Ärzte Zeitung, 11.12.2007

Neue internationale Leitlinie zur Asthmatherapie bei Kindern

Inhalative Kortikosteroide und Leukotrien-Antagonist sind erste Wahl / Bei ungenügender Krankheitskontrolle wird Kombitherapie empfohlen

NÜRNBERG (djb). Für die antientzündliche Dauertherapie bei Kindern und Jugendlichen mit Asthma haben sich inhalative Kortikosteroide und der Leukotrienrezeptor-Antagonist Montelukast bewährt. Die neuen internationalen PRACTALL-Leitlinien empfehlen Leukotrien-Antagonisten und inhalative Steroide jetzt als gleichberechtigte Optionen zur Erstlinien-Therapie.

Die aktuelle Leitlinie der Deutschen Atemwegsliga und der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin empfiehlt hingegen als Therapie der ersten Wahl inhalative Kortikosteroide in niedriger Dosierung und als Alternative Montelukast (Singulair®) für Kinder und Jugendliche mit leichtem persistierenden Asthma.

Nach den neuen PRACTALL-Leitlinien soll die Asthma-Therapie nicht mehr nach einem Stufenschema je nach Schweregrad der Erkrankung erfolgen, sondern das jeweilige Ausmaß der Krankheitskontrolle ist jetzt einzige Richtschnur für die Behandlung. Dabei sei die Kontrolle der Entzündung gleichbedeutend mit der Kontrolle der Asthma-Symptome, berichtete Professor Ulrich Wahn aus Berlin bei einem von dem Unternehmen MSD unterstützten Symposium in Nürnberg.

Oberstes Therapieziel ist ein gut kontrolliertes Asthma. Das ist nach den neuen internationalen Leitlininen der Fall, wenn maximal zweimal pro Woche tagsüber und maximal einmal pro Monat nächtliche Symptome auftreten, körperliche Aktivitäten durch die Symptomatik nicht eingeschränkt werden, höchstens zweimal pro Woche Bedarfsmedikamente zur raschen Symptomkontrolle eingesetzt werden müssen, die Lungenfunktion - falls messbar - normal ist und es pro Jahr zu maximal einer Exazerbation kommt.

Bei ungenügender Asthmakontrolle sollten inhalative Kortikoide und Leukotrien-Antagonisten entweder kombiniert werden, oder es sollte die Steroiddosis erhöht werden. Ist die Krankheit dann immer noch nicht gut kontrolliert, kommt nach den neuen Leitlinien die Kombination mit langwirksamen Beta-2-Mimetika in Betracht. Bei Patienten mit stabilem Krankheitsverlauf sollte eine allmähliche Therapiereduktion angestrebt werden.

Die neuen internationalen Asthma-Leitlinien bei Kindern werden im Januar 2008 in der Fachzeitschrift "Allergy" (63, 2008, 5) publiziert.

STICHWORT

PRACTALL

PRACTALL steht für PRACTical ALLergology. Die PRACTALL-Leitlinien wurden von der PRACTALL Paediatric Asthma Group entwickelt. Diese besteht aus etwa 40 internationalen Experten. Die Leitlinien sind Teil der sogenannten PRACTALL-Initiative, die von der European Academy of Allergology and Clinical Immunology (EAACI) und der American Academy of Allergy, Asthma and Immunology (AAAAI) gestartet wurde.

(eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Hüpfen und Einbeinstand halten fit

Hüpfen, Treppensteigen oder auf einem Bein Zähneputzen: Mit bewussten, einfachen Übungen können alte Menschen ihre Beweglichkeit erhöhen und die Sturzgefahr senken. mehr »

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis, der auch international große Anerkennung findet, wurden erneut Exzellenz in der pharmakologischen Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »

Demenz oder Depressionen?

Benennen ältere Patienten von sich aus kognitive Defizite, sollten Ärzte hellhörig werden: Häufig liegt dann keine Demenz, sondern eine Depression vor. mehr »