Ärzte Zeitung, 26.02.2015

Typ-1-Diabetes

Frauen verlieren mehr Lebenszeit

Frauen leben im Allgemeinen länger als Männer. Dieser Vorteil geht aber bei Typ-1-Diabetes verloren: Frauen verlieren im Vergleich mit Männern deutlich mehr Lebensjahre.

Von Peter Overbeck

Diabetes-A.jpg

Insulin-Injektion: Mädchen neigen eher als Jungen dazu, das Hormon zu niedrig zu dosieren, um Gewicht zu verlieren.

© Monkey Business / fotolia.com

BRISBANE. Trotz verbesserter Therapie ist die Lebenserwartung von Menschen mit Typ-1-Diabetes nach wie vor geringer als die der Allgemeinbevölkerung.

Im höheren Lebensalter sind bekanntlich die Spätfolgen von Hyper- und Hypoglykämien und hier vor alle makrovaskuläre Erkrankungen ein entscheidender Grund für die erhöhte Mortalität.Wiederholt gab es Hinweise, dass Frauen die ungünstigen Auswirkungen eines Typ-1-Diabetes stärker zu spüren bekommen als Männer.

Systematische Untersuchungen dazu fehlten jedoch bisher. Dieser Aufgabe hat sich nun eine Forschergruppe um Professor Rachel Huxley von der University of Queensland in Brisbane in Australien angenommen (Lancet Diabetes 2015, online 5. Februar).

Risiken für KHK oder Schlaganfall

Dieses Team hat bereits in mehreren Metaanalysen geschlechtsspezifische Unterschiede bei Diabetes-assoziierten Risiken etwa für KHK oder Schlaganfall unter die Lupe genommen.

Für ihre aktuelle Metaanalyse haben die Forscher nach einer PubMed-Suche Daten aus 26 Studien herangezogen, in denen die gesundheitliche Entwicklung von 214.114 Personen zum Teil über Jahrzehnte nachverfolgt worden war.

Analysiert wurde das geschlechtsspezifische Sterberisiko von Männern und Frauen mit Typ-1-Diabetes im Vergleich zur gleichaltrigen Bevölkerung ohne Diabetes ("standardisierte Mortalitätsrate", SMR).

Dann wurde zudem das Frauen/Männer-Verhältnis für die mit Typ-1-Diabetes assoziierte Übersterblichkeit (Exzessmortalität) ermittelt.

Erwartungsgemäß war die Gesamtmortalität bei Männern und Frauen mit Typ-1-Diabetes höher als in der Bevölkerung ohne Diabetes.

Bei Frauen war aber die Diabetes-assoziierte Exzessmortalität signifikant um 37 Prozent höher als bei Männern.

Frauen hatten dabei im Vergleich zu Männern ein um 86 Prozent höheres Risiko für tödliche kardiovaskuläre Erkrankungen und ein um 44 Prozent höheres Risiko für tödliche Nierenerkrankungen.

Die Inzidenz von Koronarerkrankungen war bei Frauen mehr als doppelt so hoch, die von Schlaganfällen relativ um 37 Prozent höher. Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Mortalität durch Krebs oder Unfälle wurden bei Typ-1-Diabetes dagegen nicht beobachtet.

Über die Gründe lässt sich derzeit nur spekulieren. Huxley und ihre Kollegen vermuten, dass Frauen mit Typ-1-Diabetes wegen einer schlechteren Stoffwechselkontrolle in ihrem Leben länger den schädigenden Wirkungen der Hyperglykämie ausgesetzt sind.

Schlechtere Insulin-Wirkung bei Mädchen?

Nach Studiendaten hätten besonders Mädchen und junge Frauen mit Typ-1-Diabetes oft schlechtere Blutzucker- und HbA1c-Werte als Jungen und Männer - trotz häufigerer Nutzung von Insulinpumpen.

Als mögliche Ursache sei eine ausgeprägtere Verschlechterung der Insulinsensitivität bei Mädchen während der Pubertät in der Diskussion. Mädchen neigten auch eher als Jungen zu Essstörungen sowie dazu, Insulin zu niedrig zu dosieren, so die Studienautoren.

Sie schließen zudem nicht aus, dass mit Diabetes einhergehende Störungen der Hypothalamus- Hypophysen-Ovar-Achse von Bedeutung sein könnten, die sich als verspätetes erstes Auftreten der Regelblutung in der Pubertät, als Menstruationsstörungen und frühzeitige Menopause manifestieren können.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Debatte über Zwang und Zustimmung

Widerspruch oder aktive Zustimmung? Zwei Stunden lang hat der Bundestag am Mittwoch um den richtigen Weg gerungen, mehr Menschen für die Organspende zu gewinnen. mehr »

Pflege geht auf die Psyche und den Rücken

Der aktuelle TK-Gesundheitsreport hat die Gesundheit der Menschen in Pflegeberufen untersucht. Das Ergebnis zeigt: Die Belastung in der Branche ist hoch. mehr »

Mehr Beratung für mehr Organspenden!

Der Bundestag berät heute zwei Initiativen zur Reform der Organspende in Deutschland. Jüngst kam von einem Experten Kritik an einem der Entwürfe: zu teuer. Das ist „unseriös“, kontert eine Parlamentarierin. mehr »