Ärzte Zeitung, 03.11.2016
 

Schlaue Brillenträger

Macht Intelligenz kurzsichtig?

Mainzer Forscher haben bewiesen: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Kurzsichtigkeit und Intelligenz – jedoch nur indirekt. Macht Myopie intelligent oder Intelligenz kurzsichtig?

Macht Intelligenz kurzsichtig?

Schlau dank Brille? Mainzer Forscher haben einen Zusammenhang zwischen Myopie und Bildung gefunden.

© Brian Jackson / fotolia.com

MAINZ. Umweltfaktoren wie Bildung und Freizeitverhalten haben einen größeren Einfluss auf die Entwicklung einer Myopie als die Fähigkeit, logisch zu denken und Probleme zu lösen, teilt die Universitätsmedizin Mainz mit.

Myopie und die sogenannte "fluide Intelligenz" eines Menschen hängen zwar zusammen, jedoch nur indirekt über die Dauer der Bildung, haben Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz im Rahmen der Studie "Myopia and Cognitive Performance: Results From the Gutenberg Health Study"herausgefunden (Invest Ophthalmol Vis Sci. 2016; 57: 5230-5236).

Turm von London-Test misst kognitive Fähigkeiten

Die Forscher werteten Daten der Gutenberg-Gesundheitsstudie der Universitätsmedizin Mainz aus – eine der weltweit größten Studien im Bereich bevölkerungsbasierter Forschung. Die Subkohorte umfasste rund 4000 Personen im Alter zwischen 40 und 79 Jahren.

Die kognitiven Fähigkeiten wurden anhand des Turm von London (TOL)-Tests ermittelt. Der 20-minütige Test misst die Fähigkeit, logisch zu denken, zu planen und Probleme zu lösen. Um eine Myopie festzustellen, untersuchten die Forscher die Brechkraft der Augen.

Kurzsichtigkeit ist durch negative Dioptrie-Werte gekennzeichnet, laut Studiendefinition ab einer Stärke von kleiner/gleich minus 0,5 Dioptrien.

Sind Kurzsichtige intelligenter?

Die Teilnehmer mit Myopie erzielten als mittleres Ergebnis für den TOL-Test einen Wert von 14. Die Vergleichsgruppe der Nichtkurzsichtigen erreichte einen Wert von nur 12,9. Und: Je höher der Myopiewert, desto höher der TOL-Score. So erreichten die stark kurzsichtigen Teilnehmer mit mehr als sechs Dioptrien einen mittleren Wert von 14,6.

Aber: Dieser scheinbare Zusammenhang zwischen Kurzsichtigkeit und besserem Abschneiden im Planungstest löste sich auf, als auch der Einfluss der Anzahl der Bildungsjahre berücksichtigt wurde.

"Durch die aktuelle Studie wird die Bedeutung der Bildung im Zusammenhang mit einer Myopie weiter verdeutlicht", wird Professor Norbert Pfeiffer, Direktor der Augenklinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz, in der Mitteilung zitiert.

Und weiter: "In weiteren Untersuchungen werden wir den Einfluss von Naharbeit am Bildschirm oder durch die Nutzung von Smartphones genauer untersuchen." (eb)

[07.11.2016, 09:33:44]
Fritz Gorzny 
Beides nicht
Kurzsichtige Menschen sehen in der Ferne nicht so gut, beschäftigen sich also eher mit Dingen in der Nähe, wie z. B. Lesen, das wiederum die dokumentierbar gemessene Intelligenz gegenüber den tumben Hyperopen, die sich mit Lesen schwerer tun , scheinbar fördert.Andererseits beschleunigt das Lesen bei künstlicher Beleuchtung möglicherweise durch ständige Akkommodation das Längenwachstum der Augen, somit die Kurzsichtigkeit.So
läßt sich die o.g. Vermutung am ehesten erklären. Davon unabhängig gibt es sicher intelligente Hyperope, wenn sie frühzeitig ausreichend korrigiert wurden und wenig intelligent Myope trotz optimaler Korrektion.Im Übrigen fragen Intelligenztests überwiegend Wissen erworben aus im Nahbereich erfahrenem Wissensstoff ab.  zum Beitrag »

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