Ärzte Zeitung, 13.02.2017

Typ-2-Diabetes

Lebensstiländerung zahlt sich doch aus

Die Look AHEAD-Studie gilt oft als Beleg dafür, dass gesunde Kost und Bewegung bei Diabetes nicht viel bewirken. Eine neue Analyse relativiert den Eindruck.

Von Peter Overbeck

Zahlen sich Lebensstiländerungen bei übergewichtigen oder adipösen Patienten hinsichtlich ihres kardiovaskulären Risikos aus? Wider Erwarten schienen solche Maßnahmen Ergebnissen der Look AHEAD-Studie zufolge ohne Nutzen zu sein – was durch eine neue Post-hoc-Analyse von Daten dieser Studie nun etwas relativiert wird.

Lebensstil auf dem Prüfstand

Übergewicht und Adipositas begünstigen bekanntlich die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Die Konstellation aus Übergewicht oder Adipositas plus Diabetes birgt bei Patienten ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen. Lebensstilveränderungen zur Gewichtsreduktion und Steigerung der körperlichen Fitness könnten hier vorbeugend wirken.

Ob sie diese präventive Wirkung tatsächlich haben, ist vor einiger Zeit in der Look AHEAD-Studie geprüft worden. Dafür sind mehr als 5145 übergewichtige oder adipöse Patienten mit Diabetes zwei Behandlungsgruppen zugeteilt worden: In der einen waren intensive Lebensstilinterventionen angesagt, in der andern beschränkte man sich auf eine allgemeine Beratung in Gesundheitsfragen.

"Katastrophale Botschaft"

Zur Bestürzung der Experten konnten am Ende keine relevanten Auswirkungen der intensiven Lebensstilveränderungen auf die Inzidenz von kardiovaskulären Ereignissen nachgewiesen werden. Das sei eine "katastrophale Botschaft", so Privatdozent Dr. Michael Lehrke vom Universitätsklinikum Aachen bei einer Pressekonferenz im Rahmen der DGK-Herztage in Berlin. Ist also alle Mühe zur Verbesserung des kardiovaskulären Risikoprofils durch grundlegende Änderung der Lebensweise bei Diabetikern vergeblich?

Nein, ist sich Lehrke sicher. Bestätigt sieht er sich auch durch positive Ergebnisse einer kürzlich publizierten Post-hoc-Analyse der LookAHEAD-Autoren. Sie haben darin gezielt jene Studienteilnehmer aus beiden Gruppen unter die Lupe genommen, die im ersten Jahr der Studie ihr Körpergewicht um mindestens zehn Prozent verringern konnten (Lancet Diabetes Endocrinol. 2016; online 30. August). Und siehe da: Zumindest Patienten mit entsprechender Gewichtsreduktion hatten im Follow-up-Zeitraum von rund zehn Jahren ein signifikant um 21 Prozent niedrigeres Risiko für den primären Studienendpunkt (kardiovaskulär verursachter Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall, Hospitalisierung wegen Angina pectoris) als Patienten mit unverändertem Gewicht oder Gewichtszunahme (p = 0,034).

Risikoreduktion bei Gewichtsverlust

Nach Ansicht der Studienautoren legt dieses Ergebnis der Post-hoc-Analyse nahe, dass eine Assoziation zwischen dem Ausmaß der Gewichtsabnahme und der Inzidenz von kardiovaskulären Erkrankungen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes besteht.

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