Ärzte Zeitung, 05.01.2018

Risiken bei COPD

Das Herz nicht vergessen!

Kommentar von Beate Schumacher

Über die kardiovaskuläre Sicherheit der bronchodilatierenden Basistherapie bei COPD wird seit einigen Jahren eine Kontroverse geführt. Geht man nach den Ergebnissen randomisierter kontrollierter Studien (RCT), ist die Inhalation von langwirksamen Betamimetika (LABA) und Anticholinergika (LAMA) nicht mit einem diesbezüglichen Risiko verbunden.

Diese Studien haben – obwohl höchster Standard in der evidenzbasierten Medizin – jedoch eine Schwäche, das sogenannte COPD-Studien-Paradox: Obwohl kardiovaskuläre Erkrankungen die häufigste Komorbidität der COPD sind, werden betroffene Patienten im Allgemeinen von RCT ausgeschlossen.

Epidemiologische Studien haben den Vorteil, den Alltag besser abzubilden und auch herzkranke COPD-Patienten zu berücksichtigen. Eine solche Studie legt nun einen vorübergehenden Anstieg des Risikos von kardialen Komplikationen zu Beginn der LABA- und LAMA-Therapie nahe. Vor drei Jahren wurde in einer anderen Studienkohorte dasselbe beobachtet. Allerdings können solche Untersuchungen eine Kausalität nicht belegen.

Die aktuelle Studie wird daher die Kontroverse nicht beenden. Sie erinnert aber daran, die Lunge nicht als isoliertes Organ zu sehen und dem Herz von COPD-Patienten mehr Aufmerksamkeit zu widmen, vor allem auch zu Beginn einer antiobstruktiven Therapie.

Lesen Sie dazu auch:
Erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko: Vor Beginn der COPD-Therapie erst einmal ein EKG?

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Warum ein Blinddarm auch nach der Op noch Ärger macht

Fälle wiederkehrender Appendizitis nach Appendektomie sind rar. Doch es sind offenbar sogar mehrere Rezidive möglich, wie ein Fall aus den USA zeigt. mehr »

CDU erwägt höhere GKV-Vergütung

Offiziell haben die Koalitionsverhandlungen zwar noch nicht begonnen. Doch: Die Union gibt bereits erste zarte Signale auf einen möglichen Kompromiss beim Ärztehonorar - inklusive einem Ende der Budgetierung. mehr »

Das sind die neuen Paul Ehrlich-Preisträger

Die Paul-Ehrlich-Stiftung ehrt dieses Jahr Forscher für ihre Arbeiten zum Tumor-Nekrose-Faktor mit ihrem mit 120.000 Euro dotierten Preis. Außerdem erkennen sie die Leistung eines Biochemikers zur Erforschung verschiedener Fettzelltypen an. mehr »