Ärzte Zeitung, 07.11.2007

Plädoyer für Kombitherapie zur LDL-Senkung

Viele Risikopatienten verfehlen ihr LDL-Ziel / Statine werden nicht hoch genug dosiert / Umfrage bei Kardiologen und Diabetologen

AMSTERDAM (hbr). Patienten mit Diabetes und hohen Cholesterinwerten erreichen nach Einschätzung von Ärzten die angestrebten LDL-Ziele immer noch zu selten. Das hat eine Umfrage unter 750 Kardiologen und Diabetologen ergeben.

Die Ergebnisse der Umfrage sind beim Diabeteskongress in Amsterdam präsentiert worden. Demnach stufen zwar praktisch alle Ärzte Diabetiker mit erhöhtem LDL-Wert als kardiovaskulär stark gefährdet ein. Trotzdem, so schätzen 68 Prozent der Diabetologen und 71 Prozent der Kardiologen, verfehlt mindestens jeder zweite ihrer eigenen Risikopatienten sein LDL-Ziel.

Dieses LDL-Ziel liegt für Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen oder Diabetes unter 100 mg/dl. Für die Sekundärprävention empfehlen einige Leitlinien heute sogar, einen Wert unter 70 mg/dl anzustreben, so Dr. Michel Farnier aus Dijon. "Patienten mit Diabetes plus koronarer Herzkrankheit brauchen eine aggressive Therapie", betonte er bei einer Veranstaltung von MSD.

Mindestens jeder zweite Patient verfehlt seinen LDL-Zielwert.

Die Umfrage wurde in Italien, Frankreich, Deutschland, Spanien und Großbritannien gemacht. In jedem Land wurden je 75 Kardiologen und Diabetologen zum Cholesterin-Management befragt.

Der Mangel an Erfolg beruht nach einmütiger Einschätzung beider Arztgruppen vor allem auf drei Ursachen: Jeder zweite Arzt geht davon aus, dass budgetäre Gründe Einfluss nehmen. Ebenso viele nennen Einschränkungen aufgrund na-tionaler Leitlinien. Viele sehen zudem ein Problem darin, dass eine Monotherapie mit den zur LDL-Senkung eingesetzten Statinen oft nicht ausreicht oder haben Bedenken bei hohen Statin-Dosierungen.

So bringt eine Verdoppelung der Statindosis nach der bekannten 6er-Regel im Mittel jeweils nur eine zusätzliche LDL-Senkung um sechs Prozent, erinnerte Farnier. Er plädiert für eine Kombinationstherapie, wie sie mit Ezetimib und Simvastatin in Inegy® erhältlich ist. Eine solche Kombination halten auch 94 Prozent der befragten Ärzte für wirksamer als die Monotherapie. So hemmt das Statin die körpereigene Cholesterin-Produktion und Ezetimib reduziert die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm. Das spiegelt sich in einer Studie wider: Darin erreichten nach sechs Wochen Therapie mit täglich 20 mg Atorvastatin nur 35 Prozent der Teilnehmer einen LDL-Wert unter 70 mg/dl. Mit Ezetimib plus Simvastatin 10/20 mg waren es im Gegensatz dazu 60 Prozent.

STICHWORT

6er-Regel

Die 6er-Regel bei Statinen besagt, dass nach jeder Verdopplung der Statindosis der LDL-Cholesterin-Wert im Schnitt jeweils lediglich um weitere 6 Prozent sinkt. Wurde also etwa der LDL-Wert bereits mit einer Statindosis von 10 mg gesenkt und soll nun um weitere 18 Prozent abnehmen, dann muss die Ausgangsdosis dreimal verdoppelt werden: auf 20, 40 und schließlich auf 80 mg. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

MDK lehnt Pflegeanträge seltener ab

Kommen die Pflegereformen bei den Versicherten an? Neuen Zahlen zufolge fallen weniger Antragssteller durchs Raster und erhalten somit Leistungen. mehr »