Direkt zum Inhaltsbereich

Neues inhaliertes Glukokortikoid bremst nicht das Wachstum

MANNHEIM (otc). Inhalierbare Glukokortikoide (ICS) gehören unbestritten zur Basistherapie bei Patienten mit Asthma. Häufig lässt jedoch die Therapietreue zu wünschen übrig: Studien haben ergeben, dass nur etwa jeder vierte Asthmakranke das verordnete ICS regelmäßig inhaliert.

Veröffentlicht:

Die Steroidphobie sieht Dr. David Skoder vom Children’s Hospital of Pittsburgh in Pennsylvania als die Hauptbarriere für eine regelmäßige Steroideinnahme an. Befürchtet würden unerwünschte systemische Wirkungen, etwa Wachstumsstörungen, sagte der US-Kollege auf dem 48. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin in Mannheim.

Therapeutisch wirksame Kortikoid-Dosen hemmen nach Angaben des Pneumologen das Längenwachstum und die Knochenreife. Das Ausmaß der Hemmung sei je nach ICS unterschiedlich und schwankt zwischen 0,5 und 1,5 cm pro Jahr. Gesunde Kinder wachsen sechs cm pro Jahr, bei Kindern mit Beclometason-Therapie zum Beispiel seien es 5 cm, sagte Skoder auf einem vom Unternehmen Altana unterstützten Symposium.

Anders scheint das bei einer Therapie mit Ciclesonid (Alvesco®) zu sein: Hier wurden in Studien keine signifikanten Auswirkungen auf das Wachstum nachgewiesen, so Skoner. In einer Placebo-kontrollierten Überkreuz-Studie erhielten 24 Asthmatiker im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren einmal täglich Ciclesonid (40, 80 und 160 µg). Jeder zweiwöchigen Therapiephase schloss sich eine zweiwöchige Phase ohne Therapie an.

Zum Beginn und Ende jeder Therapiephase wurde die Beinlänge am Unterschenkel gemessen (Knemometry) und über Nacht die Kortisolausscheidung mit dem Zwölf-Stunden-Urin bestimmt. Damit lässt sich die Wirkung von Ciclesonid auf die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse bestimmen. Die Ergebnisse: Die Wachstumsrate des Unterschenkels betrug pro Woche 0,412 mm mit Placebo, und mit Ciclesonid 0,425 mm (40 µg), 0,397 mm (80 µg), und 0,370 mm (160 µg). Der Unterschied war nicht signifikant. Ebenso wurden keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Kortisolausscheidung gefunden.



STICHWORT

Kortikosteroid Ciclesonid

Das inhalierbare Kortikosteroid Ci-clesonid wird in der Lunge in einen aktiven Metaboliten umgewandelt. Daher ist die Rate lokaler unerwünschter Wirkungen niedrig. Zudem wird die Funktion der Nebennierenrinde nicht beeinflusst. Das Präparat kann bei persistierendem Asthma von Jugendlichen ab zwölf Jahren verwendet werden. Die empfohlene Anfangsdosis liegt bei 160 µg einmal täglich und ist üblicherweise auch die maximale Dosis. Eine Dosis von 80 µg einmal täglich kann bei manchen Patienten für eine wirksame Erhaltungstherapie ausreichen. Ciclesonid sollte vorzugsweise abends angewendet werden.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Metaanalyse

Atemwegsviren auch bei nichtakutem Asthma häufig nachweisbar

Von ungefährlich bis akut lebensbedrohlich

Leitsymptom Dyspnoe: So geht’s rasch zur richtigen Diagnose

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Urlaubsmitbringsel

Reisedermatosen: Wie vorgehen bei den drei häufigsten Tropenparasiten?

Mega-Analyse

BMI ade? Beim kardiovaskulären Risiko kommt es auf das Bauchfett an

Lesetipps
Ein Wegweiser zum nächsten WC plus ein Symbol für eine rennende Person.

© Pixel-Shot / Stock.adobe.com

Nichtinfektiösen Durchfall erkennen

Das sind die Warnzeichen für chronische Diarrhö