Ärzte Zeitung online, 26.10.2017

KHK und Prädiabetes

Acarbose senkt nicht das kardiale Risiko

In der ACE-Studie bremste Acarbose bei KHK-Patienten mit gestörter Glukosetoleranz zwar die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Das kardiovaskuläre Risiko wurde aber nicht gesenkt.

LISSABON. Postprandiale Blutzuckerspitzen lassen sich durch eine Therapie mit Acarbose zwar in den Griff bekommen. Kardiovaskuläre Spätfolgen verhindert eine solche Intervention aber offenbar nicht, wie die ACE-Studie gezeigt hat. Die Ergebnisse wurden jetzt auf dem EASD-Kongress in Lissabon vorgestellt und zeitgleich in "Lancet Diabetology & Endocrinology" publiziert (online 13. September).

Bereits in der STOP-NIDDM-Studie von 2002 hatte sich mit Acarbose bei Patienten mit Prädiabetes die Diabetes-Manifestation aufhalten oder verzögern lassen. Auch ging die Therapie mit einem niedrigeren kardiovaskulären Risiko einher. Allerdings war die Aussagekraft der Ergebnisse wegen der geringen Zahl der Ereignisse schwach. In der ACE-Studie wurde nun die präventive Wirkung von dreimal täglich 50 mg Acarbose in China geprüft. Die 6522 Teilnehmer hatten eine KHK und eine gestörte Glukosetoleranz. Ergebnis: Binnen fünf Jahren wurde in der Verumgruppe das Risiko für eine Diabetes-Manifestation im Vergleich zur Placebo-Gruppe um 18 Prozent gesenkt.

Allerdings hatte die Therapie keinen Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko. In der Verumgruppe erreichten 14 Prozent der Patienten den kombinierten primären Endpunkt (nicht-tödlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall, kardiovaskulärer Tod, Hospitalisierung wegen instabiler Angina pectoris oder Herzinsuffizienz). In der Placebo-Gruppe waren es 15 Prozent. Auch die Gesamtmortalität war in beiden Gruppen ähnlich hoch.

Die Autoren um Rury Holman von der University of Oxford Diabetes Trials Unit wollen das Konzept der Senkung postprandialer Blutzuckerspitzen zum Herzschutz trotzdem nicht aufgeben. Indem Acarbose die Entwicklung von Diabetes bei KHK verzögere, könne die Substanz womöglich langfristig auch das kardiovaskuläre Risiko senken, betonen sie.

Auch die Professoren Michael Nauck und Juris Meier vom St. Josef-Hospital in Bochum sehen noch Potenzial. Acarbose könne vielleicht in fortgeschrittenen Diabetes-Stadien das kardiovaskuläre Risiko senken, schreiben sie in einem Kommentar. Zur Diabetes-Prävention seien aber möglicherweise andere Maßnahmen wie Lebensstiländerungen, Metformin oder Glitazone wirksamer. (vsc)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So teilt sich die Arbeitszeit von Ärzten auf

Wie viel Zeit bringen Ärzte für GKV-Patienten auf, wie viel für Bürokratie? Wie sind die Unterschiede in Stadt- und Landpraxen und den Fachbereichen? Wir geben Antworten. mehr »

Ein Gelähmter kann wieder gehen

Ein querschnittsgelähmter Mann kann wieder einige Schritte gehen - dank der elektrischen Rückenmark-Stimulation. Von Heilung wollen die Ärzte aber nicht sprechen. mehr »

OTC-Gebrauch verfälscht Laborwerte

Die meisten Patienten nehmen gelegentlich freiverkäufliche Arzneimittel ein. Nur wenige legen das gegenüber ihrem Arzt offen. Das hat Folgen, etwa für die Interpretation von Laborergebnissen. mehr »