwei bis vier Wochen vor dem erwarteten Start des für sie relevanten Pollenfluges mit Mometason (Nasonex®) in der üblichen Dosierung von einmal täglich zwei Sprühstößen pro Nasenloch behandelt. Die Behandlung wurde in beiden Gruppen bis zum Ende der Pollensaison vorgenommen.

Ergebnis: Bei den 33 Patienten der prophylaktisch behandelten Gruppe waren die Beschwerden über das ganze Sommerhalbjahr im Schnitt deutlich besser kontrolliert als bei den erst mit Symptombeginn behandelten Patienten. Der bei den frühzeitig behandelten Patienten ermittelte Score für die Lebensqualität unterschied sich nicht von dem einer gesunden Kontrollgruppe. Mösges erklärte diese besseren klinischen Resultate der bereits präsaisonal begonnenen topischen Steroidtherapie mit der vollständigeren Unterdrückung der allergischen Entzündung.

Das sei auch in labormedizinischen Untersuchungen bestätigt worden. Die Konzentrationen der als Entzündungsmarker dienenden eosinophilen kationischen Proteine in Nasensekret und Serum blieben bei den prophylaktisch behandelten Patienten während der gesamten Pollensaison auf dem niedrigen präsaisonalen Niveau.

In der präsaisonalen topischen Steroidbehandlung sieht der Kölner Kollege noch einen weiteren Vorteil: Sie könne auch zur Verbesserung der Compliance bei einer spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) von Patienten mit allergischer Rhinokonjunktivitis genutzt werden. Diese effektive Maßnahme, die bekanntlich vor einem Etagenwechsel der Allergie schützt, werde von vielen Patienten voreilig abgebrochen, weil sie zunächst keinen Erfolg spüren. Die Compliance könne, so Mösges, wohl deutlich verbessert werden, wenn die zunächst fortbestehende Symptomatik mit einer bereits präsaisonal beginnenden topischen Steroidbehandlung unterdrückt werde.

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