Ärzte Zeitung online, 28.12.2018

Silvester-Böller

Das ging ins Auge – leider in das eines Unbeteiligten

Deutsche Kliniken haben Verletzungen durch Silvester-Böller und -Raketen dokumentiert. Oft sind Passanten oder Zuschauer betroffen.

Das ging ins Auge – leider in das eines Unbeteiligten

Fast 40 Prozent der Betroffenen, die sich um den Jahreswechsel in einer Augenklinik vorgestellt haben, sind einer aktuellen Auswertung zufolge Kinder oder Jugendliche im Alter von ein bis 17 Jahren gewesen.

© VRD / stock.adobe.com

MÜNCHEN. Weit über 800 Augenverletzungen durch Pyrotechnik wurden in den Tagen und Nächten um Silvester 2016 und 2017 von deutschen Augenkliniken gemeldet, teilt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) mit. Die Hälfte der Betroffenen habe dabei den verantwortlichen Knallkörper gar nicht selbst gezündet, sondern sei nur Passant oder Zuschauer gewesen. Die DOG ruft deshalb erneut zu einem verantwortungsbewussteren Umgang mit Raketen und Böllern auf.

Fast 40 Prozent der Betroffenen, die sich um den Jahreswechsel in einer Augenklinik vorgestellt haben, seien Kinder oder Jugendliche im Alter von ein bis 17 Jahren gewesen, so die DOG. Und rund 60 Prozent der Patienten seien 25 Jahre oder jünger gewesen. Die DOG bezieht sich mit diesen Zahlen auf Ergebnisse einer Umfrage der Fachgesellschaft an deutschen Augenkliniken, deren Ergebnisse beim DOG-Kongress 2018 in Bonn vorgestellt wurden.

Weitere Zahlen der DOG

  • Drei Viertel der Patienten kommen mit vergleichsweise „leichten“ Verletzungen an Augenlid, Hornhaut oder Bindehaut davon, die ambulant behandelt werden können.
  • Jeder vierte Patient erleidet jedoch eine schwere Verletzung, die stationär oder sogar in einer Notoperation behandelt werden muss. Dazu zählen Prellungen oder Risse im Augapfel, oft kombiniert mit Lid- und Oberflächenverletzungen.
  • Jeder zehnte muss mit einer Folgeoperation, Sehminderung oder dauerhaften Erblindung rechnen.

„Der hohe Anteil an unbeteiligten Passanten und Minderjährigen unter den Verletzten ist alarmierend“, wird Dr. Ameli Gabel-Pfisterer, Augenärztin am Ernst von Bergmann-Klinikum in Potsdam, zitiert. Einige Unfallopfer berichteten sogar, mit den Feuerwerks- oder Knallkörpern beworfen worden zu sein.

Schutzbrille für die Augen?

Zum Jahreswechsel 2016/2017 hatte die DOG erstmals eine Erhebung an deutschen Augenkliniken initiiert, um die Zahl der Betroffenen, Art und Ausmaß der Verletzungen statistisch erfassen zu können. Deren Resultate wurden durch eine zweite Umfrage im vergangenen Jahr bestätigt (Abstract Sa11-02). „Unsere Ergebnisse insbesondere zur Anzahl verletzter Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener sind mit denen internationaler Studien vergleichbar“, so Professor Hansjürgen Agostini von der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg in der Mitteilung der DOG.

Die Zahlen lieferten weitere Argumente für ein Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper an Privatpersonen, wie die Fachgesellschaft International Council of Ophthalmology (ICO) es im Jahr 2016 erstmals gefordert habe, so die DOG.

„Wer die Silvesternacht unbeschadet überstehen möchte, überlässt die Knallerei den Händen ausgebildeter Profis“, rät Gabel-Pfisterer. Wer gar nicht auf das Spektakel verzichten möchte, sollte zu seiner eigenen Sicherheit eine Schutzbrille tragen. Kinder und alkoholisierte Erwachsene sollten gar nicht mit Sprengstoff hantieren. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Gut eine halbe Milliarde Euro mehr Honorar

Ärzte und Krankenkassen haben ihre Honorarverhandlungen für 2020 abgeschlossen. Künftig werden Videosprechstunden besser vergütet. mehr »

Warum KHK-Kranke ihre Arznei weglassen

Mangelnde Therapietreue ist in der Sekundärprävention der koronaren Herzkrankheit ein großes Thema. Bei jedem dritten Patienten steckt nicht nur Vergesslichkeit dahinter. mehr »

Die Tücken der Videosprechstunde

Videosprechstunden sind im Kommen, bieten aber auch Einfallstore für Hacker. Sicherheitsexperten erläutern, welche das sind und wie sich Ärzte davor schützen können. mehr »