Vorübergehende Remission

Insulin-Intermezzo lässt Typ-2-Diabetes pausieren

Eine Kurzzeittherapie mit Insulin kann Patienten mit neu entdecktem Typ-2-Diabetes offenbar vorübergehend in Remission bringen.

Veröffentlicht:

TORONTO. Kanadische Forscher haben Daten aus sieben Studien zu einer vorübergehenden intensiven Insulintherapie in der Frühphase von Typ-2-Diabetes in einer Metaanalyse ausgewertet (Lancet Diabetes & Endocrinology 2013, online 2. Februar).

839 Patienten (HbA1c 9,7 bis 11,9 Prozent) hatten 14 bis 21 Tage kontinuierliche Insulininfusionen erhalten oder mehrmals täglich Insulin gespritzt.

Eine Analyse mit HOMA-B (Homeostasis Model Assessment of Beta-cell function) ergab in sechs Studien eine signifikante Erholung der Betazellfunktion, berichten die Forscher um Dr. Caroline Kaercher Kramer vom Mount Sinai Hospital in Toronto. Ebenfalls in sechs Studien ging die Insulinresistenz deutlich zurück.

Die glykämische Remission war in vier Studien mit 559 Teilnehmern untersucht worden. Normale Blutzuckerwerte ohne antidiabetische Therapie hatten nach drei Monaten noch 66 Prozent der Patienten, nach sechs Monaten 59 Prozent, nach einem Jahr 46 Prozent und nach zwei Jahren 42 Prozent.

Daten aus nicht-randomisierten Studien ohne Kongrollgruppe

Patienten mit höherem BMI und niedrigeren Nüchternglukose-Werten vor der Behandlung kamen eher in Remission. Bei diesen Faktoren könnte der irreversible Rückgang der Betazellfunktion noch nicht so weit fortgeschritten sein, so die Forscher.

"Eine frühe intensive Kurzzeittherapie mit Insulin wirkt also günstig auf die Betazellfunktion und die Insulinresistenz", so die Ärzte. Die Intervention könne möglicherweise "den natürlichen Diabetes-Verlauf modifizieren".

Allerdings: Die meisten analysierten Daten stammen aus nicht-randomisierten Studien ohne Kontrollgruppen. Die beobachteten Verbesserungen des Glukosestoffwechsels könnten daher zu einem Teil auch auf Lebensstil-Änderungen zurückzuführen sein. (bs)

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Kommentare
Dr. Johannes Scholl 04.06.201307:24 Uhr

Nicht mehr, sondern weniger Insulin ist das Ziel - Buchtipp: N. Worm: MENSCHENSTOPFLEBER!

Ja, ja, mehr Insulin "tut gut"... Das ist ein absurder Ansatz. Die erstmanifestierten Typ 2-Diabetiker haben in der Regel ja zu viel Insulin, es wirkt halt nur nicht ausreichend. Die ß-Zellen erholen sich, wenn man die Insulinresistenz beseitigt. Und das geht wesentlich eleganter über die Reduktion des Leberfettgehaltes, körperliche Aktivität und eine Ernährung mit niedriger glykämischer Last.
Allen, die an einer pathophysiologisch orientierten Therapie des Typ 2-Diabetes interessiert sind, sei der Artikel von Roy Taylor in Diabetes Care, April 2013, empfohlen: "Type 2-Diabetes - Etiology and Reversibility".
Durch eine "Leberfastenkur" konnte der Leberfettgehalt seiner Patienten innerhalb von 8 Wochen um 70% reduziert und der Glucosestoffwechsel (Insulinsensitivität, ß-Zell-Funktion, hepatische Glucoseproduktion) dadurch völlig normalisiert werden. Auch nach einem halben Jahr hatten die Typ 2-Diabetiker bei Taylor OHNE MEDIKAMENTE ODER INSULIN noch einen normalen Zuckerstoffwechsel. Für manche wohl eine unerwünschte Erkenntnis...
Und noch ein Buchtipp: Gerade erschienen ist "Menschenstopfleber", das neue Buch von Nicolai Worm. Da werden die Zusammenhänge sehr verständlich und wissenschaftlich fundiert erläutert.

Dr. med. Johannes Scholl
Internist, Ernährungs- und Sportmedizin
1. Vorsitzender der Deutschen Akademie für Präventivmedizin e.V.

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