Ärzte Zeitung, 09.12.2013

Diabetes

Kinder profitieren von Blutzuckerselbstmessung

Blutzuckerselbstmessungen bei Kindern mit Diabetes sind wichtig: Einer Datenbankanalyse zufolge bessert sich die Stoffwechseleinstellung bis zu einer Zahl von fünf Messungen am Tag. Mehr bringt nichts.

Von Thomas M. Kapellen

Kinder profitieren von Blutzuckerselbstmessung

Ab einer Messung von fünf Werten am Tag zeigte sich bei Kindern keine signifikante Verbesserung mehr.

© Fertnig/iStock

Die Blutzuckerselbstmessung ist ein wichtiger Baustein in der effektiven Behandlung von Kindern mit Diabetes.

Es gibt aber nur wenige Studien, die untersuchen, wie Messfrequenz und Stoffwechselkontrolle sowie Komplikationen bei Kindern mit Diabetes zusammenhängen. Auch der Einfluss der Therapieform ist in diesem Alter nicht bekannt.

In einer Studie wurden die Daten der DPV-Datenbank aus den Jahren 1995 bis 2006 analysiert.

In diesem Zeitraum wurden insgesamt 26.723 Kinder und Jugendliche in 233 deutschen und österreichischen Zentren betreut. Für die Studie wurden für jeden Patienten Durchschnittswerte aus dem aktuellsten Therapiejahr verwendet.

Außer der Zahl der Blutzuckerselbstmessungen wurden Geschlecht, Alter, Diabetesdauer, Ketoazidose mit stationärer Aufnahme, Hypoglykämien und HbA1c (mathematisch standardisiert) erfasst.

Es erfolgte eine Subanalyse von drei Altersgruppen (0-5 Jahre: 7,4 Prozent, 6-12 Jahre: 28,3 Prozent, 13-18 Jahre: 64,2 Prozent). Das mittlere Alter lag zuletzt bei 12,7 Jahren, und die mittlere Diabetesdauer der Patienten lag bei 4,8 Jahren.

Mittlerer HbA1c betrug 8,16 Prozent

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Der mittlere HbA1c lag insgesamt bei 8,16 Prozent und war vom Alter (0-5 Jahre = 7,59 Prozent, 6-12 Jahre = 7,61 Prozent, 13-18 Jahre = 8,46 Prozent) und der Therapieform abhängig. Im Mittel wurde von den Patienten oder deren Eltern der Blutzucker 4,7-mal pro Tag gemessen.

Von 1995 bis 2006 stieg diese Zahl kontinuierlich von 3,2 auf 5,1 Blutzuckerselbstmessungen pro Tag. Dabei wurde am meisten im Kleinkindesalter gemessen (6) und am wenigsten von den Jugendlichen (4,4). Pumpenpatienten kontrollierten ihre Werte signifikant häufiger (5,3/d vs. 4,7/d bei ICT).

Mehr Messungen waren signifikant mit einer besseren Einstellung assoziiert. Im Schnitt kann mit einer Messung mehr am Tag eine Verbesserung des HbA1c um 0,2 Prozent erreicht werden, mit Pumpe sogar um 0,27 Prozent.

Ab einer Messung von fünf Werten am Tag zeigte sich aber keine signifikante Verbesserung mehr.

Es gab auch eine signifikante Beziehung zwischen der Häufigkeit von Hypoglykämien und der Blutzucker-Messfrequenz. Die Rate der Hypoglykämien stieg mit der Messfrequenz, für die Zahl von Ketoazidosen war die Beziehung invers.

Es gibt also eine strenge Assoziation der Häufigkeit der Blutzuckerselbstmessungen (bei 0-5 Messungen/d) und der Stoffwechseleinstellung. Dies betrifft vor allem Jugendliche.

Vorsichtige Interpretation der Daten

Die Interpretation dieser Daten muss sehr vorsichtig erfolgen. Es zeigt sich aber eine klare Abhängigkeit der Zahl von Blutzuckerselbstmessungen mit der Stoffwechseleinstellung, gemessen am HbA1c im Bereich von 0-5 Messungen pro Tag, bei der jede zusätzliche Messung den HbA1c verbessert.

Jugendliche scheinen von der Erhöhung ihrer Blutzuckermessfrequenz mehr zu profitieren, auch über fünf Messungen hinaus. Gerade in diesem Alter ist die Zahl der Messungen ein valider Parameter für die gute Selbstbehandlung des Diabetes, da sie ja eine Dosisanpassung nach der Messung erlaubt.

Bei Kleinkindern machen die Eltern meist eine Therapie mit häufigen Messungen (4-7), sodass hier keine so gravierenden Unterschiede in Erscheinung treten.

Gerade Pumpenpatienten profitieren aber auch von mehr Messungen, da eine zeitnahe Reaktion auf das Messergebnis ohne wesentlichen zusätzlichen Aufwand (Pen nehmen und spritzen) erfolgen kann.

Bei Patienten, die deutlich mehr messen, zeigt die Messfrequenz möglicherweise die momentan schwierige Stoffwechselsituation mit schwankenden Werten an.

Auch die höhere Messfrequenz bei Hypoglykämien ist sicher nicht als kausaler Zusammenhang zu deuten. Bei bekannter Unterzuckerungsneigung wird man sicher öfter den Blutzucker kontrollieren, um ein erneutes Auftreten eines solchen Ereignisses zu vermeiden.

Limitiert wird die Studienaussage dadurch, dass es sich um keine randomisierte Studie handelt. Dafür spiegeln die Daten aber das "real life" wider.

Der Originalbeitrag des Leipziger Kinderarztes Dr. Thomas Kapellen ist publiziert in: pädiatrie hautnah 2012; 24 (1): 21 basierend auf Ziegler R et al. Frequency of SMBG correlates with HbA1c and acute complications in children and adolescents with type 1 diabetes:. Pediatric Diabetes 2011; 12: 11-17.

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