Ärzte Zeitung, 17.11.2015

Ältere Patienten

Demenzrisiko steigt mit chronischem Leiden

Ältere Patienten mit mehreren chronischen Krankheiten haben ein erhöhtes Risiko, zusätzlich leichte kognitive Störungen oder eine Demenz zu entwickeln, wie eine Studie nun belegt.

Von Christine Starostzik

Demenzrisiko steigt mit chronischem Leiden

Schätzungen zufolge leiden 55 bis 98 Prozent der Senioren ab 60 Jahren an mindestens zwei chronischen Krankheiten; viele haben eine Hypertonie und gleichzeitig eine Hyperlipidämie oder Arthritis.

© Wissmann Design / Fotolia

ROCHESTER. Je größer die Zahl chronischer Leiden bei älteren Menschen, desto höher ist deren Risiko, leichte kognitive Störungen oder eine Demenz zu entwickeln, so das Ergebnis einer prospektiven amerikanischen Kohortenstudie.

Schätzungen zufolge leiden 55 bis 98 Prozent der Senioren ab 60 Jahren an mindestens zwei chronischen Krankheiten. Ob diese Multimorbidität die Entwicklung leichter kognitiver Störungen oder Demenz begünstigen kann, dieser Frage sind Maria Vassilaki von der Mayo Clinic, Rochester, und Kollegen in einer prospektiven Kohortenstudie nachgegangen (J Am Geriatr Soc 2015; 63: 1783 - 1790).

In die Mayo Clinic Study of Aging schlossen sie 2176 zufällig ausgewählte Patienten mit normaler Kognition und einem Durchschnittsalter von 78,5 Jahren ein. Alle 15 Monate durchliefen die Probanden eine neuropsychometrische Diagnostik. Multimorbidität, definiert als zwei oder mehr chronische Krankheiten, wurde anhand des Patientenregisters erfasst.

1884 Probanden untersucht

1884 Probanden erfüllten zu Studienbeginn die Definition Multimorbidität. Unter die fünf häufigsten Doppelgruppierungen chronischer Leiden fielen Hypertonie und Hyperlipidämie (50,4 Prozent), Hypertonie und Arthritis (32,9 Prozent), Hyperlipidämie und Arthritis (30,7 Prozent), koronare Herzkrankheit (KHK) und Hyperlipidämie (27,5 Prozent) sowie Hypertonie und KHK (25,5 Prozent).

In einem mittleren Beobachtungszeitraum von vier Jahren entwickelten 583 Studienteilnehmer leichte kognitive Störungen oder eine Demenz. Gegenüber gesunden Personen oder solchen mit nur einem chronischen Leiden (Kontrollgruppe) war unter Berücksichtigung von Geschlecht und Ausbildung das neurologische Risiko bei Multimorbiden um 38 Prozent erhöht.

Gleichzeitig wurde ein Geschlechtsunterschied deutlich (Risikoerhöhung Männer 53 Prozent vs. Frauen 20 Prozent). In dieser Einzelbetrachtung der Geschlechter war nur das Ergebnis der Männer signifikant.

Außerdem zeigte sich in der US-Studie, dass mit zunehmender Multimorbidität auch die Wahrscheinlichkeit für die neurologischen Probleme zunahm. So war das Risiko für eine kognitive Störung oder Demenz bei Männern und Frauen mit vier oder mehr chronischen Leiden um 61 Prozent erhöht, während diejenigen mit zwei oder drei chronischen Krankheiten nur 3 Prozent über der Kontrollgruppe lagen.

Fazit der Autoren

Die Ergebnisse der Studie, so Vassilaki und Kollegen, belegten, wie wichtig es sei, die Entwicklung chronischer Leiden zu verhindern und die Patienten angemessen zu versorgen. Gleichzeitig stützten sie die Hypothese, dass mehrere Ursachen zur Ausbildung leichter kognitiver Störungen und Demenz im Alter beitragen könnten.

Neben verschiedenen anderen möglichen Mechanismen könne nicht zuletzt auch die Polypharmazie für eine veränderte Kognition infolge von Neben- und Wechselwirkungen mitverantwortlich sein.

Der Zusammenhang zwischen Multimorbidität und kognitiven Störungen einschließlich Demenz könnte nach Ansicht der Autoren bedeuten, dass eine Prävention chronischer Leiden möglicherweise auch die Entwicklung kognitiver Störungen und Demenz im hohen Lebensalter verzögert.

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