Ärzte Zeitung online, 15.09.2017

Kommentar

Lithium: Mehr Forschung nötig!

Von Peter Leiner

Lithium steht seit mehr als 50 Jahren in Diensten der Medizin, etwa zur Therapie bei bipolaren Störungen. Für die therapeutische Wirkung sind hier allerdings mehrere hundert Milligramm pro Tag nötig. In Beobachtungsstudien gab es darüber hinaus Hinweise, dass Lithium bei diesen Patienten die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, reduziert.

Jetzt wird die Diskussion über den Nutzen von Lithium bei Demenz durch eine große Fall-Kontroll-Studie befeuert, in der die Exposition mit hohen im Vergleich zu geringen Dosen des Spurenelementes im Trinkwasser mit einer reduzierten Demenzinzidenz assoziiert war.

Aber es ist eben nur eine Assoziation – und dann noch nicht einmal eine lineare –, von einem kausalen Zusammenhang kann deshalb derzeit keine Rede sein.

Außerdem liegen die in der Studie gemessenen, mit dem Trinkwasser aufgenommenen "hohen" Dosen nur im Mikrogrammbereich. Die Ergebnisse könnten somit Anlass sein, sich in der klinischen Forschung noch stärker als bisher mit den Effekten subtherapeutischer Dosen des Spurenelementes zu befassen, etwa auf die Ausschüttung des neuronalen Wachstumsfaktors BDNF.

Aber erst danach sollte man die Idee erwägen, zur Prävention der Demenz Lithium ins Trinkwasser zu schütten.

Lesen Sie dazu auch:
Hinweise aus Bevölkerungsstudie: Reicht Lithium im Trinkwasser zur Demenzprophylaxe?

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[15.09.2017, 11:31:37]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Jeder, der sich mal mit (eigenen) statistischen Daten beschäftigt...
kennt das Phänomen: Unterscheiden sich die einzelnen Beobachtungsgruppen untereinander nicht signifikant und schlüssig-linear genug, nimmt man einfach die Unterschiede zwischen den Mittel(Median-)Werten. Und diese werden oft erst dann signifikant, wenn eine möglichst große Kontrollgruppe (hier 10mal so groß!) hinzugezogen wird.

So in "Association of Lithium in Drinking Water With the Incidence of Dementia" von Lars Vedel Kessing et al.
http://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/article-abstract/2649277
m. E. geschehen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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