Ärzte Zeitung, 21.11.2005

Umfrage belegt: Nicht alle Diabetiker sind Bewegungsmuffel

Ob ein Diabetiker länger körperlich aktiv bleibt, hängt von den positiven Auswirkungen ab / Schulungsmodul soll zur Motivation beitragen

MÜNCHEN (ej). Wenn Diabetiker erst einmal vom Wert körperlicher Bewegung überzeugt sind, können sie durchaus mit Ausdauer dabei bleiben. Das belegen Ergebnisse einer aktuellen Umfrage bei Patienten mit Diabetes mellitus.

Die Teilnehmer der Aktion hatten bei der bundesweiten Aufklärungs-Aktion "Besser messen - aktiver leben" im Juli 2005 den in Patienten-Ratgebern publizierten Fragebogen beantwortet. 2890 Diabetiker waren dem Aufruf zu der Umfrage gefolgt.

Ziel war es, Verhalten und Einstellungen von sporttreibenden Diabetikern besser zu verstehen. Die Ergebnisse der vom Unternehmen Life-Scan unterstützten Aktion sind jetzt bei einer Pressekonferenz in München vorgestellt worden.

Etwa 80 Prozent der Teilnehmer waren Typ-2-Diabetiker und im Mittel 64 Jahre alt. Die Typ-1-Diabetiker waren durchschnittlich 49 Jahre alt. 77 Prozent der Befragten wurden mit Insulin behandelt, 26 Prozent davon in Kombination mit oralen Antidiabetika.

An der Aktion haben offenbar vor allem motivierte und bewegungsbegeisterte Patienten teilgenommen. 80 Prozent der Teilnehmer waren mehrmals pro Woche 30 bis 60 Minuten pro Tag körperlich aktiv, 30 Prozent täglich länger als eine Stunde.

Über 98 Prozent der Befragten nutzen die Bewegung gezielt zur Unterstützung der Therapie. Spazieren und Wandern waren die beliebtesten Sportarten, gefolgt von Radfahren, Schwimmen, Nordic Walking und Fitneßtraining. Weitere Ergebnisse:

  • Neudiagnostizierte Diabetiker bewegen sich weniger als Patienten, die seit einigen Jahren Diabetes haben.
  • Je älter die Patienten sind, desto häufiger bewegen sie sich.
  • Patienten mit Insulintherapie bewegen sich häufiger als Patienten, die mit Diät oder oralen Antidiabetika behandelt werden.
  • Über die Hälfte der Diabetiker gaben an, ihren Blutzucker vor und nach der körperlichen Aktivität zu messen. Bei den Typ-1-Diabetikern waren es über 80 Prozent.

Mit Blutzuckermessen könnten Patienten Stoffwechselschwankungen besser verstehen, sagte Dr. Eva-Maria Fach aus Rosenheim. "Wer geschult ist und den positiven Effekt der Bewegung auf den Stoffwechsel mißt, versucht regelmäßig etwas für sich zu tun".

Das Schulungsmodul DiSko (Wie Diabetiker zum Sport kommen) soll helfen zu motivieren. Ob jemand dabei bleibt, hänge davon ab, wie positiv die Auswirkungen erlebt werden, sagte Dr. Peter Zimmer vom Klinikum Ingolstadt. "Wer das erste Vierteljahr durchhält, bleibt langfristig aktiv".

Weitere Informationen unter www.bessermessen-aktiverleben.de

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