Ärzte Zeitung, 05.06.2009

Intensive Blutzuckersenkung reduziert KHK-Ereignisse

Neue Metaanalyse großer Studien mit mehr als 33 000 Typ-2-Diabetikern

CAMBRIDGE(ob). Gute Nachricht für alle Diabetiker und Ärzte, die diese Patienten betreuen: Nach Ergebnissen einer Gesamtanalyse mehrerer großer Interventionsstudien scheint eine intensive Blutzuckersenkung bei Typ-2-Diabetes nicht nur mikrovaskulären Folgeschäden, sondern auch KHK-Ereignissen vorzubeugen.

Mehrere große Studien wie ACCORD und VADT haben vergangenes Jahr für Turbulenzen in der diabetologischen Fachwelt gesorgt. Nach ihren Ergebnissen hatte eine intensive Blutzuckersenkung nicht nur keine positiven Auswirkungen auf kardiovaskuläre Ereignisse, sie schien sogar - siehe ACCORD-Studie - nachteilige Konsequenzen haben zu können.

Die dadurch ausgelöste Unsicherheit hat wiederum eine Gruppe britischer Forscher in Cambridge sehr beunruhigt. Ihre Sorge: Das Vertrauen in die antidiabetische Therapie könne leiden und ihr Nutzen ungerechtfertigt in Zweifel gezogen werden. Quasi als vertrauensbildende Maßnahme hat das Forscherteam jetzt seine Ergebnisse einer Gesamtschau von fünf großen Vergleichsstudien aus jüngster Zeit - darunter auch ACCORD und VADT - publiziert (Lancet 373, 2009, 1765).

In diesen Studien, an denen insgesamt 33  040 Typ-2-Diabetiker teilgenommen hatten, ist jeweils eine intensive Blutzuckersenkung mit konventionellen Therapieregimen in ihrer Wirkung auf makrovaskuläre Ereignisse verglichen worden.

Die Metaanalyse kommt zu einem beruhigenden Ergebnis. In der Gruppe mit intensiverer antidiabetischer Therapie war der erreichte HbA1c-Wert um 0,9 Prozentpunkte niedriger als in der konventionell behandelten Gruppe (6,6 versus 7,5 Prozent). Die stärkere HbA1c-Senkung war mit einer jeweils signifikanten Reduktion von nicht tödlichen Herzinfarkten um 17 Prozent und von KHK-Ereignissen um 15 Prozent assoziiert. Auf Schlaganfälle und Gesamtsterberate hatte das Erreichen niedrigerer HbA1c-Werte aber keinen Einfluss.

Die Daten belegen auch, dass der Effekt einer antiglykämischen Therapie auf kardiovaskuläre Ereignisse insgesamt schwächer ist als der einer Lipidsenkung (Statine) oder einer Blutdrucksenkung.

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