Ärzte Zeitung, 10.11.2016

Fr1dolin-Studie

Kinderärzte bieten kostenlose Diabetes-Früherkennung an

Die Früherkennung auf Diabetes und Hypercholesterinämie bei Kindern startet in Niedersachsen.

HANNOVER. Bei allen niedersächsischen Kinderärzten können Eltern neuerdings ihren Nachwuchs kostenlos auf Typ-1-Diabetes und familiäre Hypercholesterinämie (FH) testen lassen, teilte das Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult mit.

Die Klinik in Hannover leitet die Fr1dolin-Studie. Teilnehmen können die rund 320.000 Zwei- bis Sechsjährigen, die in Niedersachsen wohnen. Für den Test wird bei Vorsorge-Untersuchungen ein wenig Blut aus der Fingerkuppe entnommen.

An Typ-1-Diabetes (T1D) leiden in Deutschland rund 30.000 Jungen und Mädchen. Die Zahl der Neuerkrankungen steigt jährlich um drei bis vier Prozent, im Vorschulalter sogar um fünf bis sieben Prozent. Mit einer frühen Diagnose im symptomlosen Stadium könnte lebensgefährlichen diabetischen Ketoazidosen vorgebeugt werden, betonen die Mediziner.

"Eine flächendeckende Früherkennung wäre für die Betroffenen toll", sagte Kirsten Wirth von der Elterninitiative diabetischer Kinder und Jugendlicher in Nordrhein-Westfalen. Derzeit werde die Krankheit größtenteils erst im Alter zwischen sechs und acht Jahren entdeckt. Ähnliche Modellprojekte zur Diabetes-Früherkennung gibt es bereits in Sachsen (Freder1k-Studie) und Bayern (Fr1da).

Die zweite in Niedersachsen getestete Krankheit ist die familiäre Hypercholesterinämie. Auch die genetisch bedingte Fettstoffwechsel-Störung wird derzeit nur sehr selten rechtzeitig diagnostiziert.

Wenn Eltern dem Test beim Kinderarzt in Niedersachsen zustimmen, werden die Blutproben im Labor des hannoverschen Kinderkrankenhauses auf das Vorliegen einer familiären Hypercholesterinämie untersucht. Das Diabetes-Screening erfolgt am Institut für Diabetesforschung am Helmholtz-Zentrum München.

Weitere Kooperationspartner sind Psychologen der Medizinischen Hochschule Hannover, die psychische Folgen einer diagnostizierten Krankheit für Familien des Screenings evaluieren. (dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Neue Arzneien zum Schutz vor Brüchen

Osteoporose wird oft übersehen. Der Welt-Osteoporose Tag rückt die Erkrankung ins Bewusstsein. Zum Schutz vor Frakturen werden derzeit neue Substanzen erprobt. mehr »

Vergangenheit, die nicht vergeht

Ramstein, Eschede, Loveparade in Duisburg: Großunglücke lassen bei Opfern und oft auch bei Einsatzkräften seelische Wunden zurück. Psychotraumatologen können den Betroffenen in der Regel gut helfen. mehr »

Politik hat die Bedeutung der Arzneimittelforschung erkannt

Gute Versorgungsideen sind in der Politik willkommen, stellte Gesundheitsminister Jens Spahn bei der Springer Medizin Gala zum Galenus-von-Pergamon-Preis klar. mehr »