Ärzte Zeitung, 14.12.2016
 

Prävention

Adipositas auf die Agenda der Politik

Die Bundesregierung sollte einen Beauftragten für Diabetes und Adipositas einsetzen – etwa um Qualitätsstandards für das Essen an Kitas und Schulen durchzusetzen.

BERLIN. Vor dem Hintergrund zunehmender Zahlen von Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht und Adipositas hat diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe verstärkte und konsequentere Prävention gefordert – auch um dem Risiko von Diabetes vorzubeugen.

"Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern sind in Deutschland ein ernstes Problem", warnt Professor Baptist Gallwitz, Präsident der Deutschen Diabetes-Gesellschaft. Nach Daten von KiGGS1 waren bereits im Zeitraum 2003 bis 2006 15 Prozent der drei- bis 17-Jährigen übergewichtig.

Aktuellere Daten werden voraussichtlich erst 2017/18 verfügbar sein. Nach Expertenschätzungen könnte die Zahl der Kinder mit Übergewicht bis zum Jahr 2025 auf 1,8 Millionen steigen.

Dr. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE: "Ihnen droht im Erwachsenenalter ein erhöhtes Risiko für chronische Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden, Krebs, Gelenkverschleiß und psychische Probleme."

Diabetes als Todesursache

Beim Welt-Adipositas-Tag wurden die Konsequenzen für Deutschland so beschrieben: In der Gruppe der übergewichtigen Kinder werden bis 2025 insgesamt 73.000 Betroffene eine gestörte Glukosetoleranz entwickeln. 23.000 davon werden an Diabetes-Typ-2 erkranken, 159.000 an überhöhtem Blutdruck und 220.000 an Fettleber.

Auch die WHO sehe die Situation als "dramatisch" an: Diabetes gehöre zu den fünf Krankheiten, die zwischen 2015 und 2030 immer häufiger Todesursache sein werden. Die WHO rechnet mit einem Anstieg der diabetesbedingten Todesfälle um 34 Prozent in diesem Zeitraum.

Qualität für Schul- und Kitaessen

"Um dieser leidvollen und kostenintensiven Entwicklung entgegen zu steuern, benötigen wir einen Beauftragten der Bundesregierung für Diabetes und Adipositas", fordert Kröger. Dieser solle auf die Bundesländer einwirken, verpflichtende Qualitätsstandards für das Essen an Schulen und Kitas einzuführen.

Derzeit sei eine gesunde Verpflegung noch die Ausnahme. Zwar habe die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bereits 2007 Qualitätsstandards erarbeitet. Doch bisher hätten nur Berlin und Saarland diese verbindlich umgesetzt.

Gallwitz: "Eine solche Maßnahme wäre sehr wichtig. Denn Ernährungsverhalten und Geschmacksvorlieben werden früh in der Kindheit geprägt."

Darüber hinaus fordern die beiden Diabetes-Organisationen weiterreichende Initiativen: Sport, Abbau von Übergewicht in der Schwangerschaft, Reduktion fett- und zuckerhaltiger Lebensmittel und Getränke. (HL)

[14.12.2016, 17:47:53]
Thomas Georg Schätzler 
Eher eine Falschmeldung!
Herr Karl-Otmar Stenger, meine Quelle im Südkurier sagt dazu etwas anderes: Klassische, extrem überzuckerte Produkte der heimischen Süßwarenindustrie werden im US-Senat protegiert, promoviert und konsumiert.

"Bei der Platzvergabe gibt es reges Interesse am Candy Desk. Letztendlich gewinnt derjenige, der am längsten Senatsmitglied ist, erklärt Daniel S. Holt, zuständig für Geschichtsberatung im Senat. Für den stolzen Nutzer ist der Candy Desk meist Aushängeschild der Süßwarenindustrie seines Bundesstaats, und die sorgt eifrig für Nachschub. Zwar verbieten ethische Grundsätze Geschenke an Senatoren, die mehr wert sind als 100 US-Dollar (94 Euro). Allerdings gilt das nicht für Produkte, die im eigenen Bundesstaat hergestellt wurden und anschließend an Dritte verteilt werden.

Der Naschtisch hat auf diese Weise schon Süßes aller Art gesehen. Er war prall gefüllt mit Schokoriegeln und knallbunten Jelly Beans, als Senator Mark Kirk aus Illinois am Zug war. Der nutzte die Gelegenheit, um die hohe Beschäftigung in der Süßwarenindustrie in Illinois anzupreisen, wie auf seiner Homepage zu lesen ist.

Seit vergangenem Jahr sitzt Senator Patrick Toomey aus dem östlichen Bundesstaat Pennsylvania am Candy Desk. Er habe nun haufenweise Verantwortung, schrieb er auf seiner Homepage zur Übernahme der Süßigkeitenschublade. Mit Leckereien wolle er seine Parteikollegen fortan zur Einigkeit anhalten. Auf YouTube hält Toomey einen Schokoriegel in die Kamera und wirbt für die Unternehmen in seinem Staat. Um vom Candy Desk zu profitieren, dringen sogar Demokraten weit in den rechten Flügel des Senats vor, erzählt Holt. Einige von ihnen teilen sich mittlerweile einen eigenen Süßigkeitenvorrat auf ihrer Seite – den müssen sie allerdings selbst bezahlen."

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »
[14.12.2016, 14:50:26]
Karl-Otmar Stenger 
Süssigkeiten = Gift für die Kinder
Will man verpflichtende Qualitätsstandards für das Essen an Schulen und Kitas durchsetzen, muss man sich auch für die Ganztagsbetreuung der Kinder entscheiden. Leider ist ein positiver Einfluss von Eltern und Großeltern auf die gesunde Ernährung der Kinder nicht immer gegeben.
Sollte die Bundesregierung einen Beauftragten aus den Reihen der Parlamentarier aussuchen, so müsste er dem Vorbild des US-Senats entsprechend sich auch um das Füllen der Süssigkeiten-Schublade im Parlament kümmern, wie es z. Zt. das Amt des Senators Patrick Toomey aus Pennsylvania ist(siehe FR vom 14.12.16, S. 40).  zum Beitrag »

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