Ärzte Zeitung online, 12.09.2018

Prävention

Gesundes Herz = geringeres Demenzrisiko

Die Maßgaben zur kardiovaskulären Primärprävention zu erfüllen, lohnt sich für ältere Menschen auch im Hinblick auf ihre kognitive Leistungsfähigkeit. Und wer sieben Gesundheitskriterien beherzte, lebte im Durchschnitt länger und war gesünder.

Von Beate Schumacher

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Ein Blutdruck von unter 120/80 mmHg ist ein Kriterium für die kardiovaskuläre Gesundheit.

© Peter Maszlen / Fotolia

BORDEAUX. Mit dem Ziel, die Primärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu fördern, hat die American Heart Association im Jahr 2010 ein Konzept für die ideale kardiovaskuläre Gesundheit entwickelt.

Dazu muss in sieben Parametern der optimale Zustand erreicht sein, in vier Lebensstilfaktoren – Nichtrauchen, regelmäßige körperliche Aktivität, gesunde Ernährung mit Fisch, Obst und Gemüse, BMI < 25 kg/m2 – und drei Laborwerten – Gesamtcholesterin < 200 mg/dl, Blutdruck < 120/80 mg/dl, Nüchternblutzucker < 100 mg/dl, jeweils ohne Behandlung. Je mehr der sieben Kriterien erfüllt sind, desto geringer ist das Risiko für Tod, KHK und Schlaganfall.

Darüber hinaus macht sich die Abwesenheit kardiovaskulärer Risikofaktoren auch bei der kognitiven Leistungsfähigkeit positiv bemerkbar. Je herzgesünder ältere Menschen sind, desto seltener entwickeln sie eine Demenz, wie eine prospektive Studie aus Frankreich nun zeigt (JAMA 2018; 320:657-664).

An der Studie beteiligten sich 6626 über 65-Jährige, die anfangs keine Herzerkrankungen und Demenz hatten. Nur bei 6,5 Prozent waren 5–7 Kriterien der optimalen Herzgesundheit erfüllt, 57,1 bzw. 36,4 Prozent erreichten in 3–4 bzw. in höchstens 2 Parametern den Idealzustand. Während der Beobachtungszeit von im Mittel 8,5 Jahren absolvierten die Senioren regelmäßig Kognitionstests.

Inzidenzquote stieg an

Eine Demenz wurde bei 745 diagnostiziert, das entsprach einer Inzidenzrate von 1,32 pro 100 Personenjahre. Die Quote stieg auf 1,56 pro 100 Personenjahre, wenn höchstens 2 Messgrößen im optimalen Bereich gelegen hatten; mit 3–4 Bestwerten waren es 1,23 und mit 5–7 nur noch 0,83 Demenzdiagnosen pro 100 Personenjahre.

Auch unter Berücksichtigung weiterer Demenz-Risikofaktoren ergab sich ein inverser und linearer Zusammenhang zwischen der Zahl der kardiovaskulären Risikoparameter mit Idealwerten und dem Demenzrisiko: Mit jedem zusätzlichen Parameter lag das Demenzrisiko um 10 Prozent niedriger. Auch der kognitive Abbau fiel umso geringer aus, je besser der kardiovaskuläre Status war.

"Die Ergebnisse stützen die Förderung der kardiovaskulären Gesundheit, um Risikofaktoren vorzubeugen, die mit kognitivem Abbau und Demenz einhergehen", lautet das Fazit der Studienautoren um Cécilia Samieri von der Université de Bordeaux. Aus pragmatischen Gründen und mit Blick auf Erreichbarkeit und Nutzen auf Bevölkerungsebene halten sie es für sinnvoll, sich mehr als auf die Veränderung von schlechten zu guten auf die von schlechten zu mittleren Risikoprofilen zu konzentrieren.

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