Ärzte Zeitung, 11.11.2009

Kommentar

Hausärzte brauchen PCT-Schnelltest

Von Wolfgang Geissel

Ob eine schwere Atemwegsinfektion durch bakterielle oder virale Erreger hervorgerufen wird, ist anhand der Symptome nicht zu beurteilen. Daher werden häufig Antibiotika bei Atemwegsinfektionen verordnet, obwohl sie gar nicht nötig wären. Ob eine bakterielle Infektion vorliegt und wie schwer sie gerade verläuft, lässt sich aber mit einem Bluttest auf Procalcitonin (PCT) klären, wie inzwischen Ergebnisse aus sieben Studien belegen.

Mit einer PCT-gesteuerten Therapie können so Medikamente ohne Nachteil für den Patienten eingespart werden, was Betroffenen außerdem noch Antibiotika-spezifische Nebenwirkungen erspart. In der Klinik wird der PCT-Test daher schon häufig zum Beispiel bei Pneumonie verwendet.

In der ambulanten Versorgung wird der PCT-Test in Deutschland jedoch bisher nicht von den Krankenkassen bezahlt und kann von Hausärzten nur als IGeL für etwa 28 Euro abgerechnet werden. Zudem lässt sich der Test bisher nur im Labor vornehmen, wodurch das Ergebnis im günstigsten Fall erst nach einigen Stunden vorliegt. Wichtig für Hausärzte wäre daher ein in der Praxis vorzunehmender PCT-Schnelltest. Erst wenn solche Tests vorliegen und bezahlt werden, wird sich das Verfahren auch bei niedergelassenen Ärzten durchsetzen können.

Lesen Sie dazu auch:
Procalcitonin-Test ermöglicht gezielte Antibiose

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Fehldiagnose lässt "Thrombophilie"-Patientin zittern

Bei einer Frau mit Venenthrombose wurde eine Thrombophilie-Diagnostik vorgenommen. Der Verdacht erhärtete sich und bescherte ihr angstvolle Wochen. mehr »

Schärfe und Säure kurbeln das Immunsystem an

Was wir essen, beeinflusst maßgeblich, wie gut die Immunabwehr im Speichel funktioniert. Das haben Münchener Forscher untersucht. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »