Ärzte Zeitung, 02.07.2010

Kölner Fußnetz: Kooperation verhindert Amputationen

Diabetiker profitieren von enger Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Fachkräften

BERLIN (eb). Ärztliche Netzwerke wie das Kölner Fußnetz können die Zahl von Amputationen bei Patienten mit diabetischem Fußsyndrom (DFS) verringern. Das belegen aktuelle Studiendaten.

Kölner Fußnetz: Kooperation verhindert Amputationen

Eine verbesserte Versorgung hilft Diabetikern mit Fußläsionen.

© Bilderbox

Diabetes mellitus ist die Hauptursache der rund 60 000 Amputationen pro Jahr in Deutschland. Bei der Therapie von Patienten mit DFS sind außer Diabetologen auch Gefäßspezialisten, Chirurgen, Dermatologen, Radiologen und Orthopäden gefragt. Hinzu kommen orthopädische Schuhmacher, Fußpfleger und Pflegedienste. "Das Kölner Fußnetz ist ein Beispiel, wie eine Kooperation der Fachkräfte funktionieren kann", betonen diabetesDE und die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG): Unter dem Dach eines 2003 gegründeten Vereins treffen sich 50 Fachärzte regelmäßig zum Erfahrungsaustausch in Qualitätszirkeln. Sie haben eigene Leitlinien und Fortbildungskurse für Ärzte geschaffen. Die Ärzte dokumentieren ihre Behandlungsergebnisse und vergleichen sich untereinander. Die Patienten führen eine "Rote Mappe” mit den wesentlichen Daten der Behandlung. Auf einem Verlaufsbogen werden die jeweiligen Maßnahmen dokumentiert.

Auch die Erforschung von Behandlungs-Alternativen gehört dazu. So sollte vor größeren Amputationen zum Beispiel immer eine Röntgenaufnahme der Arterien gemacht werden, fordert Dr. Alexander Risse (Diabetologe 2010; 6: 100). Die Erfahrungen des Kölner Fußnetzes sind positiv. Von 2005 bis 2008 wurden 3277 Behandlungen vorgenommen. Bei 2,5 Prozent wurde eine Amputation oberhalb des Knöchels durchgeführt. Bei weiteren 8,8 Prozent reichten kleinere Amputationen aus. Dieses Verhältnis von 1:3,5 sei deutlich besser als der Bundesdurchschnitt von 1:1,2. Das Kölner Fußnetz, das von Krankenkassen gefördert wird, hat inzwischen Schule gemacht. Seit 2005 werden auch in Düsseldorf, seit 2006 in Hamburg und seit 2009 in allen verbliebenen Regionen im Bezirk Nordrhein Patienten in diesen Strukturen behandelt.

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