Ärzte Zeitung online, 16.12.2013

Kommentar

Keine Angst vorm Betablocker!

COPD-Kranken nach Herzinfarkt wird wohl noch oft der Betablocker vorenthalten.

Von Beate Schumacher

Wissenschaftliche Erkenntnisse, die hergebrachten Vorstellungen zuwiderlaufen, haben es schwer. Diese Erfahrung bestätigt sich derzeit in der Pneumologie: Betablocker galten bei Patienten mit COPD lange Zeit als kontraindiziert.

Wegen ihrer bronchokonstriktorischen Wirkung fürchtete man, die Lungenfunktion der Patienten weiter zu verschlechtern.

Inzwischen gibt es jedoch mehrere Studien, die diese Sorge als unbegründet zurückweisen. Einem Cochrane-Review zufolge werden durch kardioselektive Wirkstoffe weder die Lungenfunktion noch die Atemwegsbeschwerden schlechter. Sogar bei akuten Exazerbationen scheint die Betablockade sicher zu sein.

Trotzdem sind gegenteilige Bedenken offenbar noch weit verbreitet. Nur so lässt sich erklären, warum COPD-Patienten mit Herzinsuffizienz oder nach Herzinfarkt der dringend indizierte Betablocker vorenthalten wird.

In einer britischen Studie erhielten bloß 40 Prozent der Postinfarktpatienten die lebensverlängernde Medikation.

Indes könnte die Indikation für Betablocker möglicherweise sogar noch erweitert werden.

Beobachtungen zufolge haben selbst COPD-Patienten ohne kardiovaskuläre Erkrankung einen prognostischen Nutzen von der Betablockade, in laufenden Studien wird daher der Nutzen als Primärtherapie geprüft.

Lesen Sie dazu auch:
Auch bei COPD: Betablocker verlängert Leben nach Herzinfarkt

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