Ärzte Zeitung, 20.03.2007

Neues inhaliertes Glukokortikoid bremst nicht das Wachstum

Bei Ciclesonid wurden keine Auswirkungen auf das Wachstum nachgewiesen

MANNHEIM (otc). Inhalierbare Glukokortikoide (ICS) gehören unbestritten zur Basistherapie bei Patienten mit Asthma. Häufig lässt jedoch die Therapietreue zu wünschen übrig: Studien haben ergeben, dass nur etwa jeder vierte Asthmakranke das verordnete ICS regelmäßig inhaliert.

Kind mit Asthma-Anfall. Unerwünschte systemische Wirkungen sind ein Grund für Steroidphobie. Foto: DAK/Deutsche Atemwegsliga

Die Steroidphobie sieht Dr. David Skoder vom Children’s Hospital of Pittsburgh in Pennsylvania als die Hauptbarriere für eine regelmäßige Steroideinnahme an. Befürchtet würden unerwünschte systemische Wirkungen, etwa Wachstumsstörungen, sagte der US-Kollege auf dem 48. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin in Mannheim.

Therapeutisch wirksame Kortikoid-Dosen hemmen nach Angaben des Pneumologen das Längenwachstum und die Knochenreife. Das Ausmaß der Hemmung sei je nach ICS unterschiedlich und schwankt zwischen 0,5 und 1,5 cm pro Jahr. Gesunde Kinder wachsen sechs cm pro Jahr, bei Kindern mit Beclometason-Therapie zum Beispiel seien es 5 cm, sagte Skoder auf einem vom Unternehmen Altana unterstützten Symposium.

Anders scheint das bei einer Therapie mit Ciclesonid (Alvesco®) zu sein: Hier wurden in Studien keine signifikanten Auswirkungen auf das Wachstum nachgewiesen, so Skoner. In einer Placebo-kontrollierten Überkreuz-Studie erhielten 24 Asthmatiker im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren einmal täglich Ciclesonid (40, 80 und 160 µg). Jeder zweiwöchigen Therapiephase schloss sich eine zweiwöchige Phase ohne Therapie an.

Zum Beginn und Ende jeder Therapiephase wurde die Beinlänge am Unterschenkel gemessen (Knemometry) und über Nacht die Kortisolausscheidung mit dem Zwölf-Stunden-Urin bestimmt. Damit lässt sich die Wirkung von Ciclesonid auf die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse bestimmen. Die Ergebnisse: Die Wachstumsrate des Unterschenkels betrug pro Woche 0,412 mm mit Placebo, und mit Ciclesonid 0,425 mm (40 µg), 0,397 mm (80 µg), und 0,370 mm (160 µg). Der Unterschied war nicht signifikant. Ebenso wurden keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Kortisolausscheidung gefunden.

STICHWORT

Kortikosteroid Ciclesonid

Das inhalierbare Kortikosteroid Ci-clesonid wird in der Lunge in einen aktiven Metaboliten umgewandelt. Daher ist die Rate lokaler unerwünschter Wirkungen niedrig. Zudem wird die Funktion der Nebennierenrinde nicht beeinflusst. Das Präparat kann bei persistierendem Asthma von Jugendlichen ab zwölf Jahren verwendet werden. Die empfohlene Anfangsdosis liegt bei 160 µg einmal täglich und ist üblicherweise auch die maximale Dosis. Eine Dosis von 80 µg einmal täglich kann bei manchen Patienten für eine wirksame Erhaltungstherapie ausreichen. Ciclesonid sollte vorzugsweise abends angewendet werden.

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