Ärzte Zeitung, 21.11.2016
 

Gewicht verlieren kurios

3 erstaunliche Fakten rund ums Abnehmen

Dicke Kellner verführen zum Essen und fettige Nüsse können zur idealen Diät beitragen: Wir zeigen neue Erkenntnisse zum Abnehmen – und warum Ausschlafen am Wochenende besonders schlecht ist.

Von Prof. Stephan Martin

3 erstaunliche Fakten rund ums Abnehmen

Ein guter Kellner um nicht Zuzunehmen?: Eine Studie fand heraus, dass dicke Kellner zu Nachspeisen animieren.

© Drobot Dean / Fotolia

Gewichtsabnahme oder zumindest Gewichtskonstanz sind aktuelle Megathemen. Schon lange drucken nicht mehr nur Frauenzeitschriften Empfehlungen hierzu ab. Doch gibt es auch neue wissenschaftliche Untersuchungen, nach denen Mandeln, langes Schlafen und die Körperformen von Kellnern das Gewicht und Stoffwechselvorgänge beeinflussen.

Hunger mit Mandeln bekämpfen!

Vor Jahren wurden sie noch als fettreiche Kalorienbomben verteufelt, heute überschlagen sich wissenschaftliche Studien, wonach Nüsse besonders gesund sind (Eur J Nutr 2015; 54: 803).

Britische Forscher haben nun 32 gesunden Personen an drei Tagen ein standardisiertes Frühstück gegeben. Dann erhielten die Versuchsteilnehmer entweder als zweites Frühstück 28g oder 42g Mandeln.

An einem weiteren Tag erhielten sie keine Zwischenmahlzeit. Anschließend wurde die Kalorienaufnahme zum Mittag- und Abendessen, sowie das Hungergefühl gemessen.

Ergebnis: Der Konsum von Mandeln dämpfte das Hungergefühl auch Stunden später deutlich. Auch war die Kalorienaufnahme beim Mittag- sowie beim Abendessen niedriger als der Energiegehalt der am Morgen aufgenommenen Mandeln.

Dies sollte allerdings beim Besuch der Weihnachtsmärkte nicht dazu verleiten, den Hunger mit gut riechenden gebrannten Mandeln zu stillen. Der Zucker würde hier nämlich mit Sicherheit das Gegenteil bewirken!

Schichtarbeit ist wohl ungesund

Schon lange ist bekannt, dass sich Schichtarbeit ungünstig auf die Gesundheit auswirkt. Wie bei Reisen in andere Zeitzonen wird der zirkadiane Rhythmus gestört, was sich auf verschiedene Stoffwechselvorgänge negativ auswirkt.

Wie sieht es aber mit dem Ausschlafen am Wochenende aus? Diese Frage haben sich Forscher der Universität Pittsburgh gestellt und bei über 400 gesunden Probanden mit einer speziellen Armbanduhr die Schlafdauer gemessen (J Clin Endocrinol Metab 2015; 100: 4612). Zusätzlich wurden Blutuntersuchungen durchgeführt.

Bei Personen, die am Wochenende ausschlafen – also einen sogenannten "social jetlag" haben – wurde ein geringerer HDL-Cholesterinspiegel sowie erhöhte Triglycerid- und Insulinwerte gemessen. Diese Daten zeigen, dass ein geändertes Schlafverhalten am Wochenende anscheinend nicht gesund ist!

Das Vermitteln dieser Studie erfordert Mut, speziell wenn man zu Hause Kinder im jungen Erwachsenenalter hat: Es ist wirklich eine bittere Pille!

Dicke Kellner meiden!

Unser Essverhalten wird von vielen Dingen beeinflusst. Das gilt auch in Restaurants. In einer Studie wurde das Bestellverhalten in 60 Restaurants in den USA, Frankreich und Spanien untersucht (Environment & Behavior 2015; online 28. Dezember). Dabei wurden fast 500 Bestellungen von Mahlzeiten systematisch erfasst.

Bei den Analysen stellte sich heraus, dass bei dicken im Vergleich zu schlanken Kellnern signifikant mehr Gerichte bestellt wurden. Zusätzlich wurde bei den dicken Kellnern viermal häufiger ein Nachtisch und etwa 18 Prozent mehr alkoholische Getränke bestellt als bei schlanken Kellnern.

Das Geschlecht der Kellner oder das Gewicht der Restaurantbesucher hatte aber keinen Einfluss auf das Bestellverhalten. Die Autoren vermuten, dass ein hohes Gewicht der Kellner bei den Gästen seltener ein schlechtes Gewissen auslöst.

Ähnliche Ergebnisse ergaben sich vor einiger Zeit in einer Untersuchung in Kantinen. Da führte ein hohes Gewicht einer Person, die vor einer Testpersonen in der Schlange stand, auch zu einer höheren Nahrungsaufnahme.

Die Konsequenzen sind einfach: Restaurantbesitzer sollten nur dicke Kellner einstellen! Wer jedoch abnehmen will, sollte vielleicht bereits am Eingang aus der Karte Gerichte auswählen, um so den Einfluss von dicken Kellnern zu meiden!

[21.11.2016, 15:27:17]
Stefan Graf 
Mehr Mahnung als Anreiz
Die sättigende Wirkung von Fett sowie die ungünstigen Auswirkungen veränderter Schlafrhythmik am Wochenende sind gut nachvolltiehbar und wohl schon einige Male betsätigt worden. Wirklich erstaunt bin ich von der zum Essen verführenden Wirkung "fülliger" Kellner. Mich schreckt das eher ab und mahnt mich zur Mäßigung. Eine heutige Kurzumfrage im (sportlichen) Kollegenkreis hat mich in dieser Wirkung betsätigt. Aber vielleicht spielt hier eine Rolle, dass die Untersuchungen in Frankreich, Spanien und den USA durchgeführt wurden, wo die Beziehung zum Essen wohl eine andere ist.

Dr.Stefan Graf - Berlin zum Beitrag »
[21.11.2016, 11:06:16]
Thomas Georg Schätzler 
Essen, Abnehmen und Esskultur
Ein sehr schöner, praxisnaher Bericht vom Direktor und Chefarzt des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums (WDGZ), Prof. Dr. med. Stephan Martin.

"Rote Teller sind als Hilfsmittel zum Abnehmen geeignet, sollten aber auf keinen Fall Patienten mit Unterernährung vorgesetzt werden. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Universität Oxford in einer am Mittwoch in der Fachzeitschrift "Flavour" veröffentlichten Studie. Die Forscher gehen darin der Frage nach, welchen Einfluss Material, Größe und Farbe von Geschirr und Besteck auf das Essverhalten haben können und führten dazu Experimente mit dutzenden Teilnehmern durch." ...
"So fanden die Forscher heraus, dass Essen salziger schmeckt, wenn es auf ein Messer aufgespießt und dann gegessen wurde, und nicht mit Gabel, Löffel oder Zahnstocher verspeist wurde. Es erscheint zudem "teurer", wenn es mit einem leichten Plastiklöffel gegessen wurde." Aus "Stern"
http://www.stern.de/panorama/wissen/tellerfarbe-bestimmt-essverhalten-warum-uebergewichtige-rot-sehen-sollten-3794598.html

Die Originalquelle ist
"The taste of cutlery: how the taste of food is affected by the weight, size, shape, and colour of the cutlery used to eat it" von Vanessa Harrar und Charles Spence
https://flavourjournal.biomedcentral.com/articles/10.1186/2044-7248-2-21


Zum Schluss noch die Anekdote "Is this big enough?" aus Berlin. Ein sehr dicker Amerikaner schob seinen Bauch durch den Frühstücksraum eines Hotels am Tauentzien, d e m Einkaufsviertel mit dem KADEWE im Westen der Hauptstadt. Am Büffet stehend, meckerte er die Bedienung wegen der seiner Meinung nach viel zu kleinen 'Frühstückstellerchen' an. Diese war als Berlinerin nicht auf den Kopf gefallen, holte sofort einen riesengroßen Essteller aus dem Schrank und fragte mit höflich-freundlichem Lächeln: "Is this plate big enough for You?"

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund  zum Beitrag »

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