Ärzte Zeitung, 01.12.2005

Alzheimer-Therapie erleichtert die Pflege der Kranken

Memantine mindert Verhaltensstörungen und stabilisiert die Alltagskompetenz / Guter Effekt etwa auf Unruhe und Aggressivität

DÜSSELDORF (kas/mal). Antidementiva werden heute nicht mehr allein an ihren Effekten auf die kognitive Leistungsfähigkeit gemessen. Sondern sie werden auch nach ihrem Einfluß etwa auf die Fähigkeit der Patienten, im Alltag allein zurecht zu kommen, oder ihrem Effekt auf Verhaltensstörungen beurteilt. Memantine schneidet bei allen diesen Kriterien positiv ab und mindert die Belastung der Pflegenden.

Der NMDA-Rezeptorantagonist Memantine beeinflußt Verhaltensstörungen wie Agitiertheit und Aggressionen günstig, stabilisiert aber auch die Alltagskompetenz der Patienten. Daran hat Professor Klaus-Dieter Kossow aus Achim auf einem vom Unternehmen Merz unterstützten Workshop des Zukunftsforums Demenz in Düsseldorf erinnert.

Sowohl Alltagskompetenz als auch Verhaltensstörungen wirken sich bei der Pflege der Patienten aus: Je geringer die Alltagskompetenz ist und je ausgeprägter Verhaltensstörungen sind, desto stärker sind die Pflegenden belastet.

    Mit Memantine entwickeln weniger Kranke Verhaltensstörungen.
   

Eine neue Untersuchung, die den guten Effekt von Memantine (vom Unternehmen angeboten als Axura®) bei Demenz-assoziierten Verhaltensstörungen bestätigt, ist dieses Jahr im "International Journal of Geriatric Psychiatry" (20, 2005, 459) veröffentlicht worden. Darin waren die in zwei Placebo-kontrollierten Studien zu Demenz-begleitenden Verhaltensstörungen erhobenen Daten analysiert worden.

In der einen Studie hatten 252 Patienten Memantine oder Placebo als Monotherapie bekommen, in der anderen Studie waren 404 Patienten mit Memantine oder Placebo zusätzlich zum Cholinesterasehemmer Donepezil behandelt worden. In beiden Studien wurden Häufigkeit und Ausprägung von zwölf Verhaltensstörungen wie Wahnvorstellungen, Angst oder Aggressionen erfaßt.

Ergebnis: Im Vergleich zu Placebo hatte Memantine einen - in der Kombinationsstudie auch signifikanten - positiven Einfluß auf die Gesamtheit der Verhaltensstörungen. In beiden Studien signifikant war der Effekt speziell auf Unruhe und Aggressivität.

Zum Beispiel entwickelten in der Monotherapie-Studie von den zu Studienbeginn symptomfreien Patienten nur 27 Prozent unter Memantine, aber 58 Prozent unter Placebo im weiteren Studienverlauf Unruhe und Aggressivität. Schon bestehende Unruhe und Aggressivität nahmen mit Memantine bei 55 Prozent der Alzheimer-Patienten ab, mit Placebo aber nur bei 36 Prozent.

Durch den Effekt auf Unruhe und Aggressionen könnten Heim-Unterbringungen vermieden werden, so ein Fazit der Studienautoren.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Glücklich und zufrieden mit dem Job

Ärzte arbeiten gerne in ihrem Beruf und würden ihn wieder ergreifen. Der Ärztemonitor zeigt auch: So viele Ärzte wie nie zuvor sind zufrieden mit der wirtschaftlichen Situation. mehr »

Spahn kritisiert Stimmungsmache der Ärzte

Die Ärzte sind verärgert über Spahns Versorgungsgesetz. Der Gesundheitsminister stellt gegenüber der "Ärzte Zeitung" irritiert klar: Die KBV hat am Gesetz intensiv mitgearbeitet. mehr »

Wer wird Galenus-Preisträger 2018?

Heute Abend ist es soweit: Im Rahmen einer feierlichen Gala werden wieder innovative Arzneimittel und hervorragende Grundlagenforscher mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis ausgezeichnet. 13 Innovationen sind im Rennen. mehr »