Ärzte Zeitung online, 07.02.2017

Kommentar

Therapie ohne Indikation

Von Beate Schumacher

Dass es bei Asthma nach wie vor eine Unterversorgung etwa mit anti-entzündlichen Wirkstoffen gibt, wird immer wieder bemängelt. Weniger bekannt ist, dass vermutlich auch eine Überversorgung mit Asthmamedikamenten existiert. Laut einer Studie aus Kanada ist dort bei jedem dritten Erwachsenen mit ärztlich attestiertem Asthma, darunter viele Patienten mit Dauermedikation, überhaupt kein Asthma nachzuweisen.

Die Ursachen sind unklar. Höchstwahrscheinlich sind die Fälle aber nicht nur auf Remissionen zurückzuführen, sondern zu beträchtlichen Teilen auch auf Fehldiagnosen. Bei einigen Patienten wurden so schwerwiegende kardiorespiratorische Erkrankungen übersehen.

Für Deutschland gibt es entsprechende Daten nicht. Trotzdem ist die Studie auch hier relevant, weil sie die Notwendigkeit eines leitliniengemäßen Vorgehens unterstreicht. Laut GINA-Leitlinie soll eine Asthmadiagnose möglichst sofort, aber spätestens binnen dreier Monate durch eine Lungenfunktionsuntersuchung gesichert werden. Zudem wird bei guter Asthmakontrolle über mindestens drei Monate hinweg ein Step-down-Versuch empfohlen. Beides trägt auch dazu bei, dass niemand Asthmamedikamente erhält, der nicht (mehr) an Asthma leidet.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchesters bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »

Wird die Apple Watch zum Herzrhythmus-Monitor?

Die neue Smartwatch von Apple verfügt über einen EKG-Sensor. Über eine weitere App erkennt sie Vorhofflimmern. Wie sehen mögliche Einsatzszenarien aus? mehr »

Abtreibungsgegner darf Ärzte nicht Mörder nennen

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat einem katholischen Abtreibungsgegner Grenzen für Kritik an Ärzten aufgezeigt, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten. mehr »