Diabetes

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Modul: Der Diabetespatient in der Notfallversorgung – Synopsis für den ambulanten Sektor, den Rettungsdienst und die Notaufnahme

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Ärzte Zeitung online, 22.08.2017

Aktuelle Studie

Klinikärzte mahnen Diabetes-Screening an

Patienten mit Diabetes müssen länger im Krankenhaus bleiben und haben ein höheres Risiko für Komplikationen. Eine Studie der Universität Tübingen kommt zu dem Ergebnis, dass ein Diabetes-Screening für über 50-Jährige sinnvoll sei.

Von Anno Fricke

Klinikärzte mahnen Diabetes-Screening an

BERLIN. In den Krankenhäusern wird derzeit noch die Chance verpasst, möglichst vielen Diabeteserkrankungen auf die Spur zu kommen. Knapp jeder zweite in Deutschland stationär aufgenommene Patient könnte an Diabetes oder einer Diabetes-Vorstufe leiden, hat eine am Montag veröffentlichte Untersuchung der Universitätsklinik Tübingen, des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und des Helmholtz Zentrums in München ergeben. Bei den meisten Patienten ist die Krankheit bereits bekannt. Immerhin 3,7 Prozent der darauf hin untersuchten Patienten litt jedoch an einem noch nicht diagnostizierten Diabetes. Hochgerechnet seien dies mehr als 2200 Patienten im Jahr alleine beim Tübinger Maximalversorger, die die Ärzte behandelten, ohne von der Vorerkrankung zu wissen.

Den Diabetes-Status eines Patienten zu kennen, ist von unmittelbarem Nutzen für die Mediziner. Schon bei Patienten, die eine Diabetes-Vorstufe ausgebildet haben, träten signifikant mehr Komplikationen auf als bei Patienten ohne Diabetes, schreiben die Autoren der Studie "Prevalence and Distribution of Diabetes Mellitus in a Maximum Care Hospital: Urgent Need for HbA1c-Screening" (Exp Clin Endocrinol Diabetes 2017; DOI: 10.1055/s-0043-112653). Sie plädieren für ein regelhaftes Diabetes-Screening, um die Behandlungsqualität an dieser Stelle verbessern zu können. Dabei komme der Labormedizin eine besondere Rolle zu, sagte Professor Andreas Peter, Leiter des Zentrallabors in Tübingen und des zentralen Studienlabors des DZD, in dem die Untersuchung stattfand.

23,68 Prozent der mehr als 3700 in die Studie einbezogenen Patienten wiesen einen Prädiabetes auf, 22,15 Prozent einen Diabetes. Lediglich bei einem Drittel der Patienten mit bekanntem Diabetes wurde im Untersuchungszeitraum der aktuelle HbA1c-Wert erhoben. Diese Zahl halten die Autoren für viel zu niedrig. "Ein aktueller Wert kann wichtig für die Planung von Therapien sein", heißt es in der Studie.

Bekannt sei, dass an Diabetes erkrankte Menschen ein höheres Risiko für Komplikationen aufwiesen als diejenigen ohne. So seien bei 24 Prozent der Patienten mit Diabetes Komplikationen aufgetreten. Zum Vergleich: Nur 15 Prozent der Patienten ohne Diabetes seien von Komplikationen betroffen gewesen. Zudem müssten Diabetiker im Schnitt rund 1,5 Tage länger im Krankenhaus bleiben als Nichtdiabetiker.

"Angesichts der hohen Diabetes-Prävalenz in der Bevölkerung und der negativen Auswirkungen, die die Stoffwechselerkrankung hat, halten wir es für sinnvoll, über 50-jährige Patienten in Kliniken auf unerkannten Diabetes zu screenen", sagte Professor Andreas Fritsche, einer der Studienleiter.

Ein Screening wäre für das Gesundheitswesen in Deutschland nicht umsonst. Vier Euro erhalten die Labore derzeit für die Ermittlung eines Blutzuckerwerts. Einen unbekannten Diabetes zu diagnostizieren, schlage mit insgesamt 68,88 Euro zu Buche, rechnen die Autoren vor.

Diabetes absorbiert schon heute wesentliche Anteile der für die Gesundheitsversorgung zur Verfügung stehenden Ressourcen. Die Untersuchung geht von 21 Milliarden Euro im Jahr für die Behandlung des Diabetes selbst aus. Rechne man die Kosten der mit dem Diabetes einhergehenden Krankheiten dazu, komme man auf 48 Milliarden Euro (Stand 2009).

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[22.08.2017, 13:09:03]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Manchmal ist es zum "Haare raufen"!
Da mühen wir ambulant vertragsärztlich tätigen Haus-, Familien-, Fach-Ärztinnen und -Ärzte uns ab, wenigstens beim "Check-up 35" alle 2 Jahre Herz- Kreislauf-, Diabetes- und Stoffwechselrisiken bzw. andere Krankheitsentitäten zu detektieren, während Kliniker ebenso ausgedehnte, wie oft unnötige Labor-"Latten" anfordern, um dann die Serum-Glucose-Werte und den HbA1c einfach zu vergessen?

In meiner Praxis werden routinemäßig Kreatinin, Leberwert, LDL-Cholesterin und TSH bzw. in Zweifelsfällen der HbA1c-Wert erhoben, um den Patienten eine adäquate, differenzierte Labor-Diagnostik zu bieten. Und dann kommen örtliche Schwerpunktkliniken der Maximalversorgung nicht mal auf den Trichter, dass HbA1c, Nüchtern- und Postprandial-Glucose einfach nur gute diabetologische Kinderstube sind!?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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