Ärzte Zeitung online, 24.11.2017
 

Durch gesündere Lebensweise

Demenzrisiko in Europa geht zurück

MÜNCHEN. Trotz der höheren Lebenserwartung in der westlichen Welt verzeichnen Ärzte keine Zunahme von Demenzerkrankungen. Es gebe weniger neue Fälle als erwartet, sagte Professor Robert Perneczky von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Das hätten übereinstimmend Studien aus Schweden, England und den USA ergeben.

Hauptgründe für die positive Entwicklung seien die bessere Lebensführung mit Bewegung und gesunder Ernährung sowie ein insgesamt besserer Bildungsstand, sagte Perneczky aus Anlass des internationalen Kongresses "ResDem" an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LMU, an dem 200 klinische Wissenschaftler mit Grundlagenforschern teilnehmen.

Zu rund 30 Prozent könne das Demenzrisiko durch gesunde Lebensweise reduziert werden. Medikamente könnten bisher nur den Verlauf etwas verlangsamen. Hoffnungen auf eine Art Impfung, die eine Bildung von Eiweißablagerungen im Hirn verhindern sollte, hätten sich bisher nicht erfüllt.

Die Eiweißplaques, die als Ursache der Zerstörung von Hirnsubstanz gelten, seien zwar nach der Immunisierung teils nicht mehr nachweisbar gewesen. Die Demenz sei aber dennoch vorangeschritten.

Multifaktorielle Ursachen

In Deutschland leben fast 1,6 Millionen Demenzkranke; zwei Drittel von ihnen leiden an Alzheimer. Die Ursachen für Demenz seien multifaktoriell. Es gebe eine erbliche Komponente. Zudem steigere alles, was Herz-Kreislauferkrankungen bedinge, auch das Demenzrisiko. Dazu zähle Rauchen, zu viel Alkohol, zu wenig Bewegung, Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes.

"Alles, was das Gefäßsystem schädigt, schädigt auch die Gefäße im Gehirn und erhöht das Demenzrisiko", sagte Perneczky. Die gute Nachricht sei: "Wir sind der Demenz nicht hilflos ausgeliefert. Jeder hat seine Lebensgewohnheiten im Griff und kann dadurch die Gesundheit des Gehirns positiv beeinflussen."

Neben den Eiweißablagerungen im Hirn können Krankheiten sekundär zu einer Demenz führen, etwa eine schwere Schilddrüsenunterfunktion oder Depression. Beides sei heilbar. Deshalb sei es wichtig, bei ersten Symptomen zum Arzt zu gehen. "Meistens beginnt es mit einer Vergesslichkeit, die jeder Ältere hat. Auffällig wird es, wenn es einen negativen Einfluss auf die Alltagsbewältigung hat."

Grundsätzlich steigt das Risiko einer Demenz mit dem Alter. Liege es bei 65-Jährigen bei einem Prozent, steige es im Alter von 70 bereits auf fünf und im Alter von 80 auf 15 Prozent. Bei den 85-Jährigen sind es 25 Prozent, bei den 90-Jährigen bis zu 50 Prozent. Das bedeute aber auch, dass die Hälfte der 90-Jährigen nicht an Demenz leide. (dpa)

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