Ärzte Zeitung, 18.05.2016
 

Asthma

Allergiediagnostik ist alles andere als trivial!

Unter Patienten mit schwerem Asthma findet sich ein hoher Anteil an Atopikern. Dem auslösenden Allergen auf die Spur zu kommen, ist nicht immer ganz einfach.

Von Claudia Bruhn

BERLIN. Nach Ansicht von Professor Jens Schreiber, Universitätsklinik für Pneumologie der Universität Magdeburg, ist die Atopie nach wie vor ein wichtiger Risikofaktor des Asthma bronchiale. Studien der vergangenen Jahre hätten dies eindeutig gezeigt, sagte er bei einer von Novartis Pharma unterstützten Veranstaltung.

 Danach lag bei Patienten mit schwerer Asthma-Ausprägung der Anteil der Atopiker je nach Studie zwischen 58 und sogar 93,5 Prozent. In einer Studie aus dem Jahr 2003 wiesen alle mittels Pricktest getesteten Patienten mit schwerem Asthma eine Sensibilisierung gegenüber mehr als einem herkömmlichen Aeroallergen auf. Diese Daten unterstützen die Notwendigkeit einer zielführenden allergologischen Diagnostik.

Besondere Herausforderungen sieht Schreiber bei den seltenen, den versteckten, den Arbeitsplatz-bezogenen und insbesondere auch den neuen Allergenen.

Wichtigster Indikator für beruflich bedingte Allergien ist eine Besserung der Symptomatik am arbeitsfreien Wochenende beziehungsweise während der Urlaubszeit. Neue Allergene würden infolge des Klimawandels (etwa Ambrosia artemisiifolia) sowie der Aufnahme neuer Lebensmittel oder Zusatzstoffe an Bedeutung gewinnen.

Allergene in Lebensmitteln betreffen aber nicht nur die Konsumenten, sondern auch diejenigen, die an der Herstellung beteiligt sind. So waren beispielsweise in Untersuchungen nicht nur Landwirte, sondern auch deren Ehefrauen von Allergien gegen Vorratsmilben, vor allem Blomia- und Euroglyphus-Arten, betroffen.

Diese Allergene seien im kommerziellen Testspektrum nicht enthalten. Neben Nahrungs- und Futtermittelstäuben zählen auch Mehl und Mehlprodukte sowie Labor- und Nutztierstäube zu den häufigsten Allergieauslösern, eine Karenz sei nicht immer möglich.

Gefährdet seien auch Menschen, die beruflich Umgang mit Zier- und Nutzpflanzen haben (etwa bei der künstlichen Bestäubung). Besonders hoch lägen die Sensibilisierungsraten bei Chrysanthemen-Arten und Maispollen.

Viele Asthmatiker im Stadium IV und V nach GINA (Global Strategy for Asthma Management and Prevention, update 2016) werden fälschlicherweise als nicht atopisch eingestuft und erhalten daher keine adäquate Therapie, obwohl diese verfügbar ist (etwa mit Omalizumab, Xolair®). In der Interimsanalyse einer Praxisstudie (Ziel: 600 Patienten) wiesen mehr als die Hälfte (58 Prozent) der Asthmatiker mit negativem Allergietest (n = 169) auf perenniale Aeroallergene eine IgE-vermittelte Sensibilisierung auf (Der Internist Suppl s1 2016; S27; Poster 042). Eingesetzt wurde hierbei ein erweiterter RAST / ImmunoCAP-Test mit 33 Allergenen.

In der Praxis werde häufig aus wirtschaftlichen Gründen nur auf acht Allergene pro Quartal getestet, so Schreiber. Ein weiteres Problem sei, dass allergierelevante Organismen je nach Entwicklungsstadium ganz unterschiedliche Allergene exprimieren. Daher können Allergenextrake (etwa von Schimmelpilzen) völlig verschiedene Allergen-Zusammensetzungen aufweisen. Eine Alternative biete die molekulare Allergiediagnostik (Der Pneumologe 2015; 12: 474-482).

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