Ärzte Zeitung App, 04.12.2014

Alzheimer

Koffein bringt Gedächtnis in Schwung

Ein Projekt zu einem Koffein-Wirkstoff bei Demenz hat so gute Ergebnisse gebracht, dass die Förderung jetzt verlängert wird.

BONN. Wer Kaffee oder Tee trinkt, verringert sein Alzheimer-Risiko, wie mehrere aktuelle Studien belegen. Professor Christa E. Müller von der Universität Bonn erforscht gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. David Blum von der Universität Lille, wie sich Koffein auf die bei Alzheimer typischen Eiweißablagerungen auswirkt.

Ihre Forschungsarbeit wird seit 2011 von der gemeinnützigen Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) unterstützt. Jetzt wurde die Förderung um zwei Jahre bis 2016 verlängert, wie die Alzheimer Forschung Initiative mitteilt.

Wirkstoff überzeugt im Mausmodell

Die AFI stellt für diesen Zeitraum 30.000 Euro bereit, die französische Partnerorganisation Ligue Européenne Contre la Maladie d'Alzheimer LECMA gibt 70.000 Euro. Müller hat mit ihrer Arbeitsgruppe einen koffeinähnlichen Wirkstoff (MSX-3) entwickelt, der vielfach leistungsstärker als herkömmliches Koffein ist und dabei weniger Nebenwirkungen hat.

Dieser Wirkstoff, ein sogenannter A2A-Antagonist, habe in einem Mausmodell überzeugt. Diese genetisch veränderten Tiere weisen die für die Alzheimer-Demenz typischen Tau-Ablagerungen auf. In Gedächtnistests schnitten sie deutlich besser ab als ihre unbehandelten Artgenossen (Molecular Psychiatry 2014, online 2. Dezember).

Adenosinrezeptoren werden durch das Purinnukleosid Adenosin aktiviert. Sie sind an der Regulation im Zentralnervensystem sowie von Herz-Kreislauf-Funktionen und Immunreaktionen von Bedeutung. Diese Effekte werden über eine rezeptorvermittelte Aktivierung von G-Proteinen ausgelöst.

Wirkung gegen Eiweiß-Plaques?

Im nächsten Schritt will die Bonner Forscherin jetzt herausfinden, ob der Wirkstoff auch gegen die Eiweiß-Plaques aus Amyloid-Beta wirkt, die ebenfalls ein charakteristisches Merkmal der Alzheimer-Krankheit sind. Außerdem will sie prüfen, ob die dadurch hervorgerufenen Defizite verhindert oder reduziert werden können.

"Ein positives Ergebnis würde die Grundlage dafür bilden, A2A-Adenosinrezeptor-Antagonisten als neuartige Arzneistoffe für die Alzheimer-Krankheit zu entwickeln", wird Müller in der Mitteilung zitiert. "Die Arbeiten stellen somit eine wichtige Grundlage für zukünftige klinische Studien an Alzheimer-Patienten dar", so Müller.

Das Forschungsvorhaben der Neurologin ist eines von sieben innovativen Alzheimer-Forschungsprojekten an deutschen Universitäten, die von der Alzheimer Forschung Initiative ab sofort mit insgesamt 464.220 Euro bis 2016 unterstützt werden. (eb)

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