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Neurologen kritisieren den IQWiG-Bericht zu Memantine

Die Wirksamkeit von Memantine bei Alzheimer-Demenz ist in Studien gut belegt. Neurologen kritisieren den aktuellen IQWiG-Bericht, der nicht zuletzt auf geänderten Bewertungskriterien basiert.

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NÜRNBERG (mut). Memantine (Axura®) habe sich in placebo-kontrollierten Studien sowohl bei moderater als auch bei schwerer Alzheimer-Demenz klar bewährt, so Professor Jörg B. Schulz vom Uniklinikum Aachen beim Neurologenkongress. So lassen sich mit dem Medikament sowohl kognitive Fähigkeiten als auch Fähigkeiten, im Alltag zurecht zu kommen und mit Angehörigen zu kommunizieren, signifikant besser erhalten als mit Placebo. Schulz nannte auf einer Veranstaltung des Unternehmens Merz als Beispiel eine 2007 publizierte Meta-Analyse von sechs placebokontrollierten Studien mit insgesamt über 1800 Patienten.

In drei Studien wurde das Medikament bei moderater Alzheimer-Demenz und in drei mit schwerer Alzheimer-Demenz geprüft. In allen Studien schnitten die Patienten mit Memantine auf der ADAS-cog-Skala oder der bei schwerer Demenz verwendeten SIB-Skala deutlich besser ab als mit Placebo, in allen sechs Studien war der von Ärzten und Angehörigen ermittelte globale Gesamteindruck mit Memantine besser als mit Placebo, und in allen sechs Studien gab es Vorteile für Memantine bei der Alltagskompetenz. In immerhin vier von sechs Studien wirkte sich Memantine im Vergleich zu Placebo günstiger auf Verhaltensstörungen aus.

Dass Memantine die Kognition positiv beeinflusst und gut vertragen wird - dies werde nicht einmal vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bezweifelt, so Schulz. Dennoch stellte das Institut den Nutzen des Medikaments in seinem vor kurzem publizierten Abschlussbericht infrage - es hält den Effekt für zu gering. Zu diesem Schluss kam das Institut allerdings erst, nachdem es zwischendurch seine statistischen Methoden geändert hatte, kritisierte Schulz. Um den Effekt der Therapie zu bemessen, hätte das IQWiG etwa Responderraten analysieren können.

Dann wäre die Analyse wohl zugunsten vom Memantine ausgefallen. Denn in Studien zeigten während einer sechs Monate dauernden Therapie nur etwa halb so viele Patienten eine deutliche Verschlechterung wie mit Placebo. Das IQWiG nahm jedoch den Cohens-d-Wert, eine statistische Effektgröße für Mittelwertunterschiede zwischen zwei Gruppen mit gleichen Gruppengrößen und ohne Berücksichtigung der Fallzahlen. Bei der Bewertung der Cholinesterase-Hemmer musste der Cohens-d-Wert noch über 0,1 liegen, um einen ausreichenden Effekt nahe zu legen.

Bei der Bewertung von Memantine verdoppelte das IQWiG den Grenzwert jedoch plötzlich und kam zu einem anderen Ergebnis für Memantine als für die Cholinesterase-Hemmer, kritisierte Schulz. Zwar gebe es Langzeitstudien, die für Memantine einen Cohens-d-Wert von bis zu 0,7 ergeben hatten, diese seien jedoch vom IQWiG nicht berücksichtigt worden, da sie nicht über den gesamten Zeitraum doppelblind geführt werden konnten - nach sechs Monaten werden Alzheimer-Studien in der Regel aus ethischen Gründen entblindet.

Der Neurologe sieht in dem aktuellen IQWiG-Bericht aber nicht nur einen Angriff auf Memantine, sondern auf die antidementive Therapie insgesamt. So plane das IQWiG eine "Aktualisierungsrecherche" zu Cholinesterase-Hemmern, eventuell auch mit dem veränderten Cohens-d-Wert. Schulz wies jedoch darauf hin, dass der Abschlussbericht für Ärzte vorerst keine Auswirkungen hat. Entscheidend seien die Beschlüsse des Gemeinsamen Bundesausschusses, nicht die des IQWiG.

Lesen Sie dazu auch: Antidementiva nützen - davon sind Ärzte überzeugt IQWiG stellt den Nutzen von Memantine bei Alzheimer-Demenz infrage Kritik an Bericht des IQWiG zu Memantin bei M. Alzheimer

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