Ärzte Zeitung, 16.07.2015

Typ-1-Diabetes

Risikotest verhindert Ketoazidosen

Bei jedem dritten Typ-1-Diabetiker wird die Krankheit erst durch eine lebensgefährliche Ketoazidose erkannt. Mit Früherkennungstests ließe sich die Komplikation verhindern und die Teilnahme an einer Präventionsstudie ermöglichen.

Risikotest verhindert Ketoazidosen

Blutabnahme mit Spezial-Lanzette.

© Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München

MÜNCHEN. Die Ketoazidose ist die führende Todesursache bei Kindern mit Typ-1-Diabetes.

Der Diabetes verläuft über Monate - manchmal Jahre - unerkannt. Symptome wie übermäßiger Durst, häufiges Wasserlassen oder starke Gewichtsabnahme treten erst auf, wenn schon 80 Prozent der Insulin-produzierenden Betazellen im Pankreas durch die Autoimmunreaktion zerstört sind und der Körper den Blutzucker nicht mehr regulieren kann.

Allerdings lassen sich im Blut schon Jahre vorher Autoantikörper als Indikatoren der Autoimmunerkrankung nachweisen, berichtet das Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München, in einer Mitteilung.

Werden mindestens zwei verschiedenen Formen der spezifischen Autoantikörper nachgewiesen, entwickeln nahezu 100 Prozent der Betroffenen binnen 20 Jahren einen Typ-1-Diabetes, wie Analysen des Instituts ergeben haben. Ausgewertet wurden Daten von weltweit 13.777 Probanden aus Risikofamilien über einen Zeitraum von 20 Jahren.

Milder Verlauf bei früher Diagnose

"Leider beginnt die Laufbahn eines Typ-1-Diabetikers häufig auf der Intensivstation", so Professor Anette-Gabriele Ziegler, die Direktorin des Instituts. Dies ließe sich mit einem einfachen Risikotest verhindern. Die Diabetologin hat daher das Pilotprojekt Fr1da initiiert. Bayernweit bieten Pädiater für zwei- bis fünfjährige Kinder diesen einmaligen Bluttest an.

"Die frühe Diagnose soll in erster Linie dazu dienen, lebensbedrohliche Ketoazidosen zu verhindern und die Familien mit psychologischer Unterstützung und Schulung auf die Erkrankung und ihre Therapie bestmöglich vorzubereiten", so Ziegler in der Mitteilung.

"Ein Inselautoantikörper-Screening kann das Auftreten von Ketoazidosen verhindern und den Krankenhausaufenthalt bei Ausbruch des Typ-1-Diabetes verkürzen."

Junge Verwandte von Typ-1-Diabetikern können ebenfalls von einem Risikotest profitieren: Diesen Risikopersonen bietet das Institut für Diabetesforschung in Zusammenarbeit mit dem internationalen Forschungsprogramm TrialNet (Natural History Study, NHS) eine kostenlose Blutuntersuchung an, sofern sie nicht älter als 20 Jahre beziehungsweise bei erstgradiger Verwandtschaft nicht älter als 45 Jahre sind.

Ebenso wie bei Fr1da wird Blutserum auf vier Autoantikörper untersucht, die einen Typ 1 Diabetes ankündigen: Autoantikörper gegen Insulin (IAA), gegen Glutamat-Decarboxylase (GADA), Tyrosin-Phosphatase (IA2-A) und gegen den Zinktransporter 8 (ZnT8-A). Ein genetischer Test ermittelt außerdem, ob Diabetes-Risikogene vorliegen.

Prävention von Typ-1-Diabetes

Wer um sein Erkrankungsrisiko weiß, kann an einer Präventionsstudie des Instituts für Diabetesforschung teilnehmen. Die Studien verfolgen das Ziel, entweder den Krankheitsausbruch zu verhindern oder hinauszuzögern oder zumindest den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Abhängig davon, wie weit die Autoimmunität bereits fortgeschritten ist, richten sie sich an verschiedene Zielgruppen:

- Studien zur Primärprävention: Impfstudien mit Insulin sollen bei Risikopersonen, die noch keine Autoantikörper gebildet haben, die Entstehung von Typ 1 Diabetes verhindern (PrePoint-Studie).

- Studien zur Sekundärprävention: Bei Personen, bei denen Autoantikörper im Blut nachweisbar, jedoch noch keine Symptome aufgetreten sind, soll der Autoimmunprozess aufgehalten werden (Oral Insulin Studie, ABATACEPT-Studie).

- Studien zur Tertiärprävention: Bei neu diagnostiziertem Typ-1-Diabetes soll die Restfunktion der Betazellen möglichst lange erhalten werden (Albiglutide-Studie). (eb/eis)

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