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Sicher fahren trotz Alzheimer-Demenz?

PROVIDENCE/KÖLN. Patienten mit milder oder beginnender Alzheimer-Demenz sind durchaus noch Monate oder gar Jahre in der Lage, Auto zu fahren. Das hat eine prospektive US-Studie ergeben. Allerdings fehlen nach wie vor klare Kriterien für die Beurteilung der Fahrtüchtigkeit im Einzelfall.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Ein alter Mensch am Steuer. Fährt er noch sicher?

Ein alter Mensch am Steuer. Fährt er noch sicher?

© Foto: Andrea Churchwww.fotolia.de

Wie lange können Patienten mit Alzheimer noch sicher Auto fahren? Einige noch sehr lange, berichten US-Ärzte um Dr. Brian R. Ott vom Rhode Island Hospital in Providence (Neurology 70, 2008, 1171). Bei milder Alzheimer-Demenz sind die Betroffenen noch durchschnittlich elf Monate fahrtüchtig, bei sehr milder Demenz im Mittel noch 1,7 Jahre, hat eine prospektive Dreijahresstudie bei 128 älteren Autofahrern ergeben. Als mild erkrankt wurden Patienten mit einem CDR-Wert (Clinical Dementia Rating) von 1, als sehr mild mit einem Wert von 0,5 beurteilt. Der CDR-Maximalwert bei schwerer Demenz liegt bei 3 Punkten.

84 der Teilnehmer befanden sich in einem frühen Alzheimer-Stadium, 44 waren gesund und dienten als Kontrollgruppe. Alle Probanden waren über 75 Jahre alt und hatten mehr als 50 Jahre Fahrpraxis.

Auch ein moderat Erkrankter kan mitunter sicher fahren

Wenig überraschend war, dass bei den regelmäßig vorgenommenen Fahrtests in beiden Gruppen die Fahrtauglichkeit abnahm. So nahmen bereits nach 18 Monaten nur noch 26 Patienten und 21 Kontroll-Probanden an den Untersuchungen teil, in der Patientengruppe meist wegen fortgeschrittener Demenz oder wegen offenkundiger Fahruntüchtigkeit. Von den psychisch gesunden Teilnehmern der Fahrtauglichkeitstests wurden zu diesem Zeitpunkt noch 20 - also 95 Prozent - als fahrtauglich eingestuft.

Von den 26 verbliebenen Alzheimer-Patienten waren es noch 22, das sind 85 Prozent. Interessanterweise war ein Patient mit moderater Alzheimer-Demenz (CDR 2) dabei, der sich ebenfalls noch akzeptabel im Straßenverkehr bewegte. Das Alzheimer-Stadium korrelierte zwar mit der Fahrtauglichkeit, war jedoch nicht der einzige Einflussfaktor, berichten Ott und seine Kollegen. Je älter die Patienten waren und je weniger Schulbildung sie hatten, desto wahrscheinlicher war die Fahruntauglichkeit. Dagegen waren das Geschlecht und die Jahre der Fahrpraxis keine signifikanten Prädiktoren.

Die Zahl der Unfälle war in den drei Jahren in der Patientengruppe sogar niedriger als in der Kontrollgruppe (zwei versus fünf).

Der Empfehlung der American Academy of Neurology, dass alle Patienten mit Alzheimer-Demenz das Autofahren einstellen sollten, folgen Ott und seine Mitarbeiter nicht: "Unsere Erfahrungen bestätigen frühere Berichte, wonach Fahrer mit milder Demenz sicher und zuverlässig am Straßenverkehr teilnehmen können." Mehr als die Hälfte bis zu zwei Drittel der Patienten mit milder Alzheimer-Demenz (CDR 1) seien fahrtauglich.

Dies im Einzelfall und im praktischen Alltag zu entscheiden ist jedoch schwierig, wie die US-amerikanischen Kollegen einräumen. Sinnvoll wären Beurteilungen in sechsmonatigen Abständen, da die Fahrtauglichkeit insgesamt relativ rasch abnehme. Die Kosten für Fahrtests in den USA sind allerdings mit bis zu 500 US-Dollar recht hoch.

Im Zweifel sollten Fahrlehrer über Fahrfähigkeit entscheiden

Professor Rüdiger Mielke vom Bereich Neurowissenschaften und Rehabilitation der Uni Köln kann die Erkenntnisse der US-Kollegen bestätigen. In einer eigenen Studie versuchen Mielke und seine Kollegen, neuropsychologische Kriterien zu ermitteln, mit denen die Fahreignung prognostiziert werden kann. Der individuelle Krankheitsverlauf führt nach Erkenntnissen Mielkes dazu, dass die Fahrtauglichkeit unterschiedlich lange erhalten bleibt. Defizite könnten durch Faktoren wie eine langjährige Fahrerfahrung oder angepasste Fahrweise ausgeglichen werden, zum Beispiel durch den Verzicht auf Nachtfahrten.

Solang keine definierten Kriterien für die Fahrtauglichkeit existieren, empfiehlt Mielke im Zweifelsfall den Test in einer Fahrschule. "Fahrtests sind sehr valide. Fahrlehrer haben eine hohe Kompetenz und können das beurteilen", sagt er. Mit Demenz-Scores dagegen würde man der individuellen Situation der Patienten kaum gerecht.

Lesen Sie dazu auch: "Klare Kriterien zur Fahruntauglichkeit nötig"

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