Ärzte Zeitung online, 30.12.2013

Demenz

Neue Wirkstoffe gegen Alzheimer entdeckt

Deutsche Wissenschaftler haben sechs Substanzen identifiziert, die den Krankheitsverlauf stoppen könnten.

HAMBURG. Forscher am Institut für Neuropathologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben in Laborversuchen sechs Substanzen identifiziert, die den Verlauf der Alzheimer-Krankheit möglicherweise aufhalten können.

Ob sich aus diesen Substanzen tatsächlich Medikamente entwickeln lassen, ist Gegenstand weiterer Forschungen. Ihre Erkenntnisse haben die Wissenschaftler um Professor Markus Glatzel jetzt online im Journal PLOS ONE (2013, online 18. Dezember) veröffentlicht.

Die Ursachen der Erkrankung sind bislang nicht vollständig geklärt. Jahre, bevor erste klinische Symptome sichtbar werden, bilden sich im Gehirn der Betroffenen sogenannte Plaques, die aus fehlerhaft gefalteten Eiweißmolekülen, den Beta-Amyloid-Peptiden, entstehen.

"Allerdings wissen wir, dass es verschiedene genetische Risikofaktoren gibt, die als Auslöser für diejenigen Alzheimer-Erkrankungen gelten, die bereits in jüngeren Jahren auftreten", erläutert Glatzel in einer Mitteilung des UKE. Ein solcher Risikofaktor ist die vermehrte Produktion des Amyloid-Vorläuferproteins.

"Menschen, die aufgrund von Veränderungen im Erbgut mehr von dem Amyloid-Vorläuferprotein produzieren, entwickeln wesentlich häufiger und früher eine Alzheimer-Erkrankung."

Glatzel und sein Team aus der Neuropathologie suchten nach Wegen, die Menge des Vorläuferproteins im Gehirn zu verringern. Sie verwenden dafür ein neues, Zellkultur-basiertes Verfahren, das es ermöglicht, eine große Zahl potentieller Wirkstoffe auf ihre Wirkung gegenüber dem Amyloid-Vorläuferprotein zu testen.

"Aus einer Bibliothek mit pharmakologisch einsetzbaren Substanzen haben wir aus 10.000 Substanzen sechs identifizieren können, die die Menge des Amyloid-Vorläuferproteins spezifisch reduzieren konnten", erläutert Glatzel.

In weiteren Laborstudien gehe es nun darum, diese Substanzen so zu modifizieren, dass daraus pharmakologische Wirkstoffe werden. "Das Ziel ist es, diesen neuen und vielversprechenden Therapieansatz so fortzuentwickeln, dass er in die klinische Anwendung gebracht werden kann", so Glatzel.

Das Forschungsprojekt wurde unter anderem mit Hilfe einer Testamentsspende realisiert.

Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz; rund 700.000 der etwa 1,3 Millionen Demenzpatienten in Deutschland sind von Morbus Alzheimer betroffen. Durch den demographischen Wandel werden sich die Erkrankungszahlen bis zum Jahr 2050 etwa verdoppeln. Eine effektive Therapie gibt es derzeit nicht. (eb)

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